Viele Besucher bei Ausstellungseröffnung zur Werkstattwoche in Lüben

Kreativität, die fasziniert

Der Hankensbütteler Holzbildhauer Jürgen Eimecke mit einer Figur, die den Handstand auf einem Fass probt.

Lüben. Der Lette Agris Sars stellt auf einer seiner Lübener Malereien die unendliche Weite der Landschaft durch eine ins Auge fallende einsame Bockwindmühle dar.

Die geradezu in fotografischer Detailtreue fein-adrig gemalte Königslibelle indes, der Natascha Engst-Wrede aus Wittingen großformatig Beachtung verschafft, spricht von der Kraft spontaner schöpferischer Begegnung der Künstlerin mit der Natur. In anderen Malereien und Zeichnungen in der „Galerie im Rundlingsdorf“ fügen sich Felder, Bäume, Büsche, Wege unter der Weite des hohen Himmels harmonisch zusammen – auf einem Bild gar in barocken Schwüngen.

Am Sonnabend sind die Ergebnisse des 11. Internationalen Künstlersymposiums der Öffentlichkeit präsentiert worden. Eruptiv ist die Fülle der in nahezu allen Stilrichtungen und Techniken geschaffenen Werke. „Es ist eine Leuchtturm-Ausstellung“, schwärmte ein Wittinger Besucher überschwänglich.

Stadtoberhaupt Karl Ridder und Kulturchefin Ursula Brüns waren stolz: 25 Werkstattwochen-Teilnehmer unterschiedlicher Nationalitäten, Religionen und Weltanschauungen in harmonischer Gemeinschaft zielstrebig schaffend zu erleben, das sei vorbildlich, sagte die Vorsitzende des Kulturvereins. Das Interesse an der Ausstellungseröffnung, die von Brunhild und Arnold Maxa mit Klängen internationaler Folklore, Swing und rockigen Titeln begleitet wurde, war groß.

Dr. Kazimierz Lyszcz nannte das 11. Künstlersymposium einen „kreativ-spannenden Prozess“, der ihm viel Gelegenheit zur Reflektion geboten habe. „Ich treffe in Lüben auf ungewöhnliche Menschen, deren Persönlichkeit und Kreativität mich faszinieren“, sagte der Hochschullehrer aus Radom in seinem Grußwort. „Wir fühlen alle im Dorf die große künstlerische Freiheit“, fügte der Pole mit einem Lob an Initiatoren und Sponsoren an. Zudem galt der Dank der Dorfgemeinschaft sowie der Familie Wolter und ihrem Team für die im Künstlerdomizil gebotenen „kulinarischen Entdeckungsreisen“.

Lyszcz weckte Neugier: „Wer den dörflichen Charakter Lübens begreifen will, muss dort wohnen, seine Luft atmen, mit den Motiven leben. Urteilen Sie selbst, ob der Leitgedanke der Werkstattwoche – Schrille Stille – in den Bildern zu finden ist.“

Fantasie war beim Betrachten der Kunstobjekte war gefragt, zudem die Bereitschaft, genau hinzusehen. Wer’s tat, entdeckte auf einem Bild der Italienerin Cinzia Tomassini zum Beispiel hinter Masken verborgene Gesichter. „Masken tragen wir alle“, ließ die Italienerin den „Konsumenten“ ihrer Kunst aber genügend Spielraum für eigene Interpretationen.

Von Gerd Druwes Sammlung von Dokumenten (Reminiszenzen an ein Stück Lübener Geschichte) über Gisela Bartels’ Landschaftsmotive bis hin zu Hartmut Rompels „Gotik“ im Maisfeld reichte das Spektrum der bildenden Kunst. Vorwärtsdrang in die Höhe dominiert das Bild von den Kathedralen“ im Maisfeld. Es ist Rompels künstlerische Auseinandersetzung mit dem „Schrille-Stille-Thema.“ Der Architekt aus Salzwedel lässt die im Boden relativ fest wurzelnden Maispflanzen dynamisch und dramatisch überzeichnet vertikal in die Höhe schießen. Gotik eben. Bis irgendwann die „grünen Industrie-Kathedralen“, die ihm auf einem Lübener Maisfeld als Vorlage dienten, in hungrigen Biogasanlagen verschwinden.

Von Jürgen Kayser

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