Die Spielregeln des Alltags

In Knesebeck erläutern Polizisten Geflüchteten Werte und Gesetze

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Liane Jäger und Klaus Ahne vom Präventionsteam der Gifhorner Polizei erläutern Geflüchteten aus anderen Kulturkreisen die Grundlagen des Zusammenlebens in Deutschland.

Knesebeck – 50 Jahre Grundgesetz – eine Erfolgsgeschichte in 146 Artikeln, die das Zusammenleben in Deutschland definieren. Und die auch für jene Menschen gelten, die neu zugewandert sind.

Weil die Grundsätze dieser Verfassung nicht selbstverständlich sind, wenn der eigene kulturelle Hintergrund ein ganz anderer ist, hilft im Landkreis Gifhorn auch die Polizei beim Verstehen. So wie gestern in der Knesebecker Integrationswerkstatt.

Dort waren Kriminalhauptkommissarin Liane Jäger und Polizeioberkommissar Klaus Ahne vom Präventionsteam der Gifhorner Polizei zu Gast, um die „Grundregeln für ein friedliches Miteinander in Deutschland“ vorzustellen.

Ihr Publikum: Menschen aus dem Irak, Syrien, der Ukraine, dem Sudan. Manche Muslime, manche Yeziden. Und für einige waren erst einmal die Referenten an sich gewöhnungsbedürftig – denn in den Ländern, aus denen die Menschen geflohen sind, spielt die Polizei oft eine zweifelhafte Rolle. „Als ich sagte, dass die Polizei kommt, gab es bei manchem so etwas wie Schockstarre“, berichtet Uschi Schüller, die Leiterin der Werkstatt.

Jäger beschreibt denn auch ein Ziel solcher Besuche so: „Die Menschen sollen Vertrauen in die Arbeit der Polizei gewinnen. Aus den Ländern, aus denen sie kommen, haben sie ja ganz andere Erfahrungen.“ Unabhängigkeit, Neutralität – Attribute, die viele Geflüchtete nicht mit den „Ordnungshütern“ ihrer Heimat verbinden. Aha-Erlebnisse auch, als Jäger und Ahne erläutern, dass es nichts bringt und sogar strafbar ist, einem Polizisten in Deutschland Geld anzubieten. Die Zuhörer staunen auch über das ausdifferenzierte Strafrecht, das zum Beispiel berücksichtigt, ob ein Delinquent noch Jugendlicher ist.

Das Präventionsteam bietet seine Vorträge seit gut drei Jahren an. Der Bedarf sei nach den Vorfällen der Silvesternacht 2015 in Köln deutlich geworden, sagt Jäger. Gemeinsam mit Ahne thematisiert sie auch das Verhalten gegenüber Frauen und Kindern, es geht um Werte wie Respekt und Toleranz. Für regelmäßige Diskussionen sorge das Thema Homosexualität, hat sie beobachtet.

Es geht an diesem Vormittag in Knesebeck auch um Alltägliches wie das Rauchverbot in Restaurants oder das übliche Verhalten im Freibad, oder um Grundsätzliches wie freie Wahlen, Achtung der Menschenwürde Gleichheit vor dem Gesetz.

Ein Dolmetscher hilft, die Regeln auf Arabisch und Englisch zu vermitteln. Leiterin Schüller sagt, die Geflüchteten seien äußerst interessiert an dem Wissen, das ihnen mit solch einem Vortrag geboten wird. Und beim einmaligen Hören bleibe es auch nicht: „Das sind Themen für das tägliche Leben bei uns. Und wir gehen auch im Deutschunterricht immer wieder auf diese Dinge ein.“

VON HOLGER BODEN

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