Ottokar Schulze präsentiert auf charmante Weise neues Werk mit Berichten aus der Nachkriegszeit

Kostproben eines Zeitzeugen

+
Präsentation einer Broschüre am Freitagabend im Junkerhof (von links): Bürgermeister Karl Ridder, Autor Ottokar Schulze, Johannes Plumeyer und Kulturvereinsvorsitzende Ursula Brüns.

Wittingen. Einen Abend mit viel Humor und interessanten Infos aus selbst wahrgenommener Geschichte erlebten die Besucher am Freitagabend im Junkerhof:

Der Wittinger Kulturverein hatte eingeladen, um ein neues Werk vorzustellen und der Autor Ottokar Schulze präsentierte es auf charmante und unterhaltsame Art. Seine Broschüre folgt der erfolgreichen Veröffentlichung von Zeitzeugenberichten aus der Nachkriegszeit.

„… und wenn ich groß bin, will ich Otto heißen“ ist der Titel des Werkes, das von Kindheit und Jugend im Wittingen der 30er und 40er Jahre handelt. Die spürbare Lust am Erzählen, verbunden mit einem bemerkenswerten Talent dazu, ist in dem 83seitigen Band jederzeit zu erleben. Schulze spricht über Dinge, in denen die ältere Generation ihren einstigen Alltag erkennt, und über die Jüngere sich auf angenehme Art gern informieren lassen. Die Kostproben, die Ottokar Schulze gab, weckten den Appetit auf mehr. Von Heiterkeit unterbrochen und mit viel Beifall belohnt, zitierte er aus seinem Buch vom anstrengenden Waschtag seiner Mutter mit Wäschekochen, rubbeln, wringen und aufhängen, während er selbst auf seine beiden jüngeren Brüder aufpassen musste. Die fanden heraus, dass sie nur zu zetern brauchten, damit die Mutter kam, um ihn zu bestrafen. Oder von einer Lehrerin, die im Krieg als Klassenlehrerin eingesetzt wurde, weil es zu wenig Männer gab und wie sie sehr skeptisch von der Klasse angenommen wurde. Doch auch die ernsteren Geschehnisse aus seiner Jugend verschweigt Schulze nicht. Er schildert den Fliegerangriff auf den Wittinger Bahnhof und das Kriegsende, das er in der eigenen Wohnung erlebte.

In ihrer Begrüßung hatte die Kulturvereins-Vorsitzende Ursula Brüns dem Autor dafür gedankt, dass er sich bereit erklärt hat, seine ganz persönlichen Erinnerungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben. Die Broschüre sei ein historisches Dokument für Wittingen. Bürgermeister Karl Ridder zeigte sich erfreut, dass die „gute Stube“ des Kulturvereins, der Junkerhof, an diesem Abend „gut gefüllt“ sei. Johannes Plumeyer, der die Veröffentlichung maßgeblich unterstützt hat, las ein Gedicht von Schulze vor, mit dem er die Sprachgewandtheit des vielseitig begabten Autors unterstrich. Schreiben sei nicht das einzige Talent, hob Plumeyer hervor und verwies auf das hölzerne Wappen der Stadt Wittingen, das den Rittersaal im Junkerhof schmückt. Schulze hat es geschaffen. Einige Broschüren sind noch zu erwerben bei Heine Tabakwaren und in der Buchhandlung Becker.

Von Horst Michalzik

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare