Wälder im Ruhestand / IG Bau fürchtet Einnahme- und Jobverluste

Landesforsten sollen Waldflächen stilllegen

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Ein Teil der Wälder der Niedersächsischen Landesforsten soll sich künftig ohne Bewirtschaftung entwickeln dürfen.

Unterlüß/Isenhagener Land. Niedersachsens Wälder werden wilder – das gefällt nicht jedem. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt hat jetzt vor einer „unbedachten“ Stilllegung von Teilen des Landesforstes gewarnt.

Hintergrund sind Naturschutzziele der Bundesregierung – und Teile der schon jetzt dafür ausgewiesenen Flächen liegen auch im Gifhorner Nordkreis.

Ausgangspunkt ist die „Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt“. In diesem Rahmen sollen sich 10 Prozent der Waldfläche, die sich in öffentlicher Hand befindet, natürlich entwickeln können. Heißt: Sie werden nicht mehr bewirtschaftet.

8,2 Prozent der Landeswaldfläche (was 27 800 Hektar entspricht) waren nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums schon bis zum Herbst 2015 „nutzungsfrei gestellt“. Für den Lückenschluss von 1,8 Prozent wurden in einem öffentlichen Verfahren Vorschläge gesammelt. Welche der dabei genannten Flächen bis 2020 zusätzlich in den Ruhestand geschickt werden, ist noch nicht raus: „Die Auswahl und die genaue Referenzfläche für den Landeswald werden nach Auswertung der Vorschläge von der Landesregierung festgelegt“, heißt es auf IK-Anfrage aus dem Ministerium.

Zu den bereits stillgelegten Wäldern gehören unter anderem Flächen im Drömling (vor allem Eiche und Fichte), am Rande des Emmer Leus (Fichte), südöstlich von Knesebeck am Bullenberg (Eiche, Fichte), im Obernholz, im Maseler Wald und südlich der Bahnlinie bei Mahrenholz.

Für die Landesforsten – und damit für das Land Niedersachsen – ist die Waldbewirtschaftung eine Einnahmequelle. 2013 stand ein Umsatzerlös von 130 Millionen Euro zu Buche, davon stammten 81 Prozent aus dem Holzverkauf. Auch die sekundären wirtschaftlichen Effekte sind beachtlich: Die Landesforsten vergaben 2013 landesweit Aufträge im Wert von 35,9 Millionen Euro an kleine bis mittelständische Forstunternehmer. 13,8 Millionen Euro wurden investiert, für 1272 Mitarbeiter flossen rund 70 Millionen Euro an Personalkosten.

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die IG BAU nun eine Verkleinerung dieses Kuchens fürchtet. Die Landesregierung verzichte mit der Stilllegung von Waldflächen „auf Einnahmen in Millionenhöhe“, moniert Regionalleiter Eckhard Stoermer. Das verschärfe die Misere beim Haushalt und bringe Arbeitsplätze in Gefahr.

Stoermer regt als Alternative zur Aufgabe forstwirtschaftlich wertvoller Waldbestände eine Vergrößerung des Nationalparks Harz an, um die Naturschutzziele zu erreichen. Komme es zu Stilllegungen, dann dürfe das „nicht einseitig zu Lasten der Landesforsten“ gehen. Auch private, kommunale und Klosterforste seien dann gefragt.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums ist das durchaus schon ein Thema: Auch Nicht-Landeswald sei im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung schon gemeldet worden. Auf die Frage nach den erwarteten Folgen für Einnahmen und Arbeitsplätze heißt es aus Hannover: „Die Auswirkungen werden als sehr gering betrachtet.“

Von Holger Boden

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