Ein Paket aus Verkehrsprojekten

Ein Zug wird kommen – im Zuge der Regiobahn 2014+ auch in Knesebeck häufiger. Fotos: Boden

Wittingen/Knesebeck/Vorhop. Vier große Verkehrsthemen – und fast alle werden mit Sicherheit für Wittingen in den nächsten Jahren Veränderungen bringen. Bei der Bereisung der CDU-Stadtratsfraktion, die sich am Montagabend die drei Bahnhöfe im Stadtgebiet ansah, ging es um ein Quartett aus Straßen- und Schienenprojekten, die sich zum Teil gegenseitig beeinflussen werden.

Da wäre zunächst die Regiobahn 2014+, Nachfolgeprojekt der Regio-Stadtbahn. CDU-Fraktionschef Walter Schulze hatte auch deshalb an den Wittinger Bahnhof geladen, um von der Verwaltung zu erfahren, welche finanziellen Folgen die beabsichtigte Qualitätssteigerung im Nahverkehr für die Stadt Wittingen haben wird. Zunächst einmal keine, konnte Stadtbürgermeister Karl Ridder vermelden.

CDU-Politiker und Ortsvorsteher sahen sich Handlungsbedarf am Wittinger Bahnhof an.

Nach seinem Informationsstand, so der Rathauschef, wird die Stadt an der Modernisierung der Gleisanlagen und der Herstellung von Barrierefreiheit finanziell nicht beteiligt. Die Vorhaben würden zu 75 Prozent aus Landesmitteln und zu 25 Prozent aus der Kasse des Zweckverbandes bezahlt. Im Rahmen des Regio-Stadtbahn-Projektes hatte die Stadt noch insgesamt 400 000 Euro bereitstellen müssen – Geld, das nie abgerufen wurde. Worüber man, so Ridder, natürlich nicht unglücklich sei. Allerdings: Wenn es dann künftig um die Gestaltung der Bahnhofsbereiche geht, wird auch die Kommune gefragt sein. Hier könnte, wie die CDU-Vertreter am Montagabend feststellten, die Schaffung zusätzlicher Parkplätze und Fahrradständer aktuell werden.

Privatbesitz: In Knesebeck gilt das alte Bahnhofsgebäude als Schandfleck.

Überhaupt wäre im Rahmen des neuen ÖPNV-Angebotes ab 2014 viel zu tun, um ein attraktives Umfeld zu schaffen. In Knesebeck etwa steht nach wie vor das baufällige alte Bahnhofsgebäude, das vielen Knesebeckern seit Jahren ein Dorn im Auge ist. Der Eigentümer wohnt nach Angaben der Verwaltung in Berlin. Eine Handhabe, selbst per Abriss oder durch andere Maßnahmen tätig zu werden, habe die Stadt nicht. Eine andere Frage, die Schulze auf die Tagesordnung brachte, ist die Verknüpfung des künftigen Regio-Bahnhofes Knesebeck mit dem Bus-Netz. Der Straßenzustand am Bahnhof scheint für eine direkte Anbindung nicht geeignet – wobei dies im Sinne eines attraktiven ÖPNV die beste Variante wäre. Als Alternative wurde am Montagabend eine Fußweg-Verbindung zur Haltestelle an der Gifhorner Straße diskutiert.

In Wittingen gibt es noch ein ganz anderes Problemkind: „Was wird aus dem OHE-Bahnhof?“, stellte Wolf-Ingo Bellin als erster die Frage, auf die wohl alle gewartet hatten. Das Gelände, das allen Reisenden beim Aussteigen sofort ins Auge fällt, gilt seit Jahren als Schandfleck. Das Celler Transportunternehmen hat bislang keine Abhilfe erkennen lassen.

Kein Wunder, dass Wünsche wach werden: Walter Schulze brachte die Idee ins Spiel, die OHE-Linie aus Richtung Hankensbüttel mit der DB-Strecke zu verbinden. Eine denkbare Konsequenz könnte sein, dass der OHE-Bahnhof nicht mehr benötigt wird. Weiter nach Radenbeck fahren ohnehin keine Züge. Die Einstellung des Zugverkehrs in diese Richtung, seit Jahren ein Fakt, würde damit allerdings wohl endgültig zementiert.

Aber: Würde die OHE-Trasse aus Richtung Westen in die DB-Gleise „eingespeist“, fiele die Gleisbrücke südwestlich von Wittingen weg – und das könnte, so die Einschätzung der CDU-Politiker am Montagabend, wünschenswerte Folgen für den A 39-Bau haben: Ohne OHE-Damm könne die Autobahn im betreffenden Bereich womöglich um einige Meter tiefer liegen. Zurzeit ist dort ein Verlauf auf etwa zehn Metern Höhe geplant. Der OHE-Damm ist knapp fünf Meter hoch. Schulze verwies auch darauf, dass für eine eventuelle enge Südumgehung eine Bahnquerung weniger nötig wäre, wenn OHE-Gleis und DB-Strecke verbunden werden.

Ob solche Ideen – die mit hohen Kosten verbunden sein dürften – überhaupt realistisch sind, wird die Wittinger Stadtverwaltung vielleicht am 27. Mai erfahren. Dann kommt es auf Initiative des Rathauses zu einem Treffen mit Vertretern der DB und der OHE, bei dem mögliche künftige Entwicklungen abgeklopft werden sollen.

Die Gedankenspiele machen deutlich: Die Regio-Bahn auf den DB-Gleisen, die OHE-Strecke mit ihrem maroden Bahnhofsgelände, die A 39 und eine mögliche Südumgehung in Eigenregie – sie alle haben Berührungspunkte, die die künftigen Planungen entscheidend beeinflussen können. Daraus für Wittingen das optimale Paket zu schüren, ist eine große Herausforderung für die nächsten Jahre. Die CDU will ihre Erkenntnisse vom Montagabend nun in die Gremienarbeit tragen.

Zusätzlich muss es sicher auch um einen Punkt gehen, der am Montag nicht angeschnitten wurde: Wenn die Regio-Bahn im Stundentakt rollt, werden die Staus in der Bahnhofstraße bei geschlossener Schranke noch zunehmen.

Von Holger Boden

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