Landvolk-Vorsitzender: Ernte im Kreis Gifhorn fällt 2012 durchschnittlich aus

Mittlere Erträge, gute Preise

Landkreis Gifhorn. Brütende Hitze liegt über dem Getreidefeld zwischen Alt Isenhagen und Hankensbüttel. Ein Mähdrescher fährt seine Runden, erntet die goldgelben Ähren und hinterlässt eine dichte Staubwolke.

Überall im Kreis Gifhorn sind die Landwirte zurzeit dabei, ihre Ernte einzufahren. Und die ist laut Joachim Zeidler, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Gifhorn-Wolfsburg, insgesamt durchschnittlich – sowohl beim Getreide als auch bei den Kartoffeln. „Die Ackerbauern können im Großen und Ganzen zufrieden sein“, bilanziert Zeidler im IK-Gespräch.

Hochbetrieb herrscht derzeit auf den Feldern in der Region. Die Ernte wird eingebracht, wie hier bei Alt Isenhagen. Fotos: Schossadowski

Einige Probleme seien in diesem Jahr dennoch aufgetreten. So habe das Getreide unter den widrigen Witterungsverhältnissen im Winter gelitten. 25 bis 30 Prozent der Schläge bei Weizen und Wintergerste seien im Kreis Gifhorn geschädigt worden. „Zum Teil waren die Bestände sehr dünn, so dass ein Totalumbruch notwendig wurde. Das hat dann zu höheren Kosten geführt, und die Erträge waren nicht so zufriedenstellend“, sagt Zeidler. Wesentlich besser sei die Roggenernte ausgefallen. Beim Ausmaß der Winterschäden habe die Region aber noch Glück gehabt. „Im Kreis Hildesheim war es viel schlimmer.“

Auch der viele Regen im Juni und Juli habe der Wintergerste zugesetzt. „In einigen Beständen waren die Ähren reif, lagen schon auf dem Boden, konnten aber nicht geerntet werden“, erläutert der Landvolk-Vorsitzende. Er hebt jedoch einen positiven Effekt dieses Sommer hervor: „Zum Glück waren wir von Unwettern nicht so betroffen.“

Und es gibt weitere erfreuliche Nachrichten für die Landwirte: Die Getreidepreise liegen zurzeit auf dem höchsten Niveau seit 25 Jahren. Der Grund ist die extreme Dürre in vielen Bundesstaaten der USA, die dazu geführt hat, dass die Preise um 25 bis 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Zwar beziehen die deutschen Mühlen etwa 95 Prozent ihres Brotgetreides aus dem Inland, doch die Preise werden maßgeblich von den internationalen Getreidemärkten bestimmt. Und diese sind wegen der Trockenheit in den USA besonders angespannt.

Im Gegenzug liegen die Einkaufspreise für Futtergetreide und amerikanisches Sojaschrot derzeit auf einem sehr hohen Niveau. „Die Milchvieh- und Veredelungsbetriebe, aber auch die Hühner- und Schweinehalter leiden darunter“, weiß Zeidler. Hinzu komme, dass die Milchpreise spürbar gesunken seien. Zeidlers Fazit: „Wir müssten höhere Milch- und Schweinepreise haben, um die gestiegenen Futterkosten kompensieren zu können. Ansonsten können viele Betriebe nicht voll kostendeckend arbeiten.“

Von Bernd Schossadowski

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