Zasenbecker sammeln Plastik gegen Polio

Für Impfungen gegen Kinderlähmung: Kleine Deckel, große Hilfe

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In solchen Sammeltonnen oder in Müllsäcken werden die Deckel, die nicht größer als 4 Zentimeter im Durchmesser sein sollten, gesammelt.

Zasenbeck/Plastau/Wittingen/Steinhorst. Käthe Winke, weitere neun Frauen aus Zasenbeck und Plastau sowie Zasenbecks Ortsvorsteher Karl-Heinz Gauert sammeln Plastikverschlüsse für das Projekt „Deckel gegen Polio“.

In der Grund- und Oberschule Wittingen, in der Integrierten Gesamtschule Wittingen, am Dorfgemeinschaftshaus Zasenbeck und im Rathaus in Steinhorst stehen gekennzeichnete Behälter bereit, in die die Schraubverschlüsse eingeworfen werden können.

„Der Großteil der Plastikdeckel – etwa von Tetra-Packs, Getränkeflaschen oder Zahnpasta-Tuben – verschwindet im Restmüll, im gelben Sack oder wird mit der Mehrweg-Flasche abgegeben“, weiß Winke. Doch das muss nicht sein. Denn die Deckel können helfen, die Kinderlähmung weltweit auszurotten.

Renate Piep (v.l.), Christa Jordan, Karl-Heinz Gauert, Erika Bernau und Käthe Winke sammeln seit Monaten fleißig Deckel für einen guten Zweck und wünschen sich noch mehr Mitstreiter.

Initiiert wurde die Aktion „Deckel gegen Polio“ vor rund drei Jahren von Rotariern und der „Melinda und Bill Gates Stiftung“. So konnte inzwischen durch flächendeckendes Impfen in den hauptsächlich betroffenen Ländern die jährliche Anzahl von Neuerkrankungen von über 30 000 auf nunmehr wenige 100 reduziert werden. Die Viruserkrankung kann zu Lähmungen, Verkrüppelung und Tod durch Atemlähmung führen. In vielen Ländern der Welt ist die Krankheit, die meistens Kinder unter fünf Jahren befällt, nahezu ausgestorben – außer in Nigeria, Pakistan und Afghanistan. Dort reichen die Mittel nicht aus, um die Kinder mit Hilfe einer Schluckimpfung lebenslang vor der tückischen Viruserkrankung zu schützen. „Für diese Deckel aus Polyethylen und Polypropylen zahlen Recyclingbetriebe einen guten Preis. Von 500 Deckeln kann eine Schluckimpfung finanziert werden“, erläutert Winke. Die Zasenbeckerin ist durch ihre ehrenamtliche Arbeit in der Flüchtlingsbetreuung auf die Deckel-Aktion aufmerksam geworden.

Die Stadt Wittingen öffnete vor Monaten für Flüchtlingsbetreuung Räumlichkeiten in der Grund- und Oberschule der Stadt. Die Schule beteiligt sich schon länger an der 500-Deckel-Aktion. Als dann Käthe Winke mit dem kleinen Darius (2) aus Syrien an dem Sack mit den vielen bunten Deckeln vorbeikam, interessierte sich Darius sofort dafür. Er spielte damit über eine Stunde lang, vergaß alles um sich und war glücklich. „Das hat mich bewegt. Ich habe nicht nur von Darius meinen Rommee-Damen erzählt, sondern auch von der Deckelaktion. Und seit dieser Zeit sammeln wir alle “, berichtete die Zasenbeckerin.

Inzwischen wird die Sammelleidenschaft auch vom Zasenbecker Ortsvorsteher geteilt. „Hier können wir mit wenig Einsatz viel für die Dritte Welt leisten“, ist Gauert überzeugt. Da einige Frauen auch im Zasenbecker Chor aktiv sind und dort von der Deckelaktion erzählt haben, sammeln jetzt verschiedene Chormitglieder ebenfalls und bringen die Deckel zu Winke, die sich wünscht, dass noch viel mehr Bürger mitmachen.

Rotarier aus ganz Deutschland haben eigens für diesen Sammelzweck einen eingetragenen Verein gegründet: „Deckel drauf e.V.“ mit Sitz in Nürnberg. Dieser Verein organisiert die komplette Logistik und Verwertung der Deckel mit entsprechenden Verträgen.

Nähere Infos unter: www.deckel-drauf-ev.de

Von Rüdiger Lange

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