Wittinger Nöhre-Kreuzung: Graffiti-Künstler Förster wieder an Mauer aktiv

Optimismus für Europa

Darf der das? Ja, darf er: Marius Förster mit Atemschutz im Graffiti-Einsatz an der Nöhre-Kreuzung. Fotos: Boden

Wittingen. Ein Passant wollte gestern gern die Giraffe wiederhaben. Die fuhr von August 2009 bis Mai 2011 an der Nöhre-Kreuzung Fahrrad, bis ein schwerer Verkehrsunfall die Graffiti-Mauer zum Einsturz brachte.

Inzwischen ist die Grundstücksbegrenzung wieder aufgebaut – und wird in den nächsten Tagen wieder zum Blickfang: Der Klötzer Graffiti-Künstler Marius Förster arbeitet an einem neuen Kunstwerk.

Den Wunsch mit der Giraffe wird er aber wohl nicht erfüllen – welcher Künstler will schon dasselbe Bild noch einmal auf dieselbe Wand sprühen? „Man entwickelt sich weiter“, sagt denn auch Förster. So war gestern schon erkennbar, worum es dem Klötzer geht, der in Berlin Kommunikationsdesign studiert und zwischenzeitlich einen Studienaufenthalt in den USA verbracht hat: Eine Frau mit langen Haaren neben einem Stier – Förster sprüht dieses Mal zum Thema Europa.

„Bei der Werkstattwoche dreht es sich um die Zusammenführung von Ost und West“, erklärt der Künstler, der sich im Internet „Mezla“ nennt. „Die Einheit Europas ist da für mich die Weiterführung – ein wichtiges Thema.“ Hat er durch seine Zeit in den USA einen anderen Blick auf den alten Kontinent bekommen? Förster schmunzelt: „Dort befasst man sich nicht so viel mit Europa.“ Trotz der aktuellen Euro-Krise: Sein Kunstwerk soll eine optimistische Aussage vermitteln.

Die Wittinger Kulturvereinsvorsitzende Ursula Brüns freute sich gestern zum Auftakt der erneuten Graffiti-Aktion, „dass Marius zeigen kann, wie er sich weiterentwickelt hat, und dass die Wand wieder thematisch gefüllt wird“. Das dürfte vielen Wittingern so gehen – beim Kulturverein wie auch im Rathaus hat man viel positives Feedback registriert. Und auch viel Bedauern, als der Farbtupfer an der Nöhre-Kreuzung dann unfallbedingt Geschichte war.

Die Mauer sollte wieder her – das war auch das Bestreben der Stadt. Wirtschaftsamtsleiter Günter Kruse zeigte sich gestern froh, dass ein neues Kunstwerk entsteht. Murat Akpinar, Sohn des Eigentümers der Mauer und Inhaber des „Feuer vom Stein“ begrüßte gestern ebenfalls die Aktion und lud Förster spontan zu Erfrischungen und Stärkungen während seiner Arbeit ein. Die soll etwa eine Woche dauern. Vom Kulturverein bekommt der Klötzer eine Aufwandsentschädigung.

Dass Graffiti noch nicht wie selbstverständlich als Kunst wahrgenommen werden, hatte Förster beim letzten Mal erfahren müssen: 2009 wollte ein Passant ihn gleich zur Polizei bringen, weil er offenbar die Wand verunstaltete. Gestern musste er solche Erfahrungen nicht machen, aber: „Ein paar Kinder haben mich gefragt, ob ich das denn überhaupt darf.“

Von Holger Boden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare