Wittingen: Bürger wollen mitarbeiten – aber auch Ergebnisse sehen

Nur 18 bei Leitbild-Auftakt

Verkehr, Innenstadt, Wirtschaft – drei der großen Themen, die bei der Leitbild-Diskussion auf den Tisch kommen. Archivfotos: Boden
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Verkehr, Innenstadt, Wirtschaft – drei der großen Themen, die bei der Leitbild-Diskussion auf den Tisch kommen.

Wittingen. Zwei Botschaften gab es am Montagabend bei der Auftaktveranstaltung für den Wittinger Leitbild-Prozess. Erstens: Die Bürger werden es der Politik nicht durchgehen lassen, dass am Ende keine sichtbaren Ergebnisse stehen.

Zweitens: Die strategische Planung der Stadt für ihre Zukunft interessiert weniger Bürger als erwartet.

Waren es beim QiN-Prozess noch rund 80 Wittinger, die sich aktiv einbringen wollten, so verloren sich am Montag im Foyer der Stadthalle gerade einmal 18 Leute. Sechs anwesende Kommunalpolitiker schließt diese Zahl schon ein. „Ich bin schon etwas enttäuscht, dass heute nicht mehr Bürger gekommen sind“, sagte Wirtschaftsamtsleiter Günter Kruse.

Immerhin: Auf den Listen für die Besetzung der drei Arbeitskreise, die Kruse durch die Reihen gab, standen auch ein paar Namen von Personen, die nicht zugegen waren – das Interesse geht also ein wenig über den Kreis der Besucher der Auftaktveranstaltung hinaus.

Der Leitbild-Fahrplan sieht so aus: In jeweils fünf Treffen der drei Arbeitskreise (Start im Oktober, montagabends) sowie in anschließenden Sitzungen der zuständigen Fachausschüsse sollen bis Ende Mai Ziele und Strategien verabschiedet werden, die Wittingen bis 2022 – so der Titel – „auf dem Weg in eine l(i)ebenswerte Zukunft“ weiterbringen. Die Themen der Arbeitskreise: 1) Wirtschaft, Verkehr, Stadt, Region; 2) Sport, Freizeit, Kultur, Tourismus; 3) Energie, Umwelt, Gesundheit, Bildung.

Die Bürger, die sich für eine Teilnahme interessierten, zeigten sich vielfach kritisch: „Es muss etwas dabei herauskommen, sonst bin ich nicht bereit, meine Freizeit zu opfern“, sagte eine Wittingerin. Jochen Bellin verwies auf die Ergebnisse der Nord-LB-Studie von 2006 und befand, es sei im Anschluss „nichts passiert“. Dem stimmte auch Ratsherr Uwe Hoppmann (CDU) zu: „Ich möchte, dass dieses Mal mehr für die Öffentlichkeit dabei herauskommt.“

Bellin vermisste eine stärkere Präsenz gewählter Volksvertreter, Friedrich O. Winkelmann hingegen sah gerade deren Fehlen nicht als Nachteil an: „Was sollen die hier die Sessel warmmachen?“ Freilich werden die Stadtpolitiker am Ende ohnehin das letzte Wort haben, wenn die Arbeitskreis-Entwürfe in den Fachausschüssen bestehen müssen. „Muss ich Angst haben, dass dann das Ganze verwässert wird?“, fragte der Kakerbecker Christian Hinze-Riechers. Kruse meinte dazu, er könne sich nicht vorstellen, dass die Politik am Ende nicht den Bürgerwillen zum Ausdruck kommen lasse.

Die Wittinger Diplom-Pädagogin Katharina Barrenscheen, die die Leitbild-Findung moderieren wird, sagte einen „transparenten Prozess“ zu. Diese Transparenz werde den Handlungsdruck befördern. Die Change-Managerin betonte die strategische Ausrichtung des Vorhabens: „Es geht nicht um rote oder blaue Bänke oder eine Ansammlung von Wünschen.“

Klar ist: Wer bei den ersten Arbeitskreis-Sitzungen dabei ist, der kann Einfluss auf deren Stoßrichtung nehmen. Anmeldungen sind noch bis 8. Oktober möglich: Kontakt: Günter Kruse, (0 58 31) 2 61 40.

Von Holger Boden

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