„Nur wenige Betriebe können Schritt halten“

Diskussion über Intensivtierhaltung und neue Hähnchenmastställe in Ohrdorf

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Gab es um die Jahrtausendwende noch 4.000 Tiere in Mastanlagen, sind es heute im Schnitt 30.000.

Ohrdorf – Anlässlich der Diskussion um neue Hähnchenmastställe in Ohrdorf lud der Kreisverband der Linken zu einer öffentlichen Diskussion mit der Bundestagsabgeordneten Amira Mohamed Ali.

Als Mitglied im Agrarausschuss machte sie deutlich, welche Folgen die industrielle Massentierhaltung auf die Umwelt und die Landwirtschaft hat. „Die industrielle Massentierhaltung schadet den Tieren, der Umwelt und der Landwirtschaft selbst“, so Mohamed Ali.

Amira Mohamed Ali, Bundestagsabgeordnete der Linken

„Der Trend geht zu immer größeren Hähnchenställen. Um die Jahrtausendwende gab es in einem Mastbetrieb rund 4.000 Tiere. Heute sind es im Schnitt 30.000“, berichtet die Abgeordnete. „Und der Wettbewerb wird immer schärfer. Es müssen immer mehr Tiere in immer kürzerer Zeit gezüchtet werden. Nur wenige Betriebe können in diesem System Schritt halten. Viele können nicht mehr wirtschaftlich arbeiten und müssen aufgeben. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich im gleichen Zeitraum fast halbiert.“

Die Linken-Abgeordnete wies auch auf die Umweltprobleme hin, die solche Mastanlagen mit sich bringen. „In Regionen mit viel industrieller Massentierhaltung ist das Grundwasser häufig mit Nitrat belastet. In Niedersachsen wird der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter bereits an jeder dritten Messstelle überschritten“, stellt Mohamed Ali fest.

Auch der Medikamentengebrauch in der Massentierhaltung sei kritisch zu sehen: „Die industrielle Tierhaltung braucht Antibiotika – das erhöht das Risiko resistenter Bakterien. Jüngst wies eine Studie solche Bakterien auf jedem zweiten Stück Geflügelfleisch beim Discounter nach“, sagte die Abgeordnete.

Für die Linke sind dies Gründe genug, die industrielle Massentierhaltung einzudämmen. Die Partei fordert eine Obergrenze für Nutztiere pro Hektar Land: „Die Anzahl der Nutztiere in einem Betrieb muss daran gebunden werden, wie viele vom eigenen Land ernährt werden können. Futtermittel müssen wieder vor Ort angebaut und nicht eingekauft werden. Eine solche Flächenbindung gibt es in Deutschland bereits für die ökologische Landwirtschaft.“

Die Mehrkosten für die nachhaltige Tierhaltung will die Linke in erster Linie durch andere Kriterien für Agrarsubventionen ausgleichen: „Derzeit wird vor allem für die Anzahl der Hektar gezahlt, was kleine Betriebe benachteiligt. Stattdessen muss das Geld für tiergerechte Haltung und geringen Pestizideinsatz fließen“, forderte Mohamed Ali. In diesem Zusammenhang forderte Mohamed Ali auch höhere Mindestlöhne, Renten und Sozialleistungen: „Viele wollen bessere Lebensmittel, können es sich aber nicht leisten.“

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