Schädlingsbekämpfung bei Boitzenhagen erfolgreich – Nachbarwälder müssen noch untersucht werden

Liegt noch ein Sprühflug in der Luft?

Dieser Hubschrauber kann „Karate“ – und versprüht das Insektizid beim Einsatz über der Bickelsteiner Heide.
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Dieser Hubschrauber kann „Karate“ – und versprüht das Insektizid beim Einsatz über der Bickelsteiner Heide.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Boitzenhagen. Zwei Wochen nach der Befliegung von 876 Hektar Wald bei Boitzenhagen mit Insektiziden hat das Forstamt Südostheide jetzt eine positive Bilanz gezogen: Millionen Raupen der Roten Kiefernbuschhornblattwespe sind erfolgreich bekämpft worden.

Allerdings: Im nächsten Jahr könnte ein erneuter Hubschraubereinsatz über benachbarten Waldgebieten nötig werden.

„Der Insektizid-Einsatz war erfolgreich“, sagt Forstamts-Leiter Eckard Klasen – das sei inzwischen auch durch eine Mitteilung der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Göttingen offiziell bestätigt worden. Die hat die Befliegung der Bickelsteiner Heide wissenschaftlich betreut und zwei beziehungsweise zwölf Stunden nach dem Versprühen des Mittels „Karate“ Kontrollen vorgenommen – durch Mitarbeiter in Schutzanzügen.

Die können freilich nicht Millionen verendete Raupen durchzählen. Klasen erläutert, dass mit Hilfe großer Schalen, die unter den Bäumen aufgestellt werden, geprüft wird, wie viele Larven unter Einwirkung des Insektizids von den Bäumen fallen.

Die Waldwege sind inzwischen nicht mehr gesperrt. Die ursprüngliche Empfehlung, dass bis Jahresende keine Pilze in dem betroffenen Gebiet gesucht werden sollen, hält das Forstamt laut Klasen nicht aufrecht: „Das haben wir aus Vorsichtsgründen zunächst geraten, aber eine Frist von drei Wochen reicht auch.“ Das würde bedeuten: Pilzsammler könnten die Bickelsteiner Heide ab kommendem Donnerstag wieder nach Maronen und Steinpilzen durchforsten.

Klasen räumt freimütig ein, dass bei der Informationspolitik nicht alles optimal gelaufen ist – dies sei der Eile geschuldet gewesen, mit der die Befliegung organisiert und genehmigt werden musste.

Ein fast 900 Hektar großer Bereich ist nun also frei von dem Schädling, der vor allem die Kronen von Kiefern angreift. Doch eine Genehmigung für den Insektizid-Einsatz gab es nur für den am schlimmsten betroffenen Bereich der Bickelsteiner Heide – deshalb ist nicht ausgeschlossen, dass nächstes Jahr erneut geflogen werden muss.

Vorher mittelstark befallene Abschnitte sind nach Angaben des Forstamtes inzwischen stark befallen, und wo vorher schwacher Befall herrschte, sei er nun als mittelstark einzuschätzen. Handlungsbedarf in diesem Herbst gibt es aber nicht mehr, weil die Larven sich im Oktober verpuppen. Die noch befallenen Bereiche lässt man deshalb zunächst in Ruhe, allerdings soll es irgendwann Untersuchungen, bei denen die Zahl der Larven in der Bodenstreu ermittelt wird. 12 Kokons pro Quadratmeter gelten als kritischer Wert.

Der Boitzenhagener Bezirksförster Carsten Komm schätzt, dass nächstes Jahr rund 500 Hektar außerhalb des jetzt beflogenen Bereiches untersucht werden müssen, 300 Hektar hält er für stark gefährdet: „Wir hoffen, dass es gutgeht. Es kann aber sein, dass eine neue Befliegung stattfinden muss, wenn eine erneute Massenvermehrung zu befürchten ist.“

Von Holger Boden

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