Für beide Seiten ein Glücksfall

Lüben: Flüchtling Obaidullah Moradi wird zum Maurer ausgebildet

Flüchtling Obaidullah Moradi wird bei der Lübener Baufirma Dörheide zum Maurer ausgebildet. Geschäftsführerin Ursula Dörheide, Senior-Chef Eberhard Dörheide und Junior-Chef Holger Dörheide freuen sich über die Unterstützung. 
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Flüchtling Obaidullah Moradi wird bei der Lübener Baufirma Dörheide zum Maurer ausgebildet. Geschäftsführerin Ursula Dörheide, Senior-Chef Eberhard Dörheide und Junior-Chef Holger Dörheide freuen sich über die Unterstützung. 

Lüben. „Obi ist ein Spitzen-Azubi“, sagt sein Chef Holger Dörheide. In der gleichnamigen Baufirma in Lüben ist Obaidullah Moradi, Spitzname Obi und aus Afghanistan stammend, kürzlich in sein zweites Ausbildungsjahr gestartet.

„Das Arbeiten mit den Händen macht mir Spaß“, sagt Obi im IK-Gespräch.

Im September 2017 hatte Obi in dem Unternehmen angefangen. Beide Seiten hatten sich zuvor in einem Praktikum kennengelernt. Zuvor hatte Obi ein Schulpraktikum im Autohaus Lange in Wittingen absolviert. Jetzt wird Obi Maurer. Der 18-Jährige sei nett und zurückhaltend, sagen die Dörheides. An der Haupt- und Realschule in Wittingen, der heutigen Grund- und Oberschule, hatte Obi vor seiner Ausbildung den besten Hauptschulabschluss seiner Klasse erreicht. „Er ist sehr ehrgeizig, zuverlässig und pünktlich“, sagt Holger Dörheide. In dem vielfältigen Beruf, den Obi erlernen will, muss er viele unterschiedliche Aufgaben erfüllen. „Man muss sich vorher überlegen, was man tut, um es richtig machen zu können“, weiß Senior-Chef Eberhard Dörheide, der den Betrieb zum 1. Januar an seinen Sohn Holger übergibt.

Die Firma macht alles im Hoch- und Tiefbau. Der junge Mann, der gebürtig aus Maimanah, Hauptstadt der Provinz Faryab, kommt, bekommt es also mit Pflastern, Klinkermauern und Fliesen zu tun. Auf dem Zwischenzeugnis hatte er einen Notenschnitt von 1,7.

„Wir können uns vorstellen, ihn zu übernehmen“, hält sein Chef daher auch fest. Auch wenn man noch nicht wisse, ob Obi bleiben darf. „Wir würden ihn gern behalten“, ergänzt Geschäftsführerin Ursula Dörheide. Der Senior-Chef betont, dass man gerne den Nachwuchs behalte, um dann gute Gesellen zu haben.

Im ersten Ausbildungsjahr war Obi 95 Tage zur überbetrieblichen Ausbildung, dreimal in der Woche in der BBS in Gifhorn und an zwei Tagen im Betrieb in Lüben. Jetzt ist er an drei Tagen in Lüben und an zwei Tagen in Gifhorn.

Die Flucht nach Deutschland brachte Obi zu 80 Prozent zu Fuß hinter sich. Von der Türkei aus ging es per Auto weiter – in einer Gruppe von Jugendlichen und gemeinsam mit seinen Cousins. 15 Jahre war er zu diesem Zeitpunkt alt. Per Bus, Zug und Auto schlugen sie sich weiter durch. Obi kam in Lüneburg an und blieb dort zwei Monate, dann ging es nach Stöcken. Ab 2019 kann er eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis beantragen: Durch den Schulabschluss und die Ausbildung hat er die Chance aufs Bleiberecht. „Ich möchte gerne hierbleiben“, sagt er. 2020 endet seine Ausbildung regulär, vielleicht kann er sie sogar um ein halbes Jahr verkürzen. Obi will den Führerschein machen, momentan holt ihn Holger Dörheide morgens in Stöcken auf dem Weg zu den Baustellen ab.

Obi spricht gut Deutsch. Seine Hausaufgaben erledigt er in der Oskar-Kämmer-Schule in Gifhorn. Ein Helfer unterstützt ihn bei Behördengängen. Der 18-Jährige ist sehr sportlich und betreibt Taekwondo bei Christos Damos in Hankensbüttel.

Holger Dörheide hat von Kundenseite aus nichts Negatives an Reaktionen gehört. Für beide Seiten ist das Ganze ein Glücksfall: Seit sieben, acht Jahren gab es keine Azubis im Betrieb mehr – einige, die es zwischendurch versuchten, hatten ihre Ausbildung abgebrochen. Bei Obi ist angesichts seines Ehrgeizes so etwas nicht abzusehen. „Bei uns stehen das Menschliche, aber auch die Leistung im Vordergrund“, hält Eberhard Dörheide fest. Dessen Sohn ist „heilfroh“ über den Nachwuchs. „Die Arbeit ist da, sie muss gemacht werden.“

Von Paul Gerlach

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