ZGB stellt mögliche Standorte im Stadtgebiet vor / Bürger sorgen sich um Abstände

25 neue Windräder für Wittingen

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Im Gebiet der Stadt Wittingen könnten rund 25 neue Windräder entstehen. Der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) stellte jetzt mögliche Standorte vor.

Wittingen. Rund 25 neue Windräder könnten auf dem Gebiet der Stadt Wittingen in den nächsten Jahren gebaut werden. Das erfuhren am Dienstag im Hotel Nöhre die Zuhörer des Info-Abends zur Weiterentwicklung der Windenergienutzung in der Region Braunschweig.

Der federführende Regionalplaner des Zweckverbandes Großraum Braunschweig (ZGB), Jens Palandt, betonte in seiner 85. Informationsveranstaltung zu diesem Themenkomplex: „Das ist nicht der fest Plan, nur ein Entwurf. Jetzt geht es erst richtig los, es können auch noch viele Flächen rausfallen.“

Denn seit gestern läuft die öffentliche Auslegung der Planungsunterlagen. Knapp 2000 Seiten nimmt das Zahlen- und Datenwerk im Internet ein, einsehbar unter www.zgb.de. Allein die Gebietsblätter für den Landkreis Gifhorn umfassen 420 pdf-Seiten. Wer physisch in dem Entwurf blättern möchte, muss sich allerdings auf den Weg ins Gifhorner Kreishaus II machen: Dort, in Zimmer 116, sind die Ordner mit dem kompletten Entwurf montags, donnerstags und freitags von 8.30 bis 12 Uhr sowie donnerstags auch von 14 bis 17 Uhr einsehbar. In den Rathäusern der Kommunen werden die Unterlagen nicht ausgelegt.

Die Auslegung läuft bis zum 20. Dezember und damit doppelt so lange wie mindestens vorgeschrieben. Bis zum 22. Januar ist dann noch Zeit, Eingaben zu machen – unter rropwind@zgb.de oder schriftlich an den Zweckverband Großraum Braunschweig, Frankfurter Straße 2, 38122 Braunschweig. Die so genannten Träger öffentlicher Belange, zu denen auch die Stadt Wittingen gehört, bekommen die Daten bis zum 30. Oktober und haben dann bis 31. Januar Zeit, Stellungnahmen abzugeben.

In den kommenden drei Monaten dürfte die Windkraft also eins der dominierenden Themen in den Wittinger Ausschuss- und Ratssitzungen werden. Dabei stehen sechs Windparks im Fokus – zwei Erweiterungen und vier ganz neue.

• Der Windpark Stöcken soll von 54 auf 127 Hektar wachsen. Vorgesehen sind 6 neue Anlagen, damit wären es dann insgesamt 9 Windräder. Die Nennleistung des Windparks würde von 2,55 auf 20,55 Megawatt (MW) steigen.

• Der Windpark Suderwittingen, heute 58 Hektar groß, wird an einigen Stellen beschnitten und wächst dem Entwurf zufolge in der Summe nur um 14 Hektar. Das bedeutet voraussichtlich, dass aus den bestehenden 5 Anlagen insgesamt 6 werden. Die Leistung steigt von 6,5 auf 9,5 MW. Restriktionen für eine stärkere Vergrößerung sind unter anderem Brutgebiete des Rotmilans und ein genehmigter Standort für einen Ultraleichtflieger.

• Neu ist der Windpark Teschendorf. 54 Hektar stehen im Entwurf, das bedeutet Platz für vermutlich 4 Windräder mit jeweils 3 MW.

• Der neue Windpark Vorhop hat, wenn die Planung so genehmigt wird, eine Fläche von 61 Hektar und erzeugt mit 4 Anlagen voraussichtlich 12 MW.

• Im neuen Windpark Boitzenhagen sollen auf 66 Hektar ebenfalls 4 Windräder stehen und insgesamt 12 MW erzeugen.

• Ganz im Norden des Stadtgebietes ist der Windpark Lüben geplant. Auf 84 Hektar wären wohl 6 Anlagen möglich, Gesamtleistung 18 MW.

Die Diskussion am Dienstagabend zeigt bereits die – zu erwartende – Richtung der nun anstehenden Debatte auf. Windparkbefürworter, darunter auch Projektierer und Flächenbesitzer, werden versuchen, auf Ausweisung von möglichst viel Fläche hinzuwirken. Ein mit dem Boitzenhagener Windpark befasster Planer fragte schon nach einem „Zipfel“ auf der Landkarte, den er in dem Entwurf vermisst. Bürger aus Dörfern an Windkraftstandorten machten sich vor allem Sorgen um ihrer Ansicht nach zu geringe Abstände zum Ortsrand.

So stellte etwa ein Transvaaler die Frage, ob es „gewollt“ sei, dass die Vorhoper Anlagen bis auf 500 Meter an seinen Wohnbereich heranrücken. Das Dilemma ist hier offensichtlich, dass dort planungsrechtlich „Außenbereich“ ist – und dass damit 500 Meter zulässig wären. Für ein Bauleitplanverfahren der Stadt, das diesen Zustand ändert, könnte es derweil zu spät sein. Was die Stadtpolitik daraus macht, bleibt abzuwarten: „Wir gehen jetzt in die Ausschussarbeit“, sagte Stadtbürgermeister Karl Ridder.

Palandt plädierte dafür, Kritik und Bedenken ernst zu nehmen, machte aber auch deutlich, dass seine Behörde stets eine Gratwanderung zwischen den Interessen beider Seiten vollziehen muss: „Wir müssen das umsetzen, was rechtssicher ist.“

So wird es wohl, anders als schon bei Ausschuss-Sitzungen zu hören war, nicht zu einer Veränderung des 750-Meter-Abstands bei Stöcken kommen. Zwar sollen grundsätzlich 1000 Meter zu (planungsrechtlich) geschlossenen Ortschaften gelten, doch könnten laut Palandt bei einer Planung, die bestehende Anlagen in Frage stellt, Entschädigungen fällig werden. Die müsste dann wohl die Stadt Wittingen an die Betreiber zahlen. Allerdings: Laut Bebauungsplan der Stadt dürfen die alten Stöckener Windräder nicht höher als 100 Meter werden. Wer dort mit höheren Anlagen „repowern“ will, muss wohl die höheren Abstände einhalten.

Eine Höhenbegrenzung für die neuen Anlagen in den sechs Windparks gibt der ZGB in seinem Entwurf nicht vor – das ist Sache der kommunalen Bauleitplanung. Gerechnet wird mit den derzeit gängigen Modellen, die eine Gesamthöhe von bis zu 200 Metern erreichen.

Regionsweit geht der ZGB mit 4200 Hektar in die Beteiligungsphase. Palandt rechnet damit, dass noch einmal bis zu 1000 Hektar durch die Einarbeitung von Stellungnahmen herausfallen dürften. Zudem geht man beim ZGB fest davon aus, dass gegen die Planung auch geklagt wird.

Weitere Info-Veranstaltungen im Nordkreis sind derzeit nicht terminiert. Zu Weiterentwicklung der Windkraft im Landkreis gibt es am 11. November um 18 Uhr einen öffentlichen Info-Termin in der Gifhorner Stadthalle. Die Abwägungsprozesse nach dem Beteiligungsverfahren werden das nächste Frühjahr in Anspruch nehmen, im Herbst 2014 könnten dann die Ergebnisse des Gesamtverfahrens stehen – und damit die Genehmigungen für die neuen Windräder.

Von Holger Boden

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