Unbekannte stehlen in Knesebeck Tafeln mit den Namen von Kriegsgefallenen

Moralfreie Jagd auf Metall

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Knesebecks Ortsbürgermeister Heinz-Ulrich Kabrodt zeigt zwei der drei leeren Stellen an der Wand des Gedenkhauses, wo vorher die Gedenktafeln für Gefallene des Zweiten Weltkriegs hingen.

Knesebeck. Ging es den Dieben ums Metall? Unbekannte haben aus der Knesebecker Gedenkstätte für die Opfer des Zweiten Weltkriegs die drei Tafeln gestohlen, auf denen über 150 Namen von Gefallenen aus Knesebeck verewigt sind.

Der materielle Wert blieb gestern unklar – in den Augen von Ortsbürgermeister Heinz-Ulrich Kabrodt bleibt vor allem auch ein moralischer Schaden.

Das Fehlen der Metalltafeln wurde am Sonntagmittag bemerkt, als der Heimatverein gegen 13 Uhr Besuchern aus Isenbüttel die Gedenkstätte zeigte. Wann die Diebe zuschlugen, ist unklar. Die Wittinger Polizei machte sich gestern Vormittag ein Bild vor Ort – nach der Spurenlage könnte die Tat nicht lange zurückliegen. Auf dem Weg, der zu dem Gedenkhaus führt, waren relativ frische Abdrücke zu sehen, die von einer Sackkarre stammen könnten. Den bisher letzten offiziellen Termin an dem Denkmal hatte es am 15. Juni im Zuge einer Kranzniederlegung gegeben. Da waren die Tafeln noch da.

Gestern herrschte keine letzte Sicherheit, um welches Metall es sich genau handelt. Höchstwahrscheinlich sind die jeweils 1,25 mal 0,55 Meter großen Tafeln aus Bronze. Jede von ihnen war an fünf Stellen mit Bolzen in der Wand befestigt, die Diebe dürften die Halterungen durchgeflext haben. Der Vorsitzende des Heimatvereins, Matthias Rode, nennt die Tat „pietätlos“.

Das Gedenkhaus in Knesebeck ist den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs gewidmet, während das Denkmal rechts im Vordergrund an den Ersten Weltkrieg erinnert.

Die Metalltür des Gedenkhauses ist üblicherweise offen. Eine Sitzbank lädt zum stillen Gedenken ein. Geschädigte des Diebstahls ist offiziell die Stadt Wittingen, der die Anfang der 60er Jahre errichtete Gedenkstätte laut Kabrodt gehört. Bemerkenswerterweise wurde eine vierte, deutlich kleinere Metallplatte, auf der keine Namen von Gefallenen stehen und die nicht an der Wand befestigt war, von den Dieben zurückgelassen. Möglicherweise bemerkten sie das Objekt nicht, das hinter der Sitzbank an der Wand lehnte.

Bis letzte Woche waren die 166 Namen der Weltkriegsopfer aus Knesebeck und Nachbarorten auch in einer Vitrine in der St. Katharinenkirche ausgestellt. Weil die Dokumente dort zunehmend ausbleichen, wurden sie just vor dem Wochenende an einen anderen Ort gebracht, die Kirchengemeinde will sie neu aufarbeiten.

Ortsbürgermeister Heinz-Ulrich Kabrodt bittet nun Knese-becker, die ein Foto von den Metalltafeln haben, sich bei ihm zu melden. Wer Hinweise zu dem Diebstahl geben kann, meldet sich bei der Polizei unter (05831) 25 28 80.

Von Holger Boden

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