Mehr Größe für die Innenstadt?

In der Junkerstraße befinden sich besonders viele leerstehende Läden.

Wittingen - Von Holger Boden. Die Wittinger Innenstadt soll für die Ansiedlung von Betrieben und Filialisten mit großem Flächenbedarf attraktiv gemacht werden – das ist die Stoßrichtung, die die Stadtpolitik nun bei den Bemühungen für ein lebendigeres Zentrum verfolgen will. Einfach wird das nicht: Die Verantwortlichen sind auf die Mitarbeit und Veränderungsbereitschaft von Hausbesitzern im Ortskern angewiesen.

Helfen soll dabei die „Quartiersinitiative Niedersachsen“ (QiN). Das ist ein Programm des Niedersächsischen Sozialministeriums, das mit Fördergeldern die Stärkung innerstädtischer Einzelhandelsstandorte zum Ziel hat. Der Wirtschaftsförderungsausschuss der Stadt hat am Mittwochabend bei einer Enthaltung empfohlen, im Rahmen von QiN ein Konzept für die Innenstadt zu erarbeiten und sich dabei der Unterstützung der Stadtentwicklungs-Experten von CIMA zu bedienen.

Dabei sollen vor allem drei Dinge ins Auge gefasst werden: Leerstandsmanagement, Attraktivitätssteigerung und Imageverbesserung – alles Bereiche, die spätestens seit der Nord/LB-Studie aus dem Jahr 2006 als Handlungsschwerpunkte bekannt sind und in der Prioritätenliste weit oben stehen, in denen aber bislang nichts Zählbares erreicht worden ist.

Vor allem das schwierige Problem der Leerstände gerät nun in den Fokus. Dr. Thomas Weiland (FWG) erntete keinen Widerspruch, als er „ein Strukturproblem bei den innerstädtischen Immobilien“ diagnostizierte: „Kosmetik hilft nicht weiter. Mit den kleinteiligen Flächen kann man nichts anfangen, wir müssen Ladenflächen mit 500 bis 600 Quadratmetern anpeilen.“ Freilich komme es dabei auf die Bereitschaft der Eigentümer an, Flächen zusammenzulegen.

Dahinter steht der Gedanke, dass für ein leeres Ladenlokal mit 100 Quadratmetern nur schlecht eine Nutzung gefunden werden kann, dass aber ein frisch saniertes Geschäft mit mehreren hundert Quadratmetern möglicherweise attraktive Filialisten in die Innenstadt holen könnte. CIMA-Berater Martin Kremming bezeichnete dies als „ein Projekt über Jahre“. Man habe aber durchaus die Erfahrung gemacht, dass man „mit solch einem Projekt an die Eigentümer rankommt“.

Dennoch war am Mittwochabend die Sorge spürbar, dass mit QiN nur ein weiteres Papier für die Schublade entsteht. Doch Kremming pries das Programm als „schnell und handlungsorientiert“ an, und der Ausschuss begrüßte es schließlich als ein „Aufsatteln“ auf vorangegangene Untersuchungen und vorhandene Maßnahmenkataloge. „Wir sollten nun mit ein bis zwei Punkten von der Liste weitermachen, sonst ist das Geld für die vorhergehenden Studien rausgeschmissen“, befand stellvertretend für viele Uwe Hoppmann (CDU).

Folgen den Studien nun also Taten? In die Vollen geht es nicht gleich, und das liegt daran, dass es zwei Arten von QiN gibt. Einer umsetzungsorientierten Hauptphase kann eine eher konzeptionelle zwölfmonatige Vorphase vorgeschaltet werden – und genau dies soll in Wittingen passieren. Der Hintergrund ist, dass man sich für QiN bis zum 14. Mai bewerben muss, und dass diese Frist viel zu kurz ist, um die privaten Immobilienbesitzer ins Boot zu holen. Das soll dann in der einjährigen „Aufwärmphase“ geschehen. Die zweite Phase ist nicht zwingend, doch ohne sie, so bemerkte der Ausschussvorsitzende Dr. Alfred Stein, produziere man in der Tat nur ein weiteres Gutachten für die Schublade.

Die Kosten für die Vorphase belaufen sich laut Kremming auf schätzungsweise 30 000 Euro. Die Stadt müsste davon 60 Prozent tragen, das Land würde 40 Prozent beisteuern. Kommt es dann zur Hauptphase, müssen auch private Gelder fließen. Zuvor aber werden für die Stadt 3500 Euro für die Betreuung des Antrags fällig. 5000 Euro für solche Zwecke stehen im diesjährigen Haushalt.

Über Alternativen wie das Städtebauförderungsprogramm des Landes (Kremming: „Etwa doppelt so teuer“) diskutierte der Ausschuss nicht. Bürgervertreter Christian Schulz-Hausbrandt fragte daher, ob es für die zu erwartende Investition nicht auch einen „Plan B“ gebe. Den sah der Ausschuss nicht.

Die landesweiten QiN-Gewinner werden am 24. Juni bekannt gegeben. Geld für den Umbau kleiner Läden fließt über QiN übrigens nicht. „Für die Bezuschussung der Umbauten ist das Programm nicht gemacht“, sagte Kremming. „Es ist dafür gemacht, die Eigentümer zu überzeugen, dass sie es machen.“

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