Kassieren oder nett verwarnen?

Parkverstöße im Wittinger Stadtzentrum: Stadt lotet zusätzliche Kontrollmöglichkeiten aus

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Zwei Stunden mit Parkscheibe – daran hält sich in der Wittinger Altstadt nicht jeder Autofahrer.

Wittingen – Falsch- und Dauerparkern in der Wittinger Altstadt soll das Leben nicht zu leicht gemacht werden – das ist die Botschaft, die am Dienstagabend von der Ortsratssitzung ausging. Die Stadt will einen gewissen Kontrolldruck ausüben.

Dazu gab es allerdings auch kritische Stimmen.

Anlass der Diskussion war laut Ortsbürgermeister Matthias Rönneberg (CDU), dass sich ein Bürger bei ihm gemeldet hatte, der sich ungerecht behandelt fühlte: Fürs Falschparken am Gänsemarkt hatte er ein Knöllchen bekommen, während er diverse andere Falschparker an der Langen Straße registrierte, die offenbar ungeschoren davonkamen.

Seitens der Verwaltung hieß es schon in der Vorlage für die Sitzung: „Eine großflächige Überprüfung der kompletten Altstadt ist aus zeitlichen Gründen nicht möglich.“ Ein Freibrief soll das freilich nicht sein: „Das Ordnungsamt prüft zweimal pro Woche“, sagte Wirtschaftsamtsleiter Günter Kruse. Auch Aspekte wie Straßenreinigungspflicht und wild aufgehängte Werbeplakate habe man im Blick, noch intensivere Kontrollen seien personell nicht möglich. Aber: Man wolle in Kooperation mit der Polizei Kontrollmechanismen entwickeln, im Rathaus arbeite man an weitergehenden Lösungen. Gehen Beschwerden ein, wird gezielt kontrolliert.

Jörg Friedrichs (CDU) begrüßte ein konsequenteres Vorgehen gegen Falschparker und stellte die Frage nach zusätzlichen Kräften für diese Aufgabe: „Mehr Kontrollen müssten doch auch mehr Einnahmen bringen.“ Jutta Pape (FWG) fand dies hingegen „gruselig“: „Wir vergraulen doch die Kunden.“ Rönneberg merkte an, das Augenmerk müsse vor allem „auf Langzeitparkern liegen, die gar keine Kunden sind“. Dass einige Mitarbeiter von Betrieben tagsüber Parkplätze belegen, deren Nutzungsdauer eingeschränkt ist, ist kein Geheimnis. Pape fand, man könne doch die Delinquenten lieber „nett anschreiben“, statt gleich zu kassieren.

Kruse erinnerte daran, dass es mal eine städtische Kraft gab, die explizit dafür zuständig war, intensiv den ruhenden Verkehr zu überwachen und Verstöße zu ahnden. Genau wegen des „Wir-vergraulen-die-Kunden“-Arguments sei diese Praxis damals abgeschafft worden. So merkte denn auch Hildrun Mitschke (SPD) an, dass der Umgang mit Falschparkern ein Wittinger „Dauerthema“ sei – mindestens seit 1991.

Hartmut Horrey machte als Zuhörer den Vorschlag, den Marktplatz als Park-Areal freizugeben, an allen Tagen außer donnerstags, dann ist Wochenmarkt. „Ansonsten ist das doch eine nackte Fläche“. In Zeiten, in denen viele Pakete verschickt werden, gebe es einen gestiegenen Parkplatz-Bedarf durch Postkunden, und die hätten es dann nicht weit. Rönneberg kündigte an, dass der Ortsrat über die Idee diskutieren werde.

VON HOLGER BODEN

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