Stadt Wittingen will warnen

Totholz: Nachtweide wird doch nicht gesperrt

Ein Weg führt unter den hohen Bäumen der Wittinger Nachtweide entlang.
+
Gesperrt wird nun doch nicht – aber durch die Nachtweide geht man künftig wohl „auf eigene Gefahr“.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
    schließen

Wittingen – Die Wittinger Nachtweide soll nun doch nicht für Fußgänger gesperrt werden – das verlautete am Dienstagabend im städtischen Verkehrsausschuss. Allerdings soll das Waldstück wohl mit Schildern ausgestattet werden, die auf die Gefahr durch trockene Äste hinweisen. Das Ergebnis dürfte ein „Betreten auf eigene Gefahr“ sein.

Zunächst war deshalb eine Sperrung geplant gewesen (das IK berichtete), Kitas und Schulen wurden bereits auf die potenzielle Gefahr hingewiesen, mit dem Hinweis, die Nachtweide zu meiden. Laut Günter Kruse, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Tiefbau, hat das Rathaus zwischenzeitlich beim kommunalen Schadensausgleich in Erfahrung gebracht, dass mit Blick auf den Status der Nachtweide – „Wald“ und nicht „Park“ o.ä. – keine Verkehrssicherungspflicht hinsichtlich „waldtypischer Gefahren“ bestehe. Mit anderen Worten: Mit fallenden Ästen muss ein Besucher gegebenenfalls rechnen.

„Damit gibt es keinen akuten Handlungsbedarf“, sagte Kruse. Aber: Der Bauhof habe trotzdem eine Bestandsaufnahme gemacht, mit dem Ergebnis, dass einige Bäume gefällt werden müssen. Die Stadt wolle da, wo es kurzfristig problemlos möglich ist, schnell handeln und insbesondere im Umfeld von Parkbänken die Gefahrquellen beseitigen. Man könne allerdings nicht mal eben die komplette Nachtweide durchforsten. Und: „Wir werden vermutlich immer Bereich haben, in denen es trockene Bäume gibt.“

Seitens des Umwelt- und Tiefbauamtes wurde betont, dass eine Beschilderung mit Gefahrenhinweisen dringend anzuraten sei. Eine grundsätzliche Gefahr gebe es immer, sagte Amtsleiter Matthias Schulz, doch durch die Trockenheit sei das Gefahrenpotenzial eben erhöht.

Christian Schroeder (Grüne) war mit den angepeilten Maßnahmen nicht ganz zufrieden: Gerade für Kita- oder Schulgruppen solle ein Betreten der Nachtweide ermöglicht werden, und das Risiko könne man nicht Erzieherinnen oder Lehrern aufbürden: „Wer will das übernehmen? Da geht dann trotzdem keiner rein.“ Zumindest die Hauptwege solle man entschärfen, forderte Schroeder, und dafür zur Not „auch Geld in die Hand nehmen“.

Walter Schulze (Ohrdorf, BA) verwies darauf, dass abgesperrte Wälder vom Gesetzgeber grundsätzlich nicht gewollt seien, und dass eine gewisse Gefährdung immer vorliege: „Aber was in unseren Möglichkeiten steht, sollten wir tun.“

Peter Lindwor (CDU) billigte derweil allen Wäldern im Stadtgebiet einen Naherholungscharakter zu: „Da können wir doch nicht überall Schilder aufstellen.“ Klaus Palluck (FWG) stimmte ihm zu und meinte: „Jeder Erzieher muss selbst entscheiden, was er mit den Kindern unternimmt.“ Schroeder sah das anders: „In der Nachtweide sind an Wochenenden viele Leute unterwegs. Ich sehe da einen Unterschied zu anderen Wäldern.“

Auch der Erste Stadtrat Holger Schulz verwies auf eine andere Sachlage in der Nachtweide: Die Stadt müsse auf öffentlichen Plätzen und Wegen dafür sorgen, dass nichts passieren kann – „aber wir müssen nicht alle Wälder sichern“.

Zu den nun angekündigten Forstarbeiten in der Nachtweide meldete sich auch Wittingens Ortsbürgermeister Matthias Rönneberg zu Wort: Wenn man demnächst schon einmal bei der Arbeit sei, dann solle man auch die Pläne für einen Festplatz vor der Stadthalle im Auge haben. Das Schützenfest 2022 sei schließlich nicht mehr fern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare