Stadt Wittingen steht vor nicht eingeplantem Investitionsbedarf bei Gerätehäusern

Lücken im Feuerwehr-Fahrplan

Umziehen im Gerätehaus: In Rade kann es damit eng werden. Auch in Schneflingen und Wittingen gibt es Platzprobleme.
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Umziehen im Gerätehaus: In Rade kann es damit eng werden. Auch in Schneflingen und Wittingen gibt es Platzprobleme.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Wittingen. Knapp ein Jahr ist es her, da hat die Stadt Wittingen ihren Feuerwehrbedarfsplan aufgestellt.

In der Sitzung des Feuerschutzausschusses beschlich nun manchen Stadtpolitiker das Gefühl, dass der darin verankerte Maßnahmenkatalog für Investitionen in Gerätehäuser, Fahrzeuge und Ausrüstung schon wieder Makulatur sein könnte. Drei dringende Projekte, die eigentlich noch nicht vorgesehen sind, drängen auf die Agenda.

Da ist zum einen das Gerätehaus in Wittingen. Das, so lernte der Ausschuss am Dienstagabend, birgt dringenden Handlungsbedarf. Ortsbrandmeister Bötticher berichtete von einem „desolaten Zustand“: Platznot wegen stark gestiegener Mitgliederzahl, statische Probleme, ein undichtes Dach und Brandschutzmängel (dem Obergeschoss fehlt ein zweiter Rettungsweg) gehören zu den Baustellen, die das Gebäude bietet.

Ganz neu ist das weitgehend nicht, und im Feuerwehrbedarfsplan auch vermerkt – aber eben nicht im Maßnahmenkatalog. Warum das so ist, konnte in der Ausschusssitzung niemand beantworten. Stadtbrandmeister Heinrich Kruse sagte, die Situation habe sich in den letzten zwei Jahren verschärft, durch die neu gegründete Kinderfeuerwehr sei die Raumnot größer geworden. Für eine Schwerpunktfeuerwehr wie Wittingen, so Kruse, sei das Gerätehaus „einfach zu klein“.

Platzprobleme – wegen hoher Mitgliederzahlen – gibt es auch in Schneflingen (das IK berichtete). Und Raumnot droht auch in Rade: Wenn die Ortswehr nächstes Jahr ihr neues Fahrzeug bekommt, wird in der Halle kein Platz mehr zum Umziehen sein, wie Ortsbrandmeister Jürgen Dierks erläuterte. Das neue Tragkraftspritzenfahrzeug wird mit 6,30 Meter Länge um rund 1,50 Meter länger sein als der Vorgänger. Die Ortswehr beantragt deshalb einen 50 Quadratmeter großen Anbau mit Umkleiden (nach Geschlechtern getrennt, auch das gibt es dort bisher nicht) und Sanitärräumen.

Das alles wirft die Frage auf, warum der Maßnahmenkatalog bei der Anschaffung größerer Fahrzeuge nicht auch gleich die Gebäude im Blick hat, in denen diese Fahrzeuge stehen sollen. „Der Bedarfsplan hätte die bauliche Erweiterung gleich berücksichtigen sollen“, sagte Ausschussmitglied Uwe Hoppmann (CDU).

Klaus Palluck (FWG) zeigte sich wie auch Hermann Lahmann (CDU) „überrascht“, dass Rade auf die Tagesordnung kommt. Die resultierende Platznot sei beim Kauf des Fahrzeugs „nicht deutlich geworden“.

Vorwürfe in Richtung der Ortswehren gab es nicht: Die Anliegen seien legitim, hieß es. Stadtbürgermeister Karl Ridder fand etwa die Rader Grobplanung, die von Kosten in Höhe von 96 000 Euro ausgeht, „nicht überzogen“. Und: Die gleichen Probleme werde man bei weiteren kleinen Ortswehren erleben, wenn die neue Fahrzeuge bekommen.

Welche der aktuellen Anliegen bedient werden können, soll nun eine Bereisung zeigen, die wohl im Frühjahr stattfindet. Bis dahin soll auch ein neues Gutachten zum Wittinger Gerätehaus vorliegen.

Die Stadtverwaltung soll derweil einen Kostenplan für die Projekte erarbeiten. Eine Novelle des Bedarfsplans ist aber eigentlich erst für 2021 vorgesehen. Den geballten Problemen im Wittinger Gerätehaus wird – das wurde im Ausschuss deutlich – eine gewisse Priorität beigemessen. Auf der Investitionsliste für die nächste Zukunft stehen allerdings auch noch die geplanten Neubauten in Erpensen und Knesebeck.

Von Holger Boden

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