Zasenbeck: Stillstand und Stellplätze

Kritik aus der Ortswehr am Vorgehen beim Gerätehaus-Neubau

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Die Baustelle ruht: Gerätehaus-Neubau in Zasenbeck.

Zasenbeck. Bei der Zasenbecker Ortsfeuerwehr ist die Stimmung auf dem Nullpunkt, sagt Michael Engel. Das liegt nicht am Herbstwetter, sondern am Baufortschritt beim Gerätehaus. Den skizziert der Ortsbrandmeister so: „Seit sieben Monaten ist praktisch Stillstand.“

Seitdem steht neben dem Dorfgemeinschaftshaus ein unfertiges Feuerwehrdomizil. Die Verantwortung dafür liegt aus Sicht der Zasenbecker Brandschützer im Rathaus. In der Ortswehr stoße es auf Unverständnis, so Engel, dass die Sanierung der Wittinger Stadthalle in den letzten Monaten offenbar priorisiert worden sei, während die kommunale Pflichaufgabe Feuerwehr hintenan stehe. Im Bauamt habe er zwischenzeitlich „keinen Ansprechpartner“ gefunden.

Noch vieles unfertig: Blick vom Lagerboden in die Fahrzeughalle.

Stadtbürgermeister Karl Ridder kennt Vorwürfe, wonach gezielt Kräfte vom Zasenbecker Projekt abgezogen worden seien und dementiert dies: „Es gab keine dienstliche Anweisung, nur für die Stadthalle zuständig zu sein.“ Gleichzeitig räumt er ein, die Stadthalle habe „zunächst Priorität“ gehabt, weil mit der rechtzeitigen Fertigstellung auch der Zugriff auf Fördermittel verbunden gewesen sei. Man habe aber „nichts bewusst ausgeklammert“.

Am 13. Oktober gab es in Zasenbeck einen Ortstermin mit Ridder, bei dem Engel verhindert war, und den unter anderem sein Stellvertreter Patrick Jörns für ihn wahrnahm. Die Feuerwehr hoffte, dass sich in den verbleibenden zehn bis elf Wochen des Jahres noch etwas tun würde. Diese Hoffnung hat Engel nun, einen Monat später, begraben.

Ganz konkret mangelt es dem Gerätehaus, für das 2013 die Planungen mit einer ersten Begehung anliefen, zum Beispiel noch an Stellplätzen für die Fahrzeuge der Freiwilligen, die zu einem Einsatz ausrücken. Mit sechs Parkplätzen wurde kalkuliert, dann stieg 2014 aufgrund neuer Vorgaben der Bedarf auf zwölf. Der Bauausschuss hatte die Mehrkosten dafür schon längst auf der Agenda, doch bis heute gebe es aus Sicht der Feuerwehr kein tragfähiges Konzept für die Gestaltung des Außengeländes mit Stellplätzen, so Engel.

Rathauschef Ridder sagt auf IK-Anfrage, das Thema sei seines Wissens „abgearbeitet“, ein Konzept auf den Weg gebracht. Bauamtsleiter Sascha Liwke sieht das genauso: Man habe sich beim Ortstermin mit den Vertretern der Feuerwehr „auf eine Lösung geeinigt“, die Ausschreibung sei vorbereitet.

Engel sieht das anders. Die Feuerwehr habe in Sachen Stellplatzproblematik wiederholt auf die Unfallverhütungsvorschriften der Feuerwehrunfallkasse (FUK) hingewiesen. Vom Bauamt seien aber keine in diesem Sinne zielführenden Entwürfe gekommen. „Es wurde keine Version abgestimmt, die uns zufriedenstellt.“ Engel weiß: Vorschreiben kann die FUK nichts – aber es müsse ja nicht erst dazu kommen, dass wegen nicht befolgter Ratschläge zur Unfallverhütung etwas passiere. Liwke meint dazu, das nun gefundene Konzept werde noch mit der FUK abgestimmt. Eine Realisierung noch in 2015 sei wohl nur schwer machbar, aber man wolle die Sache „möglichst schnell umsetzen“. Als zweites Hauptproblem sieht der Ortsbrandmeister derweil den Fußboden im Lagerraum an. Dort soll es nach politischer Beschlusslage wohl bei Beton bleiben, Geld für einen Fußbodenbelag wurde nicht genehmigt. Engel verweist auch hier auf Hinweise der FUK zu Trittsicherheit und Rutschhemmung. Und: Die Beseitigung diverser kleiner und längst bekannter Baumängel (Türen, die nicht ins Schloss fallen; Ritzen, durch die der Schnee unter dem Tor durchwehen könnte) hätte man bei der Feuerwehr schon als Zeichen guten Willens gewertet, so Engel – doch diese Nachbesserungen seien bislang nicht erfolgt. Ridder beteuert: „Wir sind uns der Bedeutung des Ehrenamtes bewusst. Wir wollen die Zasenbecker nicht im Regen stehen lassen.“ Die angemahnten Nachbesserungen müssten durch die beauftragten Firmen abgearbeitet werden, und er gehe davon aus, dass dies auch geschehe. Am über die Monate gewachsenen Frust in Zasenbeck, wo die Feuerwehrleute von Dorfbewohnern immer wieder auf die Dauerbaustelle angesprochen werden, ändert das nichts. Die Ortswehr hatte bis Mai viel Arbeit in den Bau gesteckt, laut Engel haben 15 Kameraden eine Eigenleistung im Gegenwert von 60- bis 70 000 Euro erbracht. Im Moment, sagt er, „brauche ich mit Eigenleistung niemandem mehr zu kommen“.

Von Holger Boden

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