Krank durch Autobahn-Lärm?

Welche Risiken bringt nächtlicher Autobahn-Lärm mit sich? Die BI gegen die A 39 und der VCD wollen die Frage zur Diskussion stellen.

Wittingen - Von Holger Boden. Über die geplante A 39 ist schon viel geschrieben und gesagt worden – mit den damit verbundenen Geräuschemissionen hat sich aber scheinbar noch niemand so richtig auseinandergesetzt. Die Bürgerinitiative „Keine A 39 im Isenhagener Land“ und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) wollen das Thema nun auf die Tagesordnung bringen.

Mit einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung am 7. Oktober um 19.30 Uhr in der Wittinger Stadthalle soll die Bevölkerung für die Frage nach dem Autobahn-Schall sensibilisiert werden. Titel des Abends: „Wie viel Lärm macht krank?“

Dafür holen sich die beiden Vereinigungen prominente Hilfe: Uwe Bilau von den Autobahn-Gegnern und Manfred Michel als Gifhorner VCD-Kontaktmann haben Prof. Eberhard Greiser als Referenten gewinnen können – einen Bremer Mediziner und Epidemiologen, der es letztes Jahr mit den Ergebnissen einer Lärm-Studie, die er im Auftrag des Bundesumweltamtes angefertigt hatte, in den SPIEGEL schaffte.

Greiser weist in seiner Studie, in der es um Fluglärm geht, einen deutlichen Zusammenhang zwischen Lärmbelastung und Gesundheitsrisiken nach. Wer dauerhaft gewissen Schallpegeln ausgesetzt ist, für den steige die Gefahr, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder koronaren Herzkrankheiten zu laborieren. Selbst ein erhöhtes Leukämie- und Brustkrebsrisiko für Frauen sei nicht auszuschließen, folgerte Greiser aus seinen Ergebnissen. Denkbar sei, dass Schlafentzug und Stress das Immunsystem des Körpers schwächen, was die Verbreitung von Krebszellen begünstigen könne.

Nun bleibt freilich abzuwarten, ob die Lärmbelastung für Autobahn-Anwohner mit der in Einflugschneisen überhaupt vergleichbar sein wird. Bilau und Michel wollen aber frühzeitig die Frage nach adäquatem Lärmschutz auf die Tagesordnung bringen, und sie behaupten, dass im Vorfeld lediglich mit Berechnungen gearbeitet werde, die auf Mittelwerten basieren. Singuläre, sich aber stets wiederholende Schall-Ereignisse wie das Anfahren an Auffahrten würden durch Mittelwert-Bildung „herausgerechnet“, wollen sie bei der Beschäftigung mit der Materie erfahren haben.

Für Bilau stellt sich daher eine ganze Reihe von Fragen: Wird ausreichender Lärmschutz gebaut? Reicht das Geld dafür? Hilft eine Lärmschutzwand überhaupt oder verlagert sie das Problem? Misstrauen bezieht er aus der Situation am schon fertiggestellten A 39-Abschnitt zwischen Braunschweig und Wolfsburg. Dort gebe es eine BI, die für Maßnahmen gegen den Autobahnlärm kämpfe, deren Erfahrungen seien „der Horror“. Ein Vertreter der BI soll am 7. Oktober auch in Wittingen sprechen. Greiser will sich in der Stadthalle auch mit weiteren Studien zu Verkehrslärm und anderen Emissionen beschäftigen.

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