Aber Niedersachsen vor Regierungswechsel: Rot-Grün hauchdünn vorn

Landkreis geht an die CDU

Die CDU als stärkste Kraft, die Grünen mit starkem Zugewinn: das Zweitstimmen-Ergebnis im Wahlkreis 5 (Gifhorn-Nord/Wolfsburg).

Gifhorn/Hannover. Die Niedersachsen haben sich gestern Abend einen wahren Wahlkrimi beschert.

Und am Ende bahnte sich ein Regierungswechsel an, gleichzeitig kam aber auch die Möglichkeit einer großen Koalition ins Gespräch: Rot-Grün lag nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit einem Mandat vorn und holte 69 Sitze, auf Schwarz-Gelb entfielen 68. Die SPD kam demnach auf 32,6 Prozent der Stimmen, die Grünen holten 13,7 Prozent. Die CDU – mit 36 Prozent stärkste Kraft – und die Liberalen mit 9,9 Prozent hatten knapp das Nachsehen. Linke und Piraten scheiterten deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde.

So waren an einem Abend, der die wundersame Wiederauferstehung der FDP brachte, Freude und Enttäuschung im Landkreis Gifhorn bunt verteilt: Die Christdemokraten nehmen in Hannover wohl mit den Liberalen auf der Oppositionsbank Platz, gleichzeitig wird der Wahlkreis 5 (Gifhorn-Nord/Wolfsburg) auch in den nächsten fünf Jahren von der CDU-Politikerin Ingrid Klopp vertreten. Mit 47,6 Prozent der Stimmen gewann die Wiswedelerin das Direktmandat mit deutlichem Vorsprung vor Klaus Schneck (SPD), der auf 35,4 Prozent kam. Klopp holte damit ein schlechteres Ergebnis als 2008 (51,7 Prozent), Schneck gewann 3,3 Prozent hinzu.

Der SPD-Politiker schafft nicht den direkten Sprung ins Parlament, wo seine Partei demnächst das Ruder führen will. Ob sein Listenplatz 31 vielleicht doch noch reichen würde, müsse man abwarten, sagte Schneck gestern Abend.

Klopp feierte das Ergebnis im Rittersaal des Gifhorner Schlosses mit ihrem neuen Fraktionskollegen Horst Schiesgeries, der den Wahlkreis 6 (Gifhorn-Süd) für die CDU holte. Gegenüber dem 2008er Ergebnis seines Vorgängers Matthias Nerlich erreichte Schiesgeries mit 43,1 Prozent rund 5 Prozent weniger. Sein SPD-Konkurrent Detlef Tanke (38,8 Prozent, siehe unten) legte um 4,6 Prozent zu.

Im Nordkreis waren die übrigen sechs Direktbewerber chancenlos. FDP-Kandidat Friedrich Lührs durfte sich immerhin über das landesweit unerwartet gute Abschneiden seiner Partei freuen. Die Aufsteiger der letzten Jahre, die Piraten, erlitten hingegen Schiffbruch – in Gifhorn wie auch in Hannover. Gerade mal 2 Prozent für den Nordkreis-Kandidaten Matthias Stoll spiegeln gut das Gesamtergebnis der Partei wider.

Bei den Zweitstimmen erlitt die CDU im Wahlkreis 5 massive Verluste – und das nicht nur wegen „Leihstimmen“ für die FDP. Mit 40,7 Prozent liegt das Ergebnis für die Christdemokraten um 6,8 Prozent unter dem von 2008. Die SPD (32,7 Prozent) hat um 2,6 Prozent zugelegt. Die FDP hat sich im Nordkreis von 6,4 auf 8,5 Prozent verbessert. Starke Zugewinne konnten die Grünen verbuchen: Mit 10,4 Prozent verdoppelten sie ihr Ergebnis von 2008. Die Linke hat mit nur noch 2,5 Prozent (2008: 6,8) klar die Fünf-Prozent-Marke im Wahlkreis 5 verpasst. Seiten 2 bis 5/Politik

Von Holger Boden

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