Knesebeck: Rückenwind vom Ortsrat, aber Koch und Weiland äußern Bedenken

Museums-Pläne im Dilemma

Will seine Fertigkeiten zeigen: Böttchermeister Heinrich Gades bei der Arbeit. Foto: Archiv

Knesebeck. Zuerst deutete nichts auf eine kontroverse Diskussion hin – doch als Knesebecks Ortsbürgermeister Heinz-Ulrich Kabrodt am Mittwochabend den Ortsrat um ein Votum zur Unterstützung für das geplante Böttcher- und Küfermuseum bat, erwies sich dies nicht als Selbstgänger.

Hochrangige Stadtpolitiker übten Kritik an weiteren städtischen Zuschüssen für das Projekt. Am Ende gab es bei zwei Enthaltungen aber doch den von Kabrodt erhofften „Rückenwind“.

Zuvor hatte Heinrich Wolter, Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins, den Planungsstand erläutert. Unter dem Titel „Fass-zinosum“ soll auf dem Grundstück der Familie Gades an der Wittinger Straße ein hochwertiges Museum entstehen, mit einer Aktiv-Werkstatt als Kernstück. Heinrich Gades, gelernter Böttcher- und Küfer-Meister, will Gästen dort sein Handwerk präsentieren, Besucher sollen die Entwicklung der Produkte „vom Baum bis zum Fass“ nachvollziehen können.

Zu dem Projekt gehört inzwischen auch ein Café für 50 bis 70 Gäste, das zur Wirtschaftlichkeit des Museums beitragen soll, und für das Wolter bereits Gespräche mit einer Konditormeisterin aufgenommen hat. Ein Shop-Bereich soll ebenfalls entstehen. Auf dem Gelände selbst sollen sechs Parkplätze für Behinderte entstehen, alle anderen Besucher parken am Schützenplatz oder anderswo. Bis zur Eröffnung sei noch mit einem „Zeitfenster von drei Jahren“ zu rechnen.

Was ingesamt investiert werden muss, ist noch nicht genau geklärt – und genau das sei das Problem, erläuterte Wolter dem Ortsrat. Finanziert werden müssen der Umbau des vorhandenen Gebäudes zum Museum, der Bau eines Nebengebäudes und der Erwerb eines Nachbargrundstücks, über das der frontale Zugang ermöglicht werden soll. Überschlägig sind 930 000 Euro ermittelt worden, doch Wolter braucht konkrete Zahlen, um Zuschüsse einwerben zu können. Zum Beispiel bei Leader, wo nach seinen Angaben 186 000 Euro in Aussicht stehen.

Der Heimatverein hatte daher bei der Stadt Wittingen 25 000 Euro beantragt, um die nötige Ingenieurleistung zu bezahlen. Wie nun am Mittwoch verlautete, hat der Verwaltungsausschuss diesen Zuschuss abgelehnt, nachdem die Stadt zuvor bereits rund 11 500 Euro für Projektbeschreibung und Bausubstanz-Aufnahme zur Verfügung gestellt hatte. Begründung: Erst müsse die Gesamtfinanzierung stehen.

Ortsratsmitglied Dr. Thomas Weiland, der als FWG-Fraktionschef auch im Stadtrat sitzt, bestätigte diese Haltung am Mittwoch. Ohne verbindliche Zusagen über Drittmittel seien die 25 000 Euro „absolutes Risikokapital“. Und: „Wir müssen wissen, dass das Vorhaben auch tatsächlich realisiert wird.“ Ähnlich argumentierte Hans-Heinrich Koch (SPD), Fraktionschef im Stadtrat: Er tue sich schwer, weitere Steuergelder zur Verfügung zu stellen, wenn nicht klar sei, ob das Museum zustande kommt.

Dazu sagte Wolter, er könne freilich „ein gewisses Risiko nicht abstreiten“, aber „irgendwo muss ich anfangen“. Sein Dilemma: Ohne Geld keine genaue Kostenermittlung, ohne Kostenermittlung kein weiteres Geld. Weilands Bedenken, dass die kalkulierte Besucherzahl von 10- bis 12 000 Besucher pro Jahr unrealistisch sein könnte, hielt Wolter entgegen, dass er die Wirtschaftlichkeit „konservativ gerechnet“ habe – diese sei „nachhaltig gegeben“.

Andere Ortsratsmitglieder signalisierten Unterstützung für den erhofften städtischen Zuschuss. Friedrich Grebe (SPD) sah das Projekt als „einmalige Chance“. Sein Fraktionskollege Bernd Hasenfuss bemerkte, die Stadt habe schon an ganz anderen Stellen „Geld versenkt“, ohne dass groß diskutiert worden sei. Auch Kurt Mann und Elisabeth Schulze (beide CDU) stellten sich hinter das Vorhaben. Schulze verwies darauf, dass man die 25 000 Euro für das Weiterkommen nicht auch noch von der Familie Gades erwarten könne – „die gibt schon so viel Vorleistung“.

Von Holger Boden

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