Eine Umfrage zeigt, was für Senioren im Wittinger Stadtgebiet wichtig ist

Mobilität und Alltagshilfen gefragt

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Generationenübergreifend für mehr Lebensqualität im Alter – das ist auch das hehre Ziel, das, wie hier beim Seniorentag in Gifhorn, in Wittingen verfolgt wird.

Wittingen. Wittingen altert – dieser demografische Trend ist nichts Neues, der Anteil der Über-75-Jährigen hat sich seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt.

Doch was muss/kann/sollte die Stadt tun, um ihren Senioren ein lebenswertes Umfeld zu bieten? Hinweise gibt eine Umfrage, die jetzt im Rahmen des Projektes „Kontext-Check“ ausgewertet worden ist.

Wittingen ist noch bis September eine von sechs Modellkommunen in Niedersachsen, in denen mit „Kontext-Check“ eine Bestandsaufnahme der Angebote und Netzwerke für Senioren vorgenommen wird (das IK berichtete). Ziel ist letztlich die Entwicklung einer Gesamtstrategie, bei der auch die Aspekte Gesundheitsförderung und Prävention im Vordergrund stehen.

Der Begriff Gesundheitsförderung wird dabei sehr weit gefasst, wie Lea Oesterle jetzt dem Sozialausschuss erläuterte. Oesterle betreut das Modellprojekt in Wittingen für die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen. So spielen beispielsweise auch Freizeitangebote eine Rolle, die erst einmal gar nicht mit Gesundheit zu tun haben – die aber dazu beitragen, dass Senioren im Alter nicht in Einsamkeit und Depression abrutschen.

Im Zuge der Bestandsaufnahme sind 250 Fragebögen von Ü-50-Wittingern zurückgegeben worden. Die Auswertung gibt Hinweise, in welcher Hinsicht die Stadt tätig werden sollte. So sind laut Oesterle die meisten älteren Wittinger mit den Freizeit-, Bewegungs- und Beschäftigungsangeboten recht zufrieden, doch sei mitunter die schlechte Erreichbarkeit bemängelt worden. Mobilität spielt also eine Rolle, und dazu passt, dass in der Umfrage der Ruf nach sicheren Fuß- und Radwegen laut wurde – ein lokalpolitischer Dauerbrenner in Wittingen. „Da herrscht eine eher geringe Zufriedenheit“, bilanzierte Oesterle.

Auch mit dem ÖPNV waren die Umfrageteilnehmer nicht glücklich, als „Vision“ wurden Dorfläden für die Nahversorgung ins Spiel gebracht. Angesichts der Sorgen um ausreichend medizinischen Nachwuchs wünschte mancher sich Gesundheitszentren.

In Sachen Sicherheitsgefühl und Ruhe hat Oesterle viel Zufriedenheit registriert, Kritik sei aber am Krähenlärm laut geworden. Zum Wohnen im Alter hieß es, dass Umzüge in späten Jahren eher nicht mehr gewünscht sind – „schon gar nicht ins Heim“, wie Osterle berichtete.

Abzusehen sei, dass Hilfen zur Alltagsbewältigung bei steigenden Fallzahlen von Demenz und zunehmenden Behinderungen im Alter immer wichtiger werden. Eine Aktivitätenbörse, die ein Baustein für Verbesserungen sein könnte, sei in Arbeit, hieß es. Man könne sich auch als „demenzfreundliche Kommune“ aufstellen, dazu brauche es aber den Impuls der Politik.

Generell gilt laut Osterle, dass mehr Hilfen bei psychischen Belastungen und Erkrankungen gewünscht werden. Auch mehr Angebote im Bereich Erwachsenenbildung (EDV-Kurse) stehen auf der Wunschliste, ebenso wie Kochkurse oder Ernährungsberatung.

Ein Seniorenbeirat ist in der Umfrage gewünscht worden, ebenso wie mehr generationsübergreifende Aktivitäten. Ein bestehendes Seniorenservicebüro, das etwas bei finanziellen Fragen Hilfestellungen geben kann, wird hingegen kaum angenommen, wie Osterle berichtete.

Die Ergebnisse der Umfrage werden auch in der nächsten Sitzung des Arbeitskreises Senioren eine Rolle spielen, der am 23. Mai zusammenkommt. Thomas Knöfel (FWG), der in die Arbeit des Kreises involviert ist, sah in den Umfrageergebnissen durchaus Ansätze für generationenübergreifende Angebote: „Das sind zum Teil Dinge, die sich mit Wünschen von Jüngeren decken, nur aus einem anderen Blickwinkel.“

Von Holger Boden

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