„Personelle Kontinuität schaffen“

Dr. Osman Mersinli denkt als Geschäftsführer der Wittinger Helios-Klinik über neue Angebote nach

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Dr. Osman Mersinli will das Leistungsspektrum der Wittinger Klinik erweitern.

Wittingen. Seit dem 1. November führt Dr. Osman Mersinli die Wittinger Helios-Klinik. Zuvor war das Haus jahrelang vom Uelzener Klinikgeschäftsführer in Personalunion geleitet worden.

„Mit der Entscheidung, in Wittingen einen eigenen Klinikgeschäftsführer einzusetzen, hat Helios ein unmissverständliches Zeichen für den Erhalt und Ausbau der Klinik gesetzt“, sagt Helios-Regionalgeschäftsführer Reiner Micholka.

Der 44-jährige Mersinli bringt medizinisches wie auch betriebswirtschaftliches Know-how mit – und sagt im IK-Interview, dass er das Portfolio der Wittinger Klinik ausbauen möchte. Das Haus mit seinen rund 60 Mitarbeitern noch schlanker aufzustellen, sei dagegen nicht das Ziel. Das Gespräch führte IK-Redakteur Holger Boden.

IK: Herr Dr. Mersinli, Sie haben bei Ihrem Antritt gesagt, die Klinik in Wittingen berge „viel Potenzial“. Was genau heißt das?

Dr. Osman Mersinli: Damit meine ich unter anderem Überlegungen, das Leistungsspektrum der Wittinger Helios-Klinik auszubauen. Aufgrund der Bevölkerungsstruktur könnte aus medizinischer Sicht beispielsweise eine Abteilung für Altersmedizin – also Geriatrie – infrage kommen. Ob möglicherweise Strukturen für ein palliativmedizinisches Angebot sinnvoll sein könnten, wird derzeit ebenfalls geprüft. Zudem soll das MVZ, wo wir bisher eine chirurgische und eine HNO-ärztliche Fachpraxis haben, um eine Praxis für Allgemeinmedizin erweitert werden.

IK: Was ist nach drei Wochen Ihr erster Eindruck vom Wittinger Krankenhaus?

Mersinli: Ich sehe hochmotivierte Mitarbeiter, die sich mit großem Engagement um unsere Patienten kümmern. Dieses Engagement wird auch von der konzernweiten Patientenbefragung bestätigt – Wittingen hat in den vergangenen Monaten mehrfach das bundesweite Helios-Ranking der 81 akutmedizinischen Kliniken angeführt.

IK: Neben der Etablierung neuer Angebote: Was sind Ihre Ziele in Wittingen?

Mersinli: Meine aktuelle Hauptaufgabe sehe ich darin, die seit einem Jahr vakante Stelle des Chefarztes für die Innere Medizin neu zu besetzen. Ich möchte hier personelle Kontinuität schaffen, verlässliche Strukturen und vertraute Ansprechpartner für Patienten wie auch für die niedergelassenen Ärzte.

IK: Nach wie vor dürfte es nicht leicht sein, Mediziner aufs Land zu bekommen. Zuletzt musste ihre Klinik verstärkt auf Honorarärzte setzen.

Mersinli: Davon möchte ich weg. Ich denke auch, dass sich mit guten und motivierten Chefärzten junge Mediziner für unseren Standort begeistern lassen. Man kann hier viel lernen.

IK: Ein Dauerthema seit dem Klinik-Neubau vor acht Jahren ist die mangelnde Auslastung des Computertomographen, der ursprünglich auch für ambulante Zwecke eingeplant war. Gibt es unter Ihrer Ägide einen neuen Anlauf in dieser Sache?

Mersinli: In der Tat. Ich denke, dass eine medizinisch und ökonomisch sinnvolle Nutzung dieses Gerätes machbar sein sollte. In dieser Hinsicht haben wir erste Fühler ausgestreckt. Es wäre erfreulich, wenn wir hier auch ambulante radiologische Leistungen anbieten könnten.

IK: Bisher wurde die Wittinger Helios-Klinik aus dem Uelzener Klinikum gesteuert. Ist das Haus nun wieder autark?

Mersinli: Das ist definitiv so, ja. Natürlich gibt es nach wie vor Leistungen in Bereichen wie Technik oder Verwaltung, die für uns in Uelzen erbracht werden. Das ist angesichts der Größe unseres Hauses ja auch gar nicht anders denkbar.

IK: Das Uelzener Klinikum selbst hatte jüngst Probleme mit dreckigen OP-Bestecken, die verschmutzt von der Reinigung in Gifhorn zurückkamen. Werden die Wittinger OP-Bestecke ebenfalls in Gifhorn gereinigt?

Mersinli: Ja, aber wir hatten in Wittingen an dieser Stelle zum Glück keine Probleme. Es mussten keine Operationen abgesagt oder verschoben werden.

IK: Sie sind nicht nur selbst Mediziner, Sie sind auch Controller. Bedeutet das für die Wittinger Klinik die Suche nach neuen Einsparpotenzialen? Wird der Betrieb noch schlanker?

Mersinli: Nein, das Haus ist in dieser Hinsicht schon gut aufgestellt, und ich wüsste nicht, was man hier noch schlanker machen sollte. Ich sehe es als meine primäre Aufgabe an, die Erlösseite zu verbessern. Deshalb auch das Nachdenken über neue Angebote, über die wir mit den niedergelassenen Kollegen noch ins Gespräch kommen wollen.

IK: Läuft die Schmerzklinik innerhalb des Wittinger Krankenhauses noch?

Mersinli: Ja, da gibt es keine Veränderungen. Das ist meines Erachtens eine gute Abteilung. Vielleicht sollten wir sie noch stärker in den Fokus stellen.

IK: Bei Helios gibt es in vielen Häusern Wahlleistungsstationen – ein Modell auch für Wittingen?

Mersinli: In einem dem Haus angemessenen Maßstab ist das durchaus auch hier denkbar. Wir wollen voraussichtlich zwei bis drei Zimmer zu einem Wahlleistungsbereich umbauen, der mehr Komfort bietet. Abschließend entschieden ist das allerdings noch nicht.

Von Holger Boden

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