Neues Konzept des Landkreises Hameln-Pyrmont begeistert Politik und Bürger

Der ÖPNV der Zukunft?

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Boris Jülge (v.l.) und Tobias Heilmann luden zum Referat von Constantin Grosch über die Zukunft des ÖPNV im ländlichen Raum. Hameln konnte Ticketpreise senken und Fahrpläne ausbauen. 

Wittingen. Der Landtagsabgeordnete Tobias Heilmann (SPD) und der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, Boris Jülge, hatten am Mittwoch ins Wittinger Hotel Nöhre zu einem Referat geladen.

Constantin Grosche stellte die erfolgreiche Umgestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Landkreis Hameln-Pyrmont vor.

Da staunten die Zuhörer nicht schlecht: um knapp 70 Prozent billigere Fahrkarten bei 15-Minuten-Taktungen an Werktagen und immerhin noch 30- beziehungsweise 60-Minuten-Taktungen an Samstagen und Sonntagen bietet der umgestaltete ÖPNV in Hameln. Da ist der Landkreis Gifhorn weit abgeschlagen. Grosche erklärte, wie man die Umgestaltung angegangen ist.

Am Anfang stand eine Gesellschaftsrefom, so soll es ab 2019 nur noch eine Gesellschaft für den ÖPNV geben, statt wie bis 2017 vier Große und diverse Subunternehmen. Wenn alles in einer Hand ist, ist die Fahrplanumgestaltung einfacher. Insgesamt wurde der Fahrplan um 15 Prozent erweitert, es werden also öfter und mehr kleinere Gemeinde angefahren. Dabei wurden die Tarifzonen beinahe halbiert und die Preise für Fahrkarten sind gesunken: kostete eine Einzelkarte für den Fernverkehr früher 5,20 Euro und eine Monatskarte 109,80 Euro, so liegen diese nun bei 3 Euro und 35 Euro. Die geraden Summen sind kundenfreundlich und erleichtern die Arbeit der Fahrer, die zudem in einem einheitlichen Manteltarif auch fast alle 2,5 Prozent mehr verdienen.

Kritisch wurde nachgefragt, wie sich der Kreis das leisten könne. Grosche wies daraufhin, dass nach Abzug der Einsparungen, die das Land durch die billigeren Schülerfahrkarten hat, nur noch Mehrkosten von rund 1,2 Millionen Euro entstünden. „Es gibt keinen ÖPNV ohne Verlust. Mobilität ist ein Grundbedürfnis, das die Gemeinschaft bedienen muss“, erinnerte Grosch. Durch die billigeren Karten könnten gerade diejenigen den ÖPNV nutzen, die ihn am meisten brauchten. „Sie können in Berlin keine Steuersenkung beschließen, die den Menschen so viel bringt“, so Grosche weiter. Ein Zuhörer warf zustimmend „Mobilität lässt im Alter nach, ich fahre selber nicht mehr“ ein und wies auf den demografischen Wandel hin.

Alle zeigten sich von dem Projekt begeistert und sahen eine Umgestaltung des ÖPNV im Kreis Gifhorn als dringend nötig an. Beschwerden gab es zuhauf, zum Beispiel über die Ticketpreise. Auch Heilmann zeigte sich trotz der Mehrkosten begeistert: „Die Verbesserung der Lebensqualität im ländlichem Raum ist uns das wert, das ist eine politsche Entscheidung.“

Ob und wann der Landkreis Gifhorn seinen anscheinend veralteten ÖPNV umgestaltet, steht derweil noch in den Sternen. Zuvor müssten wie in Hameln diverse Analysen gemacht werden, um effizient modellieren zu können. Genügend Beschwerden und Verbesserungsvorschläge kamen aus den Reihen der Zuschauer allemal.

Von Dennis Tesch

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