Familie schaltet Polizei und Jagdbehörde ein

Kopfschuss für jungen Kater aus Erpensen

Kater Omelly wurde durch einen Kopfschuss getötet. Die Besitzer-Familie aus Erpensen hat den Vorfall angezeigt.
+
Kater Omelly wurde durch einen Kopfschuss getötet. Die Besitzer-Familie aus Erpensen hat den Vorfall angezeigt.

Erpensen – Für Anja und Jörg Mühe und ihre Tochter Jasmin sieht es aus „wie eine Hinrichtung“: Zwei Tage lang vermissten sie Anfang Februar ihren Kater Omelly.

Dann, am 6. Februar, fand Jörg Mühe das Tier bei einem Spaziergang mit seinem Hund an einem Waldstück östlich von Erpensen. Es war tot. Zwischen den Ohren des Katers war deutlich ein Einschussloch zu erkennen.

Die ebenfalls zum Haus gehörende Katze Mimi war am 4. Februar ohne ihren zehn Monate alten Spielgefährten nach Hause gekommen. „Gegen 22.30 Uhr“, erzählt Anja Mühe. „Das machten die beiden eigentlich immer so.“

Anzeige erstattet

Der Zustand des Katers, als er zwei Tage später gefunden wurde, schockierte die Familie. Ein Tierarzt hat inzwischen ein Gutachten geschrieben, demnach wurde der Kater per Kopfschuss getötet. Die Kugel war über dem Brustkorb wieder ausgetreten. Am Hals bemerkten die Halter Quetschungen, die sie vermuten lassen, dass das Tier eingeklemmt war. Sie nehmen an, dass es in eine Lebendfalle geraten sein könnte. Solche gebe es bei Erpensen in der Feldmark, auch unweit des Fundorts. Aus der Ferne sei der Kater so kaum erschossen worden.

Die Familie hat inzwischen den Tierschutz, die Jägerschaft und die Jagdbehörde eingeschaltet und Anzeige erstattet. Einen Anwalt will sie noch kontaktieren.

Lebendfallen dürfen von Jägern mit Sachkundenachweis aufgestellt werden, um etwa Waschbären oder Nutrias zu fangen. Katzen wiederum dürfen erlegt werden, wenn sie mehr als 300 Meter vom letzten Haus eines Ortes entfernt durch Feld und Wald streunen. Oder aus Sicht eines Jägers eben wildern. Ein Vertreter der Jägerzunft sagt dazu, dass man aber gegebenenfalls auch erst einmal mit der Besitzer-Familie reden könne, wenn man sie kennt.

In welchen Fällen lässt ein Jagdberechtigter eine Katze davonkommen, die er eigentlich töten darf? „Das ist eine Ermessensfrage“, erläutert Karsten Lacü, stellvertretender Vorsitzender der Gifhorner Jägerschaft. Er kennt den Erpensener Vorfall durch die Anzeige. Als fachlicher Berater wird er von der Jagdbehörde des Landkreises angehört, vorerst möchte er sich zu dem konkreten Fall mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. Kein Geheimnis sei, dass Katzen in freier Wildbahn für einige Arten eine Gefahr seien. Ein Spannungsfeld, denn wiederum wüssten viele Jäger auch um die Bedeutung, die solch ein Haustier für seine Besitzer hat.

Offene Fragen

Auch eine Katze, die weiter als 300 Meter vom Ort entfernt in eine Lebendfalle gerät, darf laut Gesetz getötet werden. Aus Fallen innerhalb des 300-Meter-Radius muss sie freigelassen werden. Was genau im vorliegenden Fall zutrifft, werden die Behörden jetzt zu klären haben. Die Polizei muss nun ermitteln, ob tatsächlich ein Jäger verantwortlich war. Und ob er im Rahmen des Jagdgesetzes und des Tierschutzes gehandelt hat. Laut Kreisverwaltung liegen dazu bislang noch keine Untersuchungsergebnisse vor.

Anja Mühe sagt: „Wir können nichts beweisen, aber wir haben einen Verdacht.“ An Jäger appelliert sie, „solch ein Verhalten nicht zu unterstützen“. Und Katzenbesitzer will sie warnen, denn in den letzten Jahren seien in der Umgebung mehrere Katzen „verschwunden“.

Die Erpensenerin und ihr Mann fragen sich auch, warum der Schütze den Kadaver nicht einfach verscharrte, sondern an den Weg legte. Ihre eigene Antwort: „Wir sollten Omelly wohl finden.“

VON HOLGER BODEN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare