Vor Abschied aus Wittingen: Geschäftsführer Mersinli sieht Krankenhaus gut aufgestellt

Klinik-Defizit „deutlich reduziert“

Dr. Osman Mersinli (r.) nimmt am Freitag Abschied von Chef-Chirurg Uwe Schaper und dem übrigen Wittinger Helios-Team. F.: bo
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Dr. Osman Mersinli (r.) nimmt am Freitag Abschied von Chef-Chirurg Uwe Schaper und dem übrigen Wittinger Helios-Team.
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Wittingen. Statt eines 48-Betten-Hauses mit 60 Mitarbeitern verantwortet Dr. Osman Mersinli an seiner neuen Wirkungsstätte künftig 340 Betten und 780 Mitarbeiter. Für den scheidenden Geschäftsführer der Wittinger Helios-Klinik, der am 1.

November Chef des Uelzener Helios-Klinikums wird, eine reizvolle neue Aufgabe – und dennoch geht er mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Diese Klinik ist mir ans Herz gewachsen“, sagt Mersinli über das Wittinger Krankenhaus, dessen Geschicke er zwei Jahre lang geführt hat.

Sein Büro in Wittingen räumt Mersinli am kommenden Freitag aus. Am selben Tag soll auch sein Nachfolger der Belegschaft vorgestellt werden. Dessen Name wurde vom Unternehmen bisher nicht kommuniziert. Er soll am 1. November anfangen.

Unter Mersinlis Ägide ist es der Wittinger Klinik nach seinen Angaben gelungen, deutliche Fortschritte in der Wirtschaftlichkeit zu erzielen. Ein Plus von 20 Prozent bei der Zahl der stationären Patienten pro Jahr – zuletzt waren es jährlich 2300 – hat die Einnahmeseite verbessert. Das Defizit, das vor einigen Jahren in der Größenordnung von 1 Million Euro lag, sei damit „deutlich reduziert“ worden. Genaue Angaben zum aktuellen jährlichen Fehlbetrag macht Mersinli nicht.

Die Wittinger Klinik ist nach Angaben des Geschäftsführers aufgrund ihrer Lage und anderer Parameter eins von sieben Krankenhäusern in Niedersachsen, die die Voraussetzungen für einen so genannten Sicherstellungszuschlag erfüllen. Ob das so ist, prüft das niedersächsische Sozialministerium, das Geld kommt von den Krankenkassen. Der Zuschlag soll das Defizit ausgleichen, etwa wenn Kliniken aufgrund ländlicher „Insellage“ von vornherein schlechte Voraussetzungen haben, die von ihnen vorgehaltene Daseinsfürsorge komplett zu refinanzieren.

In dieser Sache hatte Mersinli gerade erst am Freitag einen Termin beim Ministerium – denn von Kassenseite komme Widerspruch: Die Zahlung des Zuschlags werde juristisch angefochten. „Das finden wir nicht so gut“, sagt Mersinli, und so gehe es auch den Verantwortlichen in Hannover. Die Klinik fühlt sich nicht zuletzt durch die positive Prüfung durch das Ministerium im Recht. Mersinli betont, dass der Vorgang, egal wie er ausgeht, „nichts Standortgefährdendes“ sei.

Mersinli sieht die Klinik, die er hinterlässt, gut aufgestellt: Mit dem Chef-Internisten Dr. Liebetrau habe man „medizinische Qualität und Fach-Expertise“ ins Haus geholt. Im ärztlichen Bereich sei es gelungen, personelle Konstanz zu erreichen. Am 1. November soll eine neue Anästhesiologin ihren Dienst aufnehmen. Ihr Vorgänger Dr. Knobloch geht laut Mersinli in den Ruhestand, bleibe der Klinik aber noch für Dienste und Vertretungen erhalten.

Die Klinik sieht sich auch bei der medizinischen Qualität auf dem richtigen Weg: Bei einer Bewertung durch die Initiative Qualitätsmedizin – ein trägerübergreifendes Monitoring-System – habe das Haus 100 Prozent erreicht. Eine Analyse zur Patientenzufriedenheit habe „98 Prozent Weiterempfehlung“ ergeben. Die enge Kooperation mit dem Gifhorner Helios-Klinikum soll auch nach Mersinlis Wechsel nach Uelzen fortgesetzt werden.

Von Holger Boden

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