Kritik von Journalistin Maria von Welser beim Kreislandfrauentag in Wittingen

Kinderarmut im Brennpunkt

Mehr als 300 Landfrauen und Gäste füllten die Wittinger Stadthalle beim Kreislandfrauentag. Fotos: Kayser

Wittingen. „Landfrauen sprechen Probleme an, die die Familien bewegen.

Wir liegen mit unserer heutigen Referentin Maria Freifrau von Welser am Zahn der Zeit“, sagte die Vorsitzende des Kreisverbandes der Landfrauenvereine Gifhorn Nord, Hanna Meyer, vor rund 300 Landfrauen und Grußrednern am Sonnabend beim Kreislandfrauentag in der geschmückten Wittinger Stadthalle. Landrätin Marion Lau, Catarina Köchy, Bezirksvorsitzende der Landfrauen, Pastor Andreas Salefsky und Joachim Zeidler, Vorsitzende des Landvolk Kreisverbandes, ergriffen das Wort.

Auch Bürgermeister Karl Ridder: „Sie haben einen hochkarätigen Gast eingeladen und das Thema „Kinderarmut in Deutschland und keiner sieht hin“ gut gewählt“, lobte das Stadtoberhaupt, nachdem die Kreisverbandsvorsitzende Initiativen aufgelistet hatte – Aktionen, die die Landfrauen unterstützen, damit der ländliche Raum lebens- und liebeswert bleibt. Im Kontext nannte die Vorsitzende Stichworte, wie Breitbandverkabelung in entlegenen Räumen, Ärztemangel auf dem Land, „Kochen mit Kindern“, „Landwirtschaft für kleine Hände“ und „Erziehungslotsen“.

Waren und sind es die Frauenrechte, die Maria von Welser – prominente Fernseh-Journalistin, Publizistin und derzeit stellvertretende Vorsitzende von UNICEF Deutschland – umtreibt, so ist es besonders auch die Kinderarmut. „Denn wenn hunderte Familien sich zum Beispiel den Angeboten der „Tafel“ in Wittingen und Gifhorn bedienen müssen – dann sind auch hunderte von Kindern davon betroffen“, rief Hanna Meyer in die Stadthalle. Dabei sollte doch eigentlich das Problem gerade im Wittinger Raum locker in den Griff zu bekommen sein, mutmaßte Ridder, der die Statistik bediente. „34 Kinder sind im ersten Halbjahr 2011 in Wittingen geboren worden bei einer Einwohnerschaft von 11 800 Mitbürgern.“

Für Wittingen gelten die so genannten weichen Standortfaktoren. Bedeutet: „Hin zu mehr Kinder- und Familienfreundlichkeit“, erläuterte Ridder. Beides gelte es innerhalb der Kommune auszubauen, betonte das Stadtoberhaupt. „Wir müssen intensiv hinschauen und mehr noch: helfen und unterstützen.“

„Ich schäme mich“, sagte Maria von Welser. „In einem der reichsten Industrieländer der Erde existiert Kinderarmut. Es gibt Kinder, die ohne Frühstück in die Schule gehen, die mittags an kostenlosen Mittagstischen anstehen, die zu wenig zum Anziehen haben, die schneller krank werden und die nicht die gleichen Bildungschancen besitzen“, kritisierte sie. In Gifhorn würden 45090 Kinder als arm gelten, weil sie Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabepaket hätten. Das Bildungspaket sei eine Mogelpackung. Kein Glanzstück von der einst erfolgreichen Familien- und Frauenministerin Ursula von der Leyen. Geschweige denn von Kristina Schröder, ihrer Nachfolgerin.

„Armut trifft vor allem Alleinerziehende( Frauen)“, argumentierte die Referentin. Ein Teufelskreis: „Alleinerziehende - das sind zu 90 Prozent die Mütter – bekommen keinen Job, wenn sie keinen Kinderplatz haben – und keinen Kitaplatz, wenn der Job fehlt.“ Zum Mythos Kindergeld erklärte die „Frau des Jahres 1993“: „Das Geld der schwarz-gelben Koalition hilft den Kindern nicht, weil die 20 Euro zusätzlich vom Hartz- VI -Geld abgezogen werden.“ So reihte die Referentin, die minutenlang Beifall für ihren Vortrag erhielt, Kritik an Kritik. „Wir brauchen Mindestlöhne, Kinder haben ein Recht auf Teilhabe der Gesellschaft und Kinderrechte gehören ins Grundgesetz geschrieben“, waren weitere Forderungen Maria Freifrau von Welsers , die Themen anspricht, die ihr nicht immer Lob, aber viel Respekt einbringen.

Von Jürgen Kayser

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