„Merkbare Pegelerhöhungen“

Online-Konsultation zur A 39: Geht da noch was beim Lärmschutz?

Wenn die Autobahn eines Tages zwischenzeitlich bei Glüsingen enden sollte, würde der abfließende Verkehr aus zwei Richtungen gen Wittingen fließen – oder auch durch andere Orte im regionalen Straßennetz.
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Wenn die Autobahn eines Tages zwischenzeitlich bei Glüsingen enden sollte, würde der abfließende Verkehr aus zwei Richtungen gen Wittingen fließen – oder auch durch andere Orte im regionalen Straßennetz.

Wittingen – Wer sich im Zuge des Planfeststellungsverfahrens zu Abschnitt 6 der A 39 zu Wort gemeldet hat, der kann sich vom 19. Oktober bis 9. November an einer Online-Konsultation beteiligen.

Aufseiten von Bürgern gibt es die Hoffnung, dass die Stadt Wittingen sich in diesem Rahmen noch einmal nachdrücklich für Lärmschutz stark macht – der ist bisher nicht vorgesehen.

Bei der Online-Konsultation wird im Prinzip das erörtert, was die Planungsbehörde auf die vorgebrachten Einwände und Anregungen antwortet. Das elektronische Verfahren ersetzt den physischen Termin, der im Frühjahr wegen der Pandemie ausgefallen ist.

Zu diskutieren gibt es aus Bürgersicht einiges. So stößt es auf Unverständnis, dass am Isebeck westlich von Wittingen eine zwei Meter hohe „Irritationsschutzwand“ für Fledermäuse und Amphibien geplant ist – dass aber keine Lärmschutzwand für Bürger an der Autobahn vorgesehen ist, die streckenweise auf einem hohen Damm verläuft.

Schallschutzmaßnahmen werden für eine Reihe von Gebäuden als notwendig angesehen – die Planer kalkulieren dabei mit Grenzwerten und Entfernungen. Dabei geht es aber um passiven Schallschutz, also besser gedämmte Fenster. Wer mit offenem Fenster schlafen möchte oder muss, hat davon nichts.

Kritik wird auch daran laut, dass die Verkehrsprognose auf einer Analyse von 2012 basiert. Seitdem sind acht Jahre ins Land gegangen, es gab Änderungen bei der Lkw-Maut. Und von der B 190 n, die zwischen Breitenhees und der Altmark gebaut werden sollte, spricht derzeit niemand mehr. Die Entlastung, die diese Querspange auch dem Wittinger Raum bringen sollte, scheint in weite Ferne gerückt.

Sorgen macht man sich auch für den Fall, dass Abschnitt 6 (Ehra-Wittingen) eines Tages gebaut und freigegeben sein könnte, dass aber der nördlich angrenzende Abschnitt 5 (Wittingen-Bad Bodenteich) noch nicht fertig ist. Dann würde der Autobahnverkehr an der B 244 zwischen Mannhagen und Glüsingen – oder vorher an der L 270 bei Eutzen – in das örtliche Verkehrssystem abfließen. Damit wird Lärmschutz auch zu einem Thema in Orten abseits der Autobahn.

Denn für den „Planfall 3a“ – Autobahnende an der B 244 – geht die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in ihren schalltechnischen Berechnungen von „deutlichen Lärmpegelerhöhungen im Bestandsnetz“ aus. Für Wittingen, Knesebeck, Alt-Isenhagen, Hankensbüttel, Masel und Bad Bodenteich werden „teilweise merkbare Pegelerhöhungen“ prognostiziert.

Selbst mit einer durchgehend fertigen A 39 samt B 190 n wird in den Prognosen für die Ortsdurchfahrt Glüsingen/Wittingen von einer Erhöhung des Verkehrsaufkommens um 47 Prozent ausgegangen. Beobachter halten es derweil für wahrscheinlich, dass der Abschnitt 5 durch Klagen stark verzögert wird, weil es dort um teilweise sensible Naturbereiche geht.

Auf IK-Nachfrage heißt es von allen Fraktionen im Wittinger Stadtrat, dass sie auf Lärmschutz pochen wollen. Das sei seinerzeit auch in die städtische Stellungnahme geschrieben worden, nun werde man nachhaken. Auch Stadtbürgermeister Andreas Ritter sieht die oben genannten Punkte kritisch. Die Online-Konsultation will er mit einem interfraktionellen Gespräch vorbereiten. Die Landesbehörde wollte sich im Vorfeld nicht äußern. VON HOLGER BODEN

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