„Den Kreislauf durchbrechen“

Volkstrauertag im Isenhagener Land als Aufruf zur Wachsamkeit gegen Kriegstreiberei

Vertreter des Schwarzen Corps der Knesebecker Schützengesellschaft legten gestern am Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs einen Kranz nieder.
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Vertreter des Schwarzen Corps der Knesebecker Schützengesellschaft legten gestern am Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs einen Kranz nieder.

Knesebeck. 17 Millionen Tote, alle 17 Sekunden starb ein Mensch – an diese grotesken Zahlen aus dem Ersten Weltkrieg erinnerte Knesebecks Ortsbürgermeister Heinz-Ulrich Kabrodt gestern bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag.

Vertreter des Schwarzen Corps und des Ortsrates legten im Rahmen der Feier, die vom Bläserkreis musikalisch begleitet wurde, die Kränze an den Mahnmalen für die Gefallenen der beiden Weltkriege nieder. Abordnungen stellten auch die Feuerwehr und das Jägercorps.

Der Knesebecker Bläserkreis intonierte während der Kranzniederlegung andächtige Weisen. 

Es war eine von vielen Gedenkfeiern im Isenhagener Land, zu denen sich die Menschen gestern an Denkmälern und auf Friedhöfen trafen. Und genau ein Jahrhundert nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war es für viele vielleicht ein besonders eindringlicher Volkstrauertag. So hatte auch Suderwittingens Ortsvorsteher Carsten Dreblow in seiner Einladung für die Feier in seinem Ort explizit darauf hingewiesen, dass das Gedenken für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft „nicht nur eine Pflichtveranstaltung des Schützenvereins und einiger Senioren und Seniorinnen“ sei.

Die immer aktuelle Botschaft des stillen Tages betonte auch Kabrodt in seiner Ansprache an die Knesebecker Zuhörer: „Er ist auch ein Tag der kritischen Reflexion, der Immunisierung gegen billige Parolen, die Menschen anderer Herkunft, Religion oder Hautfarbe abwerten“ Das Erinnern an die Schrecken des Krieges bringe keinen Gefallenen zurück, so Kabrodt, doch es könne „verhindern, dass die nächste Generation wiederum Gefallene beklagen muss“. So wie in der ersten Hälfte des Jahrhunderts, als „die Ruhe nach dem Sturm nur die Ruhe vor dem Sturm“ gewesen sei.

Zuvor stand am Vormittag auch der Gottesdienst in der Knesebecker St. Katharinenkirche ganz im Zeichen des Kriegsgedenkens. Das spiegelte sich in den Liedern, und zur Liturgie gehörte ein Gebet aus dem englischen Coventry, das im Zweiten Weltkrieg schweren deutschen Luftangriffen ausgesetzt war.

Pastorin Christina vom Brocke erinnerte in ihrer Predigt daran, dass der Erste Weltkrieg von manchen zeitgenössischen Intellektuellen sogar herbeigesehnt wurde, und dass auch die Kirche seinerzeit auf ihren Kanzeln den Krieg pries: „Doch dann wich die Begeisterung den Grabenkämpfen und der Ernüchterung. Und die Nachrichten häuften sich. Von denen, die nicht zurückkommen würden.“

Vom Brocke rief dazu auf, im Alltag auch im persönlichen Umfeld für den Frieden einzutreten und solches Leid nicht wieder zuzulassen: „Im Frieden leben, dafür sind wir gemacht. Darum lasst uns den Kreislauf von Hass und Gewalt durchbrechen. Den Sturm abblasen, der am Horizont aufzieht.“

Von Holger Boden

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