Wittingen: Besserer Schutz vor Corona gewünscht

Der Ruf nach Luftreinigern für Schulen

Dr. Rolf Mahlke zeigt auf einen Luftreiniger.
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Zahnarzt Dr. Rolf Mahlke an einem der Luftreiniger, die er in seiner Praxis aufgestellt hat.
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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In Wittingen wird der Ruf nach Luftreinigern für Klassenzimmer in den Schulen laut. Geplant ist so etwas bislang nicht, politische Forderungen danach sind nicht bekannt.

Wittingen – Eine pensionierte Lehrerin schlägt derweil vor, solche Geräte über Gelder und Spenden aus diversen Töpfen zu finanzieren.

Die Stadt Wittingen hat nach Angaben von Stadtbürgermeister Andreas Ritter jüngst eine Förderung über 11 000 Euro von der Landesschulbehörde zugesagt bekommen. Geld, das für die sächliche Ausstattung der Schulen im Zusammenhang mit der Corona-Krise vorgesehen ist. Zur Verwendung hat es laut Ritter eine Abfrage bei den drei Grundschulen gegeben, gekauft werden demnach FFP-2-Masken, Desinfektionsmittel und – für einzelne Bereiche – auch Spuckschutz-Elemente.

Luftreiniger sind dabei kein Thema: „Das ist von den Schulen auch nicht gefordert worden“, sagt der Rathauschef. Darüber hinaus gebe es auch keine städtischen Pläne, die Apparate anzuschaffen. Ritter selbst äußert Zweifel am Nutzen der Geräte: „Das mag Sinn machen, wenn nicht richtig gelüftet werden kann.“ Das Problem sehe er bei den Grundschulen in Wittingen, Knesebeck und Radenbeck nicht. Bestätigt fühlt Ritter sich in seiner Einschätzung durch eine Online-Konferenz des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, dort habe sich die Mehrzahl seiner Amtskollegen ebenfalls nicht von Luftreinigern überzeugt gezeigt.

Eine Haltung, die der Wittinger Zahnarzt Dr. Rolf Mahlke nicht nachvollziehen kann. Er hat die Räume seiner Praxis mit Luftreinigern ausgestattet und setzt dabei auf UV-Geräte, die für Behandlungszimmer zugelassen sind, wie auch auf die klassische Variante mit Filter.

Mahlke verweist auf wissenschaftliche Untersuchungen, die zu dem Schluss kommen, dass Luftreiniger dringend zu empfehlen sind, und er sieht die Bemühungen in anderen gesellschaftlichen Bereichen ad absurdum geführt, wenn in Schulen nicht bestmögliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden: „Es ist komplett widersinnig, wenn all diese Regeln befolgt werden, und der Unterricht dann das Einfallstor für die Viren in die Familien ist.“

Als Großvater eines Grundschulkindes hat Mahlke der Schule einen Luftreiniger für einen Klassenraum gekauft. „Die Klassenlehrerin war begeistert.“ Die Verwendung sei einfach: „Stecker rein, das ist alles.“ Der Zahnarzt findet, die öffentliche Hand müsse diese Geräte bereitstellen, auch wenn die Kultusministerkonferenz sich nicht dafür ausgesprochen habe.

Zustimmung für Mahlkes Vorstoß kommt von der ehemaligen Grundschullehrerin Astrid Schach – sie schlägt vor, nach alternativen Finanzierungen zu suchen, wenn von Stadt oder Land kein Geld bereitgestellt wird. Die Wittingerin ist ihrer Schule nach wie vor über den Förderverein verbunden und will in dessen Reihen dafür werben, dass eine entsprechende Initiative angestoßen wird. „Luftreiniger“, ist Schach überzeugt, „würden viel Angst bei den Eltern und Lehrern rausnehmen.“

Für etwa 1000 Euro pro Exemplar seien sinnvolle Geräte zu bekommen, meint die pensionierte Pädagogin. „Für 12 bis 14 Räume sollte da was machbar sein.“ Schach denkt dabei an eine konzertierte Aktion, bei der Gelder aus verschiedenen Quellen wie Förderverein, Stiftungen und anderen wohltätigen Organisationen eingeworben werden. Wobei Geld von kommunaler oder staatlicher Seite natürlich auch willkommen sei.

Dass die Luftreiniger nach kurzem Gebrauch in den Keller gestellt werden, glaubt Schach nicht. Angesichts der bereits zirkulierenden Mutationen und möglicher anderer Viren, die künftig auftreten könnten, seien die Geräte sicher eine sinnvolle Investition.

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