Wittinger Bauausschuss will Votum des Ortsrates zu möglicher Änderung der Bauleitplanung

Neue Mastställe? Ohrdorf gefragt

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Eine Aufnahme der Mastställe aus dem Jahr 2014 – seitdem ist die weitere Planung nicht bearbeitet worden. 

Ohrdorf. Dürfen bei Ohrdorf drei zusätzliche Ställe für die Hähnchenmast gebaut werden? Diese Frage lag jetzt beim Wittinger Bau- und Umweltausschuss auf dem Tisch, denn die Stadt müsste für das Vorhaben ihre Bauleitplanung entsprechend ändern.

Der Ausschuss vermisste allerdings ein aktuelles Votum des Ohrdorfer Ortsrates in dieser Frage – und verwies den Punkt noch einmal dorthin.

„Was so lange gelegen hat, muss jetzt nicht übers Knie gebrochen werden“, fand Hans-Heinrich Koch (SPD). Damit spielte er auf die Tatsache an, dass die 29. Änderung des Flächennutzungsplanes, um die es in diesem Fall geht, schon vor vier Jahren zur Beratung anstand. Dann, so erläuterte es nun der Wittinger Bauamtsleiter Sascha Liwke, sei der beauftragte Planer verstorben, und die Sache sei zunächst nicht weiter verfolgt worden.

Ein neuer Anlauf also. Rund 1500 Meter südlich von Ohrdorf soll aus der bestehenden Sonderbaufläche mit der Zweckbestimmung „Bioenergie“ – es gibt dort eine Biogasanlage und nebenan eine landwirtschaftliche Fläche mit Hähnchenmastställen – ein Gebiet für „Bioenergie und Masttierhaltung“ werden. Das wäre laut Stadtverwaltung nötig, damit der Betreiber weitere Ställe bauen kann. Drei sollen geplant sein.

Liwke verwies auf bereits vorliegende Gutachten, wonach durch das Vorhaben „keine unzumutbaren Emissionen für den Ort“ zu erwarten seien. Mithin gehe es bei dem anstehenden Beschluss, die Änderung des Flächennutzungsplanes öffentlich auszulegen, wohl eher um „eine Formalie“.

Andrea Harms (FWG) sah das anders. Bei einer signifikanten Erhöhung der Zahl der gemästeten Tiere sei auch von erhöhten Umweltbelastungen auszugehen. Sie lehne das Vorhaben daher ab, und zuvor sei es wichtig, eine Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises zu kennen.

In der Begründung zur F-Plan-Änderung, die dem Bauausschuss vorgelegt wurde, wird unter Bezug auf ein Gutachten dargelegt, wie sich der Stickstoffeintrag in der Umgebung entwickeln wird. Tenor: Angesichts des Einbaus von neuen Filteranlagen komme es „zu keiner Verschlechterung“, gleichwohl sei für eine östlich angrenzende Waldfläche dann doch wieder „eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes“ zu erwarten. Eine Lösung empfehlen die Planer auch gleich: „eine Neuerrichtung des Waldbiotopes an anderer Stelle“.

Weil er höhere Ammoniak-Werte befürchtet, sprach sich auch Ralf Beyer (Grüne) gegen die Erweiterung aus. Koch sagte, er sei prinzipiell gegen Massentierhaltung und werde sich enthalten.

Aus den Reihen der CDU kam kein konkretes Ja oder Nein. Karl-Heinz Brandes verwies nur darauf, dass inzwischen durch den Wegfall der nahen OHE-Strecke zum Teil andere Bedingungen herrschten als noch vor vier Jahren. Bauamtsleiter Liwke betonte, dass die zu erwartenden Mehrbelastungen für Wald und Grundwasser im Laufe des Verfahrens behördlicherseits nun noch abzuarbeiten seien.

Am Ende war sich der Ausschuss einig: Der Ohrdorfer Ortsrat soll über die Angelegenheit noch einmal beraten. Das wird voraussichtlich erst in einigen Monaten passieren – auf der Agenda der morgigen Sitzung (19 Uhr, Bistro Athen) steht das Thema nicht. Denn deren Tagesordnung war schon geschrieben, als der Bauausschuss tagte.

Von Holger Boden

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