Stadt Wittingen denkt über Bringservice und kleine Geschäfte für die Dörfer nach

Neues Leben durch neue Läden?

Ein Beispiel für einen ehemaligen Laden auf dem Dorf: der Zasenbecker Gutkauf. Kommt im Wittinger Stadtgebiet nun eine Renaissance für solche Geschäfte? Foto: Boden
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Wittingen. Gelingt es der Stadt Wittingen, die Infrastruktur in einigen ihrer Dörfer zu verbessern? In den letzten Jahren fuhr der Zug eher in die andere Richtung: Was es noch an kleinen Läden gab, wurde zugemacht, weil der Betrieb sich nicht mehr lohnte.

Der Wirtschaftsförderungsausschuss befasst sich nun am kommenden Dienstag (18. 30 Uhr, Rathaus) mit einem Projekt, das diesen Trend umkehren soll.

Das Ziel ist die Einrichtung eines mobilen Bringservice und – in den größeren Orten – vielleicht sogar von Dorfläden. Die Konzeption dafür kommt von dem Institut City Brokering Management (CBM), das auch den Wittinger QiN-Prozess betreut hat.

Die Grundidee: Vor allem ältere und körperlich eingeschränkte Menschen sind in strukturschwachen Gebieten oft auf fremde Hilfe angewiesen, wenn es um die Versorgung mit Artikeln des täglichen Bedarfs geht – ein Zustand, der sich angesichts der demografischen Entwicklung noch verstärken dürfte. Wer nicht selbst mobil ist, für den hat der ÖPNV meist auch nicht die passenden Angebote. Das CBM-Konzept sieht vor, dass die Nutzer des Bringservice ihren Bedarf über noch zu installierdende Faxgeräte zentral anmelden und dann über eine Koordinierungsstelle beliefert werden.

Bei CBM hält man zudem die Einrichtung von Dorfläden, die neues Leben in einen Ort bringen könnten, für realistisch – und das Wittinger Stadtgebiet für prädestiniert für dieses Vorhaben. In Frage dürften in erster Linie die größeren Orte kommen, etwa Ohrdorf, Vorhop oder Radenbeck. Auch Boitzenhagen hatte vor Jahren mal einen Kiosk. Derartige Einrichtungen werden von den Bürgern durchaus vermisst – aber rechnet sich künftig ein Laden, der sich früher nicht rechnete?

Möglicherweise. Zwar haben sich die Dorfbewohner darauf eingestellt, ihre Besorgungen in Wittingen oder anderorts zu erledigen und gegebenenfalls mit dem Weg zur Arbeit zu verbinden, doch neben der Alterung der Bevölkerung gibt es einen weiteren Faktor, der die Kundschaft auch städtischen Discounterpreisen zum Trotz im Dorfe lassen könnte: Mobilität wird wegen steigender Energiekosten immer teurer, das Einkaufen vor der Haustür deshalb attraktiver.

Wer die Läden betreiben oder einen Bringservice koordinieren soll, ist noch offen. Im Wirtschaftsförderungsausschuss geht es zunächst um eine Weichenstellung für oder gegen das Projekt, die auch mit Kosten in Höhe von rund 55 000 Euro verbunden wäre. Möglicherweise, so hofft man in der Stadtverwaltung, fließen für die Realisierung auch Fördergelder.

Von Holger Boden

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