Schülertag bei Internationaler Werkstattwoche in Lüben

Kunst von Könnern lernen

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Kathrin Kern und Natascha Engst-Wrede hatten den Schülertag organisiert.

Lüben. „Reduktion“ ist das ebenso anspruchsvolle wie ergiebige Thema der 14. Internationalen Werkstattwoche in Lüben.

Der Georgierin Tamar Melikishvili kommt das Thema „Reduktion“ sogar entgegen, sind ihre Portraits doch ohnehin recht sparsam ausgeführt.

Während sich die Teilnehmer des Künstlersymposiums in der ersten Wochenhälfte auf ganz unterschiedliche Weise mit der Aufgabe auseinandersetzten, gab es eine große Übereinstimmung im subjektiven Empfinden: Alles muss heute riesig sein, überdimensional, um überhaupt Beachtung zu finden. Deshalb sei es dringend geboten, die Dinge auf ein überschaubares Maß zu reduzieren. Die Wolfsburger Künstlerin Doris Weiß sprach gar von der Möglichkeit, sich selbst im Rahmen der großartigen Umgebung des Dorfes Lüben und der Wälder und Felder zurückzunehmen, zu entschleunigen, inne zu halten, ganz bewusst eine Reduktion zu erfahren.

Doris Weiß hat sich in der Umgebung Lübens umgesehen und dort Anregungen gefunden.

Am gestrigen Donnerstag gab es zum sechsten Mal einen besonderen Höhepunkt innerhalb der Woche: Zum Schülertag waren 21 Jungen und Mädchen eingeladen worden. Sie bekamen Gelegenheit, mit international renommierten Künstlern an deren Staffelei zu arbeiten und Techniken und Blickwinkel zu erkunden, die über das Angebot der Schulen hinausreichen. So hatten sich Abordnungen der Gymnasien Hankensbüttel und Beetzendorf sowie der IGS und der Oberschule Wittingen eingefunden. Von den Organisatorinnen Kathrin Kern und Natascha Engst-Wrede wurden sie mit Papier oder Leinwand ausgestattet, um sich direkt daran zu versuchen. Die Gruppe der sechs Schülerinnen aus Beetzendorf war sich einig: „Wir können hier Kunst mit hervorragenden Könnern erleben und lernen, und auch die unterschiedlichen Techniken sind neu und eindrucksvoll.“

Adel Swelim hat seine Bildsprache auf Dynamik konzentriert.

Rasch hatten sich die Paare und kleinen Gruppen gefunden und waren fortan entweder im Freien an den Staffeleien anzutreffen oder an den Plätzen der Teilnehmer in den Gebäuden. Adel Swelim, der Gifhorner Maler, begegnet der Reduktion mit einem mutig konzentrierten Farbspektrum, das in einer Linie gebündelt und im Kontrast mit der fast monochromen Fläche dahinter ebenso abstrakt wie dynamisch bewegt daherkommt. Doris Weiß hat Gräser aus der Umgebung mitgebracht und vereinzelt aus dem Bausch besonders schöne auf einem durchscheinenden Grund, der auf der darunter sichtbaren Fülle liegt. Natascha Engst-Wrede füllt ihre Leinwände mit dicht an dicht geschwungener und gesetzter Ölfarbe, die sie nach und nach reduziert, bis ein einzelnes Insekt in Schönheit und gewisser Schaurigkeit auf dem dann immer noch kräftigen, aber sparsamen Grund bleibt. Die Besucher der Ausstellung (siehe Kasten) dürfen gespannt sein.

Von Horst Michalzik

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