1112 wird der Ort vermutlich erstmals in der Urkunde von Bischof Reinhard von Halberstadt erwähnt

Ist Ohrdorf 900 oder 1000 Jahre alt?

Frühes romanisches Weihe-Kreuz (klein) im Kreuz aus gotischer Zeit.

Ohrdorf. „Ich, Reinhard (Reinhardus), Bischof von Halberstadt durch die Gnade Gottes. Bekannt sei allen gläubigen Christen, den gegenwärtigen und zukünftigen, dass ich, Reinhard, Bischof von Halberstadt, durch Gottes Gnade ….

zum Heil für meine Seele im Dorf, das Osterwieck (Oesterwich) genannt wird, ein der Regel entsprechendes Leben der Geistlichen eingerichtet habe, als dessen Urheber Augustinus gilt, und den Chorherren dort, die Gott dienen, Ländereien zum Unterhalt (28 ½ Hufen Land) gegeben habe. Gelegen in der Hofhaltung (Grafschaft) des Grafen Friedrich im Dorf Ottenleve (Ottleben) …“.

Mit diesem Text in der Urkunde, die Bischof Reinhard von Halberstadt (1107–1123) am 9. August 1112 (UB HHa 1 136) an einem nicht bekannten Ort ausstellte, tritt Ohrdorf vermutlich das erste Mal ins Licht der Geschichte.

„Es handelt sich dabei um eine Kopie eines Druckes aus dem Codex diplomaticus Brandenburgensis, hgg. v. Adolph Friedrich Riedel, 1. Hauptteil, Bd. 16, Berlin 1859, S. 392f.

Die Urkunde ist wiederholt nach verschiedenen Vorlagen abgedruckt worden, zuletzt von Walter Zöllner (die Urkunden und Besitzaufzeichnungen des Stifts Hamersleben, 1108-1462, Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte 17), Leipzig 1979, Nr. 2, S. 95-989 “, schreibt Dr. Michael Scholz. Ohrdorf wird also im lateinischen Urkundentext mit Diesdorf und einer Reihe weiterer Dörfer, die 2012 900-jähriges Bestehen feiern könnten, erwähnt – unter anderem mit Fahrendorf, Waddekath, Winkelstedt, Ahlum, Wistedt, Böddenstedt.

Zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung hatten die Bauern in den urkundlich erwähnten Dörfern Abgaben an das von Osterwieck nach Hamersleben verlegte Augustiner-Chorherrenstift zu leisten, was der Bischof von Halberstadt im August 1112 bestätigte.

Ohrdorf, das eine Hufe (12 bis 17 Hektar) zum Unterhalt beisteuerte, taucht in der Originalurkunde, die seit dem 2. Weltkrieg als verschollen galt, als Ardorb auf.

Dass das Original im Zusammenhang mit den Recherchen zur 900 Jahrfeier in Diesdorf kürzlich im Bistumsarchiv Hildesheim aufgefunden wurde, ist eine äußerst glückliche Tatsache (das IK verdankt diese Information Dr. Michael Scholz, Genthin.)

„Die Zuordnung „Ardorbs“ zu Ohrdorf ist allerdings nicht ganz unproblematisch, da es sich bei der Erstnennung auch um Arendorf im Landkreis Uelzen handeln könnte (UB Verden I, S. 36). “ Dies ist im „Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Landkreises Gifhorn“ von Dr. Jürgen Rund (Vgl. Rund 1996, S. 167) nachzulesen.

Die Erwähnung des Ortsnamens Ardorb südöstlich Wittingens könne sich aber auf Hucke (1956 ) und Pischke (1984) stützen, die beide „Ardorb“ mit dem heutigen Ohrdorf gleichsetzen, heißt es weiter.

Erwähnt wird Ohrdorf interessanterweise in seiner Geschichte auch „in einer nach 1209 (Kopie 1432) verfassten, angeblich 1014 von Bischof Arnulf von Halberstadt in Auftrag gegebenen und von Papst Benedikt VIII. bestätigten Grenzbeschreibung des Bistums Halberstadt.“

Zwei noch ältere Grenzbeschreibungen, die das Bistum betreffen, waren der oben genannten Beschreibung vorausgegangen. Danach soll Karl der Große 781 die Diözesegrenze bestimmt haben. In „Chronicon ecclesia Halberstadensis“ werde bestätigt, die Grenzen seien 804 festgelegt worden.“

In der vermeintlich „ältesten Ohrdorfer Erwähnung von 1014“ mit der entscheidenden Textstelle „bis zur Linde nahe bei Ohrdorf“ („usque ad tyliam iuxta Ohrdorpe...“), wie sie Albert Almstedt, ehemaliger Pfarrer im Dorf, im Ohrdorfer Kirchenführer den Besuchern und vielen Ordorfern nahelegt, liegt die Betonung auf „angeblich.“

Erwähnt ist dieses Schriftstück ebenfalls im „Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Landkreises Gifhorn.“

Hieb- und stichfester als die urkundliche Erwähnung von 1014, mit der Ohrdorf in zwei Jahren zum 1000-jährigen Ort avancieren könnte, wenn denn der urkundliche Nachweis eindeutig gelänge, scheint die Urkunde von 1112 zu sein.

Ist dieses Diplom die „älteste, nicht anfechtbare urkundliche Erwähnung“ des Dorfes?– wenn ja, dann könnte Ohrdorf in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen feiern.

Eine weitere urkundliche Erwähnung, die in der regionalgeschichtlichen Literatur im Zusammenhang mit Ohrdorf „herumgeistert“, ist die von 1235. Mit dieser Jahreszahl ist das nicht belegbare Erbauungsjahr der Ohrdorfer „Wehrkirche“ verknüpft.

Diese Quelle beruht auf einem Brief des Bischofs Friedrich von Halberstadt vom 10. August 1235, der den „Mönchen des Klosters Diesdorf „erlaubt, gebietet“– so die Lesarten – eine Kirche zur Bekehrung der Wenden in einem der unten genannten Dörfern zu bauen.“

Aufgeführt werden die Orte Modenburg (Mahnburg), Honlege (Hagen) und Cuzeresdorf (Küstorf). Da in diesen Nachbarorten von Ohrdorf vermutlich keine Kirchen existierten, wurde die Halberstädter Urkunde wohl absichtlich auf Ohrdorf bezogen.

Das „wahre Alter“ des in romanischer Zeit erbauten Ohrdorfer Gotteshauses , das dem in der Altmark sehr verbreiteten Typ der mehrteiligen Feldsteinkirche entspricht, ist auch viel älter, wie stilistische Vergleiche mit verwandten Kirchen belegen.

1959/1960 ist in der St. Laurentiuskirche Ohrdorf zudem ein frühromanisches Weihekreuz unter dem Putz freigelegt worden, das die Kunsthistoriker in die Zeit um 1130 bis 1150 datierten. Fundament-Reste einer Vorgängerin der heutigen Kirche datierten laut Almstedt wohl möglich bis in die Zeit um 800.

Von Jürgen Kayser

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