Schulausschuss vertagt die Sache

Luftfilter? Wittingen weiß noch nicht

Ein Luftfilter steht in einem Klassenraum.
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Luftfilter in einem Klassenzimmer in Bayern: In Wittingen steht eine definitive Entscheidung noch aus.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Wittingen – Luftfilter in die Klassenräume? Mit Förderung von Land und Bund? Das stellt man sich als Otto Normalverbraucher so einfach vor, aber wenn eine Kommune dafür Fördergelder einwerben will, dann sieht sie sich komplexen Bedingungen gegenüber. Das fängt schon an, wenn man sich zum ersten Mal den Titel der „Nds. Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung für technische Maßnahmen zum infektionsschutzgerechten Lüften an Schulen“ durchliest. Die Stadt Wittingen jedenfalls prüft nun erst noch einmal Details etwaiger Konditionen eines eventuellen Einbaus solcher Luftreinigungsgeräte – ein konkretes Ja oder Nein gab es am Montagabend vom Schulausschuss nicht.

Das kann auch damit zu tun haben, dass die Stadtverwaltung ermittelt hat, dass die Ausstattung aller Klassen- und Unterrichtsräume an den drei städtischen Grundschulen rund 225 000 Euro kosten würde – dass aber der maximale Förderbetrag wohl bei 7549 Euro läge. Eine Ausgabe von „mehreren hunderttausend Euro“ nannte der Ausschussvorsitzende Hermann Lahmann (CDU) bei der Sitzung in der Stadthalle „gewagt“. Man könne beim alten Beschluss bleiben, wonach die Schulen aus ihren Schulbudgets Filter kaufen dürfen, wenn gewünscht.

Der erneute Antrag, Luftreiniger anzuschaffen, war von der SPD gekommen. Jörg Bialas begründete die erneute Beschäftigung mit dem Thema mit der Entwicklung, die die Fördermöglichkeiten über den Sommer genommen haben – und mit dem bisher fehlenden Impfangebot für Unter-12-Jährige.

Verwaltungsseitig wurde darauf hingewiesen, dass es in dieser Hinsicht Bewegung geben könnte. Helene Rausch, Leiterin der Abteilung Bildung und Generationen, sagte zudem: „Mit 7500 Euro kommen wir nicht besonders weit.“

Nach der Landes- wie auch nach der Bundesrichtlinie wird theoretisch mit bis zu 80 Prozent der förderfähigen Ausgaben gefördert, die 7500 Euro beruhen allerdings auf einem Schlüssel, der die Schülerzahlen zum Maßstab nimmt. Eine neue „Schwerpunktförderung“ richtet sich in Niedersachsen offenbar auf sogenannte Fensterventilatoren sowie auf eine „automatisierte kontrollierte Fensteröffnung“. Die Landesrichtlinie fördert auch mobile Anlagen, die Bundesrichtlinie bezuschusst nur stationäre Neuanlagen mit kombiniertem Zu- und Abluftbetrieb, für Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit. Etc. pp.

Die Stadtverwaltung lieferte dazu als Übersetzung: Gelüftet werden muss trotzdem. Als Andrea Lahmann von der Grundschule Radenbeck fragte, warum die Stadt Gifhorn dann alle ihre Klassenräume mit Luftfiltern ausstatte, sagte Stadtbürgermeister Andreas Ritter: „Das fragen wir uns auch.“

Bislang hatten die Grundschulen im Wittinger Stadtgebiet sich nicht mit Vehemenz für Luftfilter stark gemacht. Inzwischen scheint aber teilweise ein Umdenken einzusetzen. „Wir dachten, es hört irgendwann auf“, räumte Lahmann ein. Jetzt zeige sich, dass das Lüften „schon zu einer Belastung“ werde, die ersten Kinder hätten sich bereits erkältet.

Von den drei Grundschulen hat bisher nur die in Wittingen Luftreiniger beschafft: Zwei wurden aus dem Soforthilfepaket finanziert, ein drittes ist gespendet worden. Hintergrund ist laut der kommissarischen Schulleiterin Maren Kropp die Atemwegserkrankung eines Kindes und einer Lehrerin.

Während Andrea Harms (FWG) einwarf, die Stadt solle „jeden Klassenraum mit warmen Decken ausstatten“ – sie betonte, dass sie das ernst meine –, sprach sich Christian Schroeder (Grüne) für die Anschaffung von Luftfiltern aus: „Das wäre ein zusätzlicher Baustein, als Ergänzung halte ich die Geräte für wichtig.“

Bialas regte an, die Verwaltung solle weitere Informationen einholen, etwa zu den Konditionen für Fensterventilatoren oder die automatisierte kontrollierte Fensterlüftung. Das trug der Ausschuss ohne weitere Abstimmung so mit.

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