Weiß als Gegenspieler zu Neon

Lina Schobel malt und exorziert bei der Werkstattwoche in Lüben

+
Malerin und Bildhauerin Lina Schobel aus Bayern malt Abstraktes mit vibrierenden Neon-Acrylfarben und hat dabei auch Mut zum Weißraum.

Lüben – Lina Schobel ist zum ersten Mal während der Werkstattwoche in Lüben tätig, hat im Internet davon erfahren und war gleich begeistert. Die junge Künstlerin ist schon jetzt von dem Flair überzeugt und hofft, dass ihre Bilder ebenso überzeugen.

Von klein auf malt die 27-Jährige bereits. Sie kommt aus Landau an der Isar, machte ihr Abitur mit künstlerischer Ausrichtung, studierte anschließend Design. „Ich habe 2016 meinen Abschluss gemacht“, berichtet sie im IK-Gespräch. „Jetzt studiere ich Bildende Kunst.“

Im farbverschmierten und knallbunten Malerkittel sitzt die junge Frau auf einer Decke mit Animalprint und mischt Farben auf ihrer Palette zusammen. Das gehört für sie dazu. „Ich liebe es, Farbräume zu erforschen.“ Trotzdem betritt sie damit Neuland. „Eigentlich male ich eher mit Öl“, sagt sie verteidigend, „aber hier mit Acryl. Das trocknet schneller.“ Immerhin will sie am Ende der Werkstattwoche vier Werke abliefern. Die Acrylfarbe ist dabei mindestens so kräftig wie ihre Ausstrahlung.

„Ich arbeite mit Neonfarben“, sagt sie. Das ist dem Motto „Vibrationen“ der Werkstattwoche geschuldet: „Die Pigmente strahlen und vibrieren quasi von selbst.“ Ihre abstrakten Werke strahlen tatsächlich Kraft aus. Farbige Flächen werden von Weiß durchbrochen. „Es ist ein Gegenspieler“, sagt Schobel. Die Verwendung sei gar nicht so einfach. „Dazu muss man stehen“, sagt sie. Und mit einem Zwinkern: „Es ist ja auch eine Ansage, ein Bild nicht voll zu machen.“

Ihre Inspiration holt sich die Künstlerin, die unter anderem schon in Berlin, Dresden und Tschechien ausstellte, in ihrer Umwelt. Mit ihrem Archiv, einem liebevoll gestalten Album, zeigt sie, wie das funktioniert. Da findet sich etwa eine Fotografie eines gelben Lkw mit ausgefahrenem roten Kran vor der grauen Kulisse einer Plattenbausiedlung. Diese Elemente und Kontraste finden sich dann auch in der in kraftvollen Farben gehaltenen Abstraktion wieder. Man müsse eben Farbräume erforschen, aber manchmal sehe Schobel etwas, dass sie fesselt. „Das muss ich dann malen“, sagt sie, „quasi exorzieren.“

Ihre Werke kommen derweil bei den Besuchern gut an. Und die bei ihr: „Es ist super gut hier. Die Leute haben echtes Interesse und alle im Dorf halten zusammen. Wunderbar.“

VON DENNIS TESCH

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare