Draisinenfreunde im Abseits?

OHE-Strecke Wittingen-Radenbeck: Schienen-Aktivisten fühlen sich durch Baumaßnahmen entmutigt

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Bei Ohrdorf wurden die Gleise nicht einfach mit Asphalt überdeckt, sondern gekappt – das stößt den Verfechtern von Draisinenfahrten sauer auf.

Wittingen – Die Stadt Wittingen ist inzwischen offiziell Eigentümerin der ehemaligen OHE-Strecke Wittingen-Radenbeck. Ob die Schienen einmal eine Rolle bei der touristischen Entwicklung der Brauereistadt spielen werden, ist eine nach wie vor offene Frage. 

Zumindest scheint es ein langer Weg dahin zu sein.

Antworten erhofft man sich in Politik und Verwaltung bekanntlich von einem Gutachten, das Auskunft über Nutzungsmöglichkeiten des etwa 14 Kilometer langen Bahndamms geben soll. Bisher ist diese Expertise allerdings noch gar nicht in Auftrag gegeben: Zugesagt sind Fördergelder aus dem Leader-Topf, laut Wirtschaftsamtsleiter Günter Kruse wartet man im Rathaus aber noch auf die offiziellen Förderbescheide des Landkreises und des Amtes für regionale Landesentwicklung. Ein Ergebnis der Studie, die vier bis fünf Monate in Anspruch nehmen dürfte, wird damit voraussichtlich nicht vor Anfang oder Mitte 2020 vorliegen.

Entfernte Gleisstücke

In den Reihen jener, die sich für Draisinenfahrten auf der entwidmeten Bahnstrecke stark machen, fühlt man sich derweil vor dem Hintergrund des noch ausstehenden Gutachtens durch diverse bauliche Maßnahmen an der Trasse entmutigt und ins Abseits gedrängt. Der Wittinger Draisinenbauer Karl-Heinz Adam hat kürzlich eins seiner Gefährte auf dem Marktplatz aufgestellt, um darauf hinzuweisen: „Warum schafft man an der Strecke schon Fakten?“

Eine Draisine auf dem Marktplatz soll auf die Missstände aufmerksam machen.

Adam bezieht sich auf die Sanierung des Bahnübergangs im Zuge des Wirtschaftsweges zwischen Mahnburg und Ohrdorf. Die war insbesondere aus Ohrdorf seit Langem gefordert worden, im Volksmund war von einer „Sprungschanze“ die Rede. Die Schienenfreunde kritisieren nicht die Sanierung an sich – sondern den Umstand, dass die Gleise nicht einfach überteert worden sind (wie zwischen Plastau und Schneflingen), sondern an der Querung herausgeschnitten wurden. „So braucht die Stadt Wittingen sich über die touristischen Möglichkeiten einer Nutzung durch Fahrraddraisinen weitere Gedanken nicht machen“, moniert auch der Bromer Dieter Junge.

„Querdämme“

Mit Blick auf mittlerweile drei „Querdämme“ auf den Gleisen am Bromer Bahnhof spricht Junge ironisch von einer „sehr guten Entwicklung von Behinderungen auf der Bahntrasse Wittingen-Rühen“. Wenn nun bei Ohrdorf Gleise herausgeschnitten worden sind, dann fehle den Kommunen offenkundig „der gute Wille“.

Stadtbürgermeister Karl Ridder versichert auf IK-Anfrage, bei der Sanierung des Übergangs sei keineswegs böser Wille im Spiel gewesen. Für die Verkehrsteilnehmer sei es äußerst positiv, dass der Bahnübergang endlich entschärft sei. Warum die Gleise an der Stelle weichen mussten – in dieser Frage verwies Ridder gestern an die Tiefbau-Abteilung. Von dort war leider keine Stellungnahme zu bekommen.

Adam hat inzwischen von der Stadt die Aufforderung erhalten, seine Draisine wieder vom öffentlichen Gelände am Markt zu entfernen. Bis morgen will er dem nachkommen. „Die waren am Telefon sehr freundlich“, sagt er. Die Anfrage eines Lehrers, der kürzlich gern eine Draisinenfahrt auf dem Abschnitt Wittingen-Suderwittingen unternehmen wollte, musste Adam zu seinem eigenen Bedauern ablehnen: Die im letzten Jahr geräumten Gleise sind voller Brennnesseln – und die Birken wachsen auch schon wieder nach.

VON HOLGER BODEN

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