Bittersüßer Abschied

Letzter Einsatz in Wittingen für Kreisveterinär Mario Ruppert

Bei seiner letzten dienstlichen Tour durch Wittingen untersucht Kreisveterinär Dr. Mario Ruppert eine Heidschnucke
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Kreisveterinär Dr. Mario Ruppert untersucht eine Heidschnucke
  • Dennis Klüting
    vonDennis Klüting
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Wittingen – Nach 27 Jahren tritt Gifhorns Kreisveterinär Dr. Mario Ruppert am 1. April seinen wohlverdienten Ruhestand an. Das IK hat den Gifhorner bei seiner letzten Tour durch das Wittinger Stadtgebiet begleitet – wobei sich noch einmal zeigt: Die Arbeit eines Amtstierarztes ist sehr vielseitig. Genau das wird es wohl auch sein, was Ruppert an seinem Alltag am meisten vermissen wird.

„Die Mischung macht’s“, erklärt Ruppert. „An vielen Tagen weiß ich morgens noch nicht, was mich so erwartet.“ Nicht so an diesem Tag: Ruppert ist das letzte Mal dienstlich im Wittinger Stadtgebiet unterwegs und besucht mehrere Betriebe.

Tierhaltung

Erste Station ist die Weide eines Schafhalters. Knapp ein Dutzend Tiere grasen auf der Wiese. Als Ruppert die abgesperrte Fläche betritt, werden die Tiere wachsam. Nach ein paar Fluchtversuchen hält Ruppert eine Heidschnucke fest und untersucht sie. Dabei horcht der Amtstierarzt die wichtigen Organe ab. Das ist aber nicht alles: „Ich sehe die Tiere ja in ihrem natürlichen Umfeld. Dadurch sind sie zum einen entspannter, zum anderen bekomme ich einen Eindruck, wie sie gehalten werden“, erklärt Ruppert. „Und ich sehe natürlich auch direkt, wie sich die Tiere verhalten. Dabei sind Aufmerksamkeit und Sachverstand gefragt.“

Auch ein eventueller Futterzukauf muss von Ruppert kontrolliert werden. „Es gibt viele anlassbezogene Kontrollen, in der Geflügelmast noch viel mehr als bei ein paar Schafen“, erklärt der Veterinär. Er hat seine Untersuchungen abgeschlossen und ist zufrieden, den Tieren geht es gut. Kaum verlässt er die Wiese, kommen sie wieder hervor und grasen entspannt weiter. Ruppert zieht seinen Hygieneanzug aus. Meist benötigt er einen pro Termin. „Man nimmt dazu am besten einen in der Farbe, die auch der Halter trägt“, sagt Ruppert. „Dann werden die Tiere nicht mehr als nötig beunruhigt.“ Beim nächsten Termin wird er allerdings keinen Hygieneanzug brauchen, lediglich Plastiküberzieher für die Schuhe.

Technische Anlagen

Denn nun geht es zur Biogasanlage der DASSS GmbH in Darrigsdorf. „Im Prinzip muss ich bei diesen Anlagen darauf achten, was wo reinkommt und was wo rausläuft“, erläutert Ruppert. Das erledigt er in turnusmäßigen Kontrollen sowie zu besonderen Anlässen, etwa bei Veränderungen an der Anlage. Er überprüft die Befüll- und Entnahmestation und die Verteilerstation. „Man muss streng darauf achten, dass nichts durch Gülle verunreinigt wird“, so Ruppert.

Zudem wirft er einen Blick in die Lieferunterlagen. Auch hier ist der Amtstierarzt zufrieden – und wenig überrascht: Ruppert betreut die meisten Betriebe schon über Jahre hinweg und kennt sie, ihre Mitarbeiter und die Produkte entsprechend gut.

Lebensmittel

Das gilt auch für die FHG Fleischhandelsgesellschaft mbH, die ihr Lagerhaus im Wittinger Hafen hat. Ruppert ist fast wöchentlich in diesem Betrieb und kennt daher auch das Team sehr gut. Er trägt nun weiße Gummistiefel und einen weißen, dicken Schutzmantel. Der ist auch hilfreich, denn im Hochregallager herrschen Temperaturen von -19 Grad. Einen der zahlreichen Kartons öffnet Ruppert. „Ah, Knorpelleisten“, erkennt der Veterinär sofort. „Die meisten Produkte hier werden in Deutschland gar nicht verwendet, sondern landen im Export.“

Mit einem Thermometer misst der Gifhorner die Temperatur des Fleischs. Auch bei einer Geruchsprobe hat er nichts zu beanstanden. Diese Prozedur wiederholt er bei einer weiteren Stichprobe, diesmal Brustrippchen. Auch in diesem Betrieb muss der Veterinär die Lieferdokumente kontrollieren. „Wie gesagt: Was geht rein? Was geht raus?“, sagt Ruppert grinsend.

Start in den Ruhestand

Der Abschied fällt ihm nicht ganz leicht. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, ganz klar. Mir hat der Job immer großen Spaß gemacht“, sagt der Amtstierarzt. Ganz aus dem Metier werde er sich aber nicht verabschieden: „Ich werde weiterhin und hoffentlich nun auch mit mehr Zeit verstärkt für eine Fachzeitschrift schreiben. Zudem freue ich mich darauf, auch wieder Tagungen besuchen zu können – wenn die Pandemie-Lage das wieder zulassen sollte.“

Seiner Heimat will Ruppert weiterhin treu und in Gifhorn wohnen bleiben. „Ich bin also nicht aus der Welt.“ Seine Nachfolge tritt Dr. Ann-Kathrin Mork an, die bereits seit ein paar Jahren im Gifhorner Veterinäramt tätig ist.

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