Wildpflanzen-Anbau durch Landwirte soll neues Konzept für Ausgleichsflächen ermöglichen

Leuchtturmprojekt in Lüben

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EZG-Geschäftsführer Karl Niebuhr mit den Landwirten und den Fachleuten bei der Feldbesichtigung. Nun soll abgewartet werden, wie die Wildpflanzen sich im Jahr zwei entwickeln.

Lüben. Die 1992 im Landkreis Gifhorn gegründete Niedersächsische Erzeugergemeinschaft (EZG) für nachwachsende Rohstoffe beschreitet neue Wege.

Wege, die einmalig in Niedersachsen sind und in ganz Deutschland zu neuen Konzepten in Sachen Ausgleichs- und Ersatzflächen – etwa für Bau- und Gewerbeflächen, Straßenbauvorhaben, Bau von Windanlagen oder Biogasanlagen – führen können. Dabei geht es um den Anbau von Wildpflanzenmischungen auf Flächen, die nicht mehr in herkömmlicher Weise landwirtschaftlich genutzt werden.

Ein Feldversuch, an dem sich fünf Landwirte aus Lüben beteiligten und dafür 16 Hektar zur Verfügung stellten, ist nicht nur gelungen, sondern lässt hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Die EZG holte sich Fachleute ins Boot wie Dr. Birgit Vollrath und Frank Wagener vom Ifas-Projektteam der Hochschule Trier, Annette Padberg und Christian Schlattmann von der niedersächsischen Straßenbauverwaltung in Lüneburg oder Joachim Bäter von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Gifhorn.

„Den Absatz von pflanzlichen Erzeugnissen als nachwachsende Rohstoffe zu fördern, neue Märkte zu schaffen und die sich daraus bietenden Möglichkeiten im Interesse der Mitglieder wirtschaftlich zu nutzen, war einst die Aufgabe und das Ziel der EZG“, sagt der Vorsitzende Claus Fröhlich. Aufgaben und Ziele sind weiter aktuell, obwohl sich die marktwirtschaftlichen Verhältnisse und die politischen Rahmenbedingungen zum Beispiel durch die Besteuerung der Biokraftstoffe und mit dem „Erneuerbaren-Energie-Gesetz“ (EEG) grundlegend verändert haben. Mehr als bisher wird der Anbau auf den Äckern vom aktuellen Marktgeschehen bestimmt, sodass der längerfristig ausgerichtete Anbau nachwachsender Rohstoffe gegenüber Marktfrüchten oft nicht mehr wettbewerbsfähig ist.

Deshalb geht die EZG mit der Nutzung und Gestaltung von Flächen, die nicht mehr in herkömmlicher Weise landwirtschaftlich genutzt werden, neue Wege, indem der Aufwuchs als nachwachsender Rohstoff in unterschiedlicher Weise sinnvolle Verwendung findet. Aber auch für Maßnahmen der Landschaftspflege wird zukünftig eine sinnvolle Verwertung und nicht nur Entsorgung des Aufwuchses von Bedeutung sein, soweit dieser nicht von viehhaltenden Landwirten genutzt wird. „Keineswegs geht es darum, die Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Nutzflächen für derartige Zwecke zu fördern. Wenn aber eine anderweitige Inanspruchnahme von Flächen unumgänglich ist, dann soll es Aufgabe der Erzeugergemeinschaft sein, sich der Sache anzunehmen“, unterstrich Geschäftsführer Karl Niebuhr.

Von Rüdiger Lange

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