„GegenSätze“: Voller Saal im Haus Kreyenberg bei Doppel-Event

Kreative Kabinettstückchen

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Ulf Barnieske (l.) und Wolfgang Peesel boten eine begeisternde Vorstellung im Haus Kreyenberg.

Wittingen. Lachsalven, stürmischer Beifall und ein Publikum, das begeistert mitsingt: Die Veranstaltung „GegenSätze“ erwies sich an zwei Tagen im Haus Kreyenberg als überaus unterhaltsamer Volltreffer.

Der wortgewandte und stimmsichere Ulf Barnieske hatte die Rolle des Vortragenden übernommen, und sein Partner Wolfgang Peesel agierte souverän am Klavier, bewies seine technischen Fähigkeiten und in einigen virtuosen Kabinettstückchen seine ausgeprägte Musikalität.

Das Duo aus dem Isenhagener Land spielte vor ausverkauftem Haus.

Zwar griff das Programm immer wieder auf Gassenhauer der 20er Jahre zurück, doch die beiden Interpreten folgten nicht der allzu gängigen Masche, einfach auf Absurditäten in den Texten und einst exotische Gegensätze zur deutschen Biederkeit zu setzen wie beispielsweise Klara und Sahara; es gelang ihnen überzeugend, die witzigen Wortspiele zu interpretieren, zu ergänzen und im Vortrag so anzupassen, dass sie neu und aktuell wurden: zeitgemäß unterhaltsame Ohrwürmer mit überraschenden Wendungen.

Da wurde aus dem Evergreen „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh‘n“ kein bloßer Abklatsch des Originals aus dem Jahr 1929 mit der Musik von Anton Profes und dem bekannten Text von Robert Gilbert und auch nicht die Neuaufführung der swingenden Aufnahme der Old Merry Tale Jazzband, sondern ein Kabinettstückchen eigener Kreativität: Die zweite Strophe, in der die Schulrätin Kraus dem Dienstmädchen Minna den sonntäglichen Ausgang verbietet, trug Ulf Barnieske in breitestem Sächsisch vor, was an Komik nur noch durch die dritte Strophe überboten wurde, in der ein blonder Jüngling in der Bar von einem Ausflug mit seinem „Süßen“ träumt.

Vom Couplet „Alles weg‘n de Leut“ von Otto Reutter über die berühmte „Braut von Alexander“ – die so auseinandergeht – bis hin zur „Bar zum Krokodil“ der Comedian Harmonists waren die vergnüglichen Stücke eingebettet in höchst geistreiche, witzige und nachdenklich stimmende Plaudereien, die oft derb ausfielen, aber nie obszön oder verletzend waren. Über das Älterwerden wurde sinniert, und über die unterschiedlichen Talente von Mann und Frau. Auch die Frage der Energieknappheit wurde im Haus Kreyenberg diskutiert. Die Lösung ist ebenso verblüffend wie naheliegend: In eine riesige Flasche Cola Light werfe man Mentos, bringe eine Turbine darüber an und entferne sich schleunigst.

Von Horst Michalzik

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