Psychotherapeutin Sabine von Krosigk rät Müttern, eigene Balance zu finden, die ihnen gut tut

Kind oder Karriere – oder beides?

Mütter haben oft das Gefühl, ihre Kinder zu vernachlässigen, wenn sie sich eine Karriere aufbauen möchten. Foto: dpa
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Mütter haben oft das Gefühl, ihre Kinder zu vernachlässigen, wenn sie sich eine Karriere aufbauen möchten.
  • VonSandra Hackenberg
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Wittingen. Die Frau von heute kämpft an verschiedenen Fronten – und hat andere Ziele und Wünsche als eine Frau früherer Generationen. Das weiß die Braunschweiger Pädagogin, Lebensberaterin und Psychotherapeutin Sabine von Krosigk.

Kinder und ein erfülltes Berufsleben schließen sich nicht aus, sagt Sabine von Krosigk.

Sie hielt jetzt einen Vortrag zu den Themen „Kind oder Karriere“ und „Wieviel Mutter braucht ein Kind eigentlich?“ im Wittinger Stephanushaus. „Als Mutter wirst du heute spätestens ein Jahr nach der Geburt gefragt, wann du wieder arbeiten gehen willst“, weiß Sabine von Krosigk zu berichten. „Früher hingegen lag die soziale Anerkennung einer Frau in der Mutterschaft.“ Das lag laut der Mutter von vier erwachsenen Söhnen auch daran, dass es lange keine verlässlichen Verhütungsmethoden gab. „Heute können wir uns bewusst entscheiden, ob wir Kinder bekommen wollen oder nicht.“ Auch die eigenen Ziele der Mütter hätten sich stark verändert. „Müttern reicht es heute oft nicht mehr, vom Einkommen des Mannes abhängig zu sein – oder die Familie kommt mit einem Gehalt nicht mehr über die Runden“, erklärt Sabine von Krosigk. Oft seien die Mütter alleinerziehend und hätten gar keine andere Wahl, als arbeiten zu gehen – oder sie fühlten sich ohne den Arbeitsalltag schlicht „unausgefüllt“.

Warum auch immer – wenn sich eine Mutter dazu entschließt, nach der Geburt eines Kindes wieder arbeiten zu gehen, bekommt sie oft ein schlechtes Gewissen ihrem Nachwuchs gegenüber, wie die Therapeutin berichtet: „Viele denken, dass sie Rabenmütter seien, wenn sie arbeiten gehen, anstatt sich um ihr Kind zu kümmern.“ Doch Sabine von Krosigk erklärt, dass jede Frau ihr eigenes Maß finden muss. Das sei ein ständiger Tanz zwischen „klammern“ und „Rabenmutter sein“. „Die große Kunst ist, den perfekten Weg für sich selbst zu finden und auf dieser Achse zu tanzen“, appelliert die Therapeutin an die Mütter.

Es gebe kein richtiges Maß, das für jede Frau gilt. Weil mittlerweile so viele verschiedene Lebensentwürfe existieren, habe sich auch das Verhältnis der Frauen untereinander gewandelt. „Früher gab es unter Müttern große Solidarität“, erinnert sich Sabine Krosigk. Heute dagegen: „Es ist ein Konkurrenzkampf. Jede Mutter will besser sein als die andere.“ Wenn eine Mutter mit der Situation überfordert ist, würden sich viele denken: „Selbst schuld, du hast es dir so ausgesucht.“

Sabine von Krosigk appelliert an die Mütter, aufzuhören, sich miteinander zu vergleichen und zu versuchen, Verständnis füreinander zu haben – auch, wenn die Mütter einen anderen Erziehungsstil pflegen. „Es bringt viel, sich auszutauschen“, weiß sie. Neben Gesprächsgruppen seien auch soziale Netzwerke eine Möglichkeit, andere Mütter kennenzulernen.

Wenn sich eine Mutter ein Jahr, drei Jahre oder noch später nach der Geburt ihres Kindes dazu entschließt, wieder ins Berufsleben einzusteigen, gibt es mittlerweile viele Betreuungsmöglichkeiten. „Wir bemerken schon, dass die Mütter immer früher in ihren Beruf zurückkehren wollen und weniger Erziehungszeiten in Anspruch nehmen “, bestätigt die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Christine Gehrmann. „Die Frauen wollen nicht nur eigenes Geld verdienen – arbeiten macht ihnen einfach Spaß.“

Darum nehme der Bedarf an Kita-Plätzen, bei denen Kleinkinder ab einem Jahr betreut werden, rapide zu. In Wittingen wurde jüngst diskutiert, Container aufzustellen, um 73 weitere Plätze kurzfristig bereitzustellen (das IK berichtete). Auch in der Samtgemeinde Hankensbüttel sind so gut wie alle Kita-Plätze vergeben. Darum gebe es im Gifhorner Nordkreis auch immer mehr Tagesmütter, um die Zeit zu überbrücken, bis der Nachwuchs das Kindergartenalter erreicht hat. Selbst Au-Pairs seien keine Seltenheit mehr, wie Sabine von Krosigk bestätigt: „Ich kenne Kinder, die von Au-pairs aus verschiedenen Ländern betreut wurden – und heute weltoffene Erwachsene sind.“

Von Sandra Hackenberg

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