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Neuer Anlauf im Kampf gegen Wittinger Krähen-Kolonien

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Von: Holger Boden

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Diverse Krähennester hängen nebeneinander in einer großen Eiche in Wittingen.
Hoch über Wittingen sind mehrere Krähennester in einem Baum zu sehen. © Boden, Holger

Wittingen – Die Stadt Wittingen soll den Kampf gegen die Saatkrähen-Plage nicht aufgeben – das ist der Wunsch des Bau- und Umweltausschusses. Der hat jetzt in seiner Sitzung in der Stadthalle einstimmig dafür votiert, ein weiteres Gutachten in Auftrag zu geben. Ein solches Papier ist Voraussetzung dafür, dass auch künftig Vergrämungsmaßnahmen bei der Unteren Naturschutzbehörde beantragt werden können.

Wie die dann aussehen sollen, ist noch offen. Mal gucken, was im Gutachten stehen wird – das war der Tenor in der Sitzung. Klar dürfte sein, dass die in den letzten fünf Jahren praktizierten Vergrämungsversuche mit Krähenklappen auch künftig keinen Erfolg versprechen würden. „An einigen Hotspots haben die Klappen gewirkt, aber die Krähen haben sich dann andere Standorte gesucht“, bilanzierte Fachbereichsleiter Günter Kruse.

Am Rande der Sitzung machten einige Ratsmitglieder deutlich, dass ihnen bewusst sei, welche Belastung die morgendlichen Kräh-Konzerte für die Nachtruhe all jener Wittinger bedeuten, die in der Nachbarschaft der Brutkolonien leben. In der Sitzung selbst wurde das so deutlich nicht vorgetragen – da war vielfach lediglich die Rede davon, dass man vor allem Spielplätze und den Bereich von Schulen von Krähen befreien solle. „Wir sollten dann eventuell auch mal eine Brut entnehmen“, meinte Karl-Heinz Gauert (SPD).

Weil die Vögel unter Schutz stehen, ist das natürlich schwierig. Kruse betonte, dass es für jegliche Maßnahme eine gesonderte Genehmigung brauche – ob nun für pyro-akustische Vergrämung, neue Klappen oder den Eiunsatz eines Falkners. Wobei der Fachbereichsleiter gleich hinterherschob: „Ein Falkner wird bei der Menge der Nester wohl nicht reichen.“ Zudem gab er sich pessimistisch: „Die ganze Innenstadt freizubekommen, das wird nicht funktionieren.“

Im Raum stand auch der Vorschlag, erst einmal gar nichts zu tun und ein, zwei Jahre abzuwarten. Dem erteilte Thomas Lemke (Grüpne) eine Absage: „Wir haben akuten Handlungsbedarf, wir können nicht zwei Jahre warten.“

Matthias Schulz, Abteilungsleiter für Umwelt und Tiefbau im Wittinger Rathaus, meinte, dass der Einsatz eines Falkners vielleicht das effektivste Mittel wäre. Die Experten mit ihren Greifvögeln seien aber auch schwer zu bekommen. Der Einsatz von Drohnen gegen die Krähen – dies wurde aus dem Ausschuss vorgeschlagen – sei nicht gestattet. Walter Schulze (CDU) meinte, es sei nicht einleuchtend, dass ein Falkner erlaubt wird, eine Drohne aber nicht. Er verstehe auch nicht die Notwendigkeit eines neuen Gutachtens: „Was soll da drinstehen? Dass wir zu viele Krähen haben?“

Was die Bemühungen eines Falkners kosten würden, das konnte in der Sitzung nicht beziffert werden. Für ein Gutachten werde wohl eine mittlere vierstellige Summe berechnet, eine Fortsetzung des Monitorings kostet extra. Klaus Palluck (FWG) vertrat die Auffassung, das Monitoring brauche man nicht unbedingt.

Wenn sich nun die weiteren Gremien anschließen und die Empfehlung des Ausschusses zum Beschluss erhoben wird, dann soll es 2023 zu weiteren Maßnahmen kommen.

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