Wie es zum Zerwürfnis kam

Der lange Schatten der Wahl: Wittinger CDU will nun „Geschlossenheit“

Die CDU-Fraktion am Donnerstagabend bei Nöhre: Fraktionschef Walter Schulze (vorn) mit seiner Stellvertreterin Dörte Dreblow, dahinter (v.l.) Hermann Lahmann, Joern Wolter (Vorstandsmitglied), Karl-Heinz Brandes, Henning Lütkemüller (Vorstandsmitglied), Lothar Brause und Peter Lindwor. Der Vorstand wurde einstimmig gewählt.
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Die CDU-Fraktion am Donnerstagabend bei Nöhre: Fraktionschef Walter Schulze (vorn) mit seiner Stellvertreterin Dörte Dreblow, dahinter (v.l.) Hermann Lahmann, Joern Wolter (Vorstandsmitglied), Karl-Heinz Brandes, Henning Lütkemüller (Vorstandsmitglied), Lothar Brause und Peter Lindwor. Der Vorstand wurde einstimmig gewählt.

Wittingen – Mit den Hintergründen der Austritte wolle man sich öffentlich nicht mehr auseinandersetzen, ließ der neue CDU-Fraktionsvorsitzende Walter Schulze (Knesebeck) gestern per Presseerklärung wissen. Dazu sei „schon genug, auch Widersprüchliches, gesagt worden“.

Doch natürlich fragen sich Wittinger Wähler, wie es zum Zerwürfnis in der Partei kommen konnte, die 2016 als stärkste Kraft aus der Kommunalwahl in Wittingen hervorgegangen war. Offenkundig vermischen sich persönliche und politische Motive.

Uwe Hoppmann selbst verweist vor allem auf mangelnde Unterstützung aus seiner Partei im letztjährigen Bürgermeisterwahlkampf. CDU-Mitglieder sollen sich im Frühjahr 2019 für den heutigen, parteilosen Bürgermeister Andreas Ritter eingesetzt haben. Hoppmann, als Kandidat in den eigenen Reihen umstritten, erhielt im ersten Wahlgang nur 14,2 Prozent der Stimmen, während die CDU bei der gleichzeitigen Europawahl in Wittingen auf 35,5 Prozent kam.

Henning Lütkemüller, Mitglied im Fraktionsvorstand, will den Vorwurf nicht gelten lassen. Er für seinen Teil habe in Vorhop große Unterstützung für Hoppmanns Kandidatur geleistet. Er meint: „Man muss eine Niederlage dann auch mal akzeptieren.“ Gleichzeitig moniert er, dass die CDU den Wahlausgang nie richtig in einer Stadtverbandsversammlung aufgearbeitet habe.

Das geht an die Adresse des jüngst zurück- und ausgetretenen Matthias Rönneberg. Der sagt: „Es gab Vorstandssitzungen, wir haben mehrfach über das Wahlergebnis gesprochen. Was hätten wir noch zusätzlich aufarbeiten sollen? Das Kind war in den Brunnen gefallen.“ Er habe es nicht als Aufgabe der Stadtverbandsspitze angesehen, Hoppmann zu persönlichen Konsequenzen anzuhalten. Das hätten ohnehin andere getan, die dem CDU-Kandidaten den Rücktritt vom Fraktionsvorsitz nahegelegt haben.

Ein Schritt, so Rönneberg, den Hoppmann dann auch tatsächlich angeboten habe, unter der Maßgabe, dass ein Nachfolger einstimmig gewählt wird. Der dafür nominierte Eckhard Meyer – wie Rönneberg ein Hoppmann-Vertrauter – habe aber nicht alle Stimmen bekommen: „Wir waren da in einer Sackgasse.“

Die sachliche Arbeit sei bei diesen Entwicklungen in den Hintergrund geraten, erklärt Hoppmann. Entscheidungen in Sachen Windkraft oder Hähnchenmast sieht er als Beispiele dafür, dass „eine gemeinsam getragene CDU-Position unter meiner Führung nicht mehr zu erreichen ist“. Und: „Für diese Entwicklung übernehme ich als Fraktionsvorsitzender die Verantwortung. Ich will mit meiner Entscheidung Teil der Lösung und nicht weiter das Problem sein.“ Der Abschied von Rönneberg und Meyer („tragende Säulen der Fraktionsarbeit“) habe ihn in dem Entschluss bestärkt. Hoppmann fügt an: „Persönlich entschuldigen möchte ich mich bei denen, die mich 2016 zum Fraktionsvorsitzenden gewählt haben, um damit eine Neuausrichtung der CDU-Fraktion zu ermöglichen. Ich bedauere sehr, dass ich das in mich gesetzte Vertrauen nicht erfüllen konnte.“

CDU-Fraktionschef Schulze glaubt derweil, der Bürger könne sich über das Geschehene „ein eigenes Urteil bilden“. Die CDU wolle die Reihen schließen, nach vorn schauen und die Arbeit im Stadtrat für die restlichen 16 Monate der Wahlperiode sachbezogen und „mit großer Geschlossenheit“ angehen. Persönliche Befindlichkeiten hätten „leider oft eine zu große Rolle gespielt“, die müssten nun zurückstehen, denn Themen gebe es genug – etwa die Stadtfinanzen in Corona-Zeiten. Bei der Wahl 2021 könnten die Bürger dann auch „den Umgang ausgetretener CDU-Ratsmitglieder mit ihren Wählerstimmen“ beurteilen.

Hoppmann sieht unterdessen mit seinem Austritt „den Weg frei für eine Rückkehr der CDU zu einer Politik, in der Entscheidungen wenig transparent und oftmals in Hinterzimmern getroffen worden sind“ – so etwas habe er in seiner Anfangszeit erleben müssen, es entspreche aber nicht seinem Anspruch. Schulze wollte diese Einlassung gestern nicht kommentieren. Lütkemüller sagte: „Das ist Uwe Hoppmanns subjektive Wahrnehmung.“ Er betonte aber auch: „Es soll jetzt nicht um ‘Schulze contra Hoppmann’ gehen, sondern um die Sacharbeit.“ VON HOLGER BODEN

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