„Keine starke Verunsicherung spürbar“

Isenhagener Land. Stell’ Dir vor, es ist Finanzkrise, und keiner geht hin ... – angelehnt an das alte Bonmot aus Zeiten der Friedensbewegung lässt sich vielleicht die derzeitige Reaktion der Bankkunden im Isenhagener Land auf das aktuelle Börsengeschehen beschreiben.

Ganz klar: Auf die leichte Schulter dürfen die weltweiten Verwerfungen an den Finanzmärkten nicht genommen werden, zumal auch die gestern kurzfristig zu beobachtende Erholung der Börsen am Abend schon wieder Geschichte war. Doch die Kreditinstitute im Gifhorner Nordkreis registrieren bisher nach eigenen Angaben keine allzu großen Scharen von besorgten Kunden.

„Ganz verhalten“ seien bislang die Reaktionen, sagt Ingo Tacke, Vorstandsmitglied der Volksbank Hankensbüttel-Wahrenholz. Das könne auch an der Urlaubszeit liegen, das sei möglicherweise aber auch einem gewissen Gewöhnungseffekt bei den Kunden geschuldet. Schließlich ging es in den letzten Jahren in immer schnellerer Folge rauf und runter, und nachvollziehen könne das Börsengeschehen ohnehin kaum noch jemand: Die realen Unternehmensergebnisse, so Tacke, sprechen gegen einen Abwärtstrend am Aktienmarkt.

Auch für die Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg ist laut Sprecherin Alexa von Dossow „keine starke Verunsicherung spürbar“. Dies führt sie darauf zurück, dass die Kunden des Instituts ihr Geld in der Regel „sehr sicherheitsorientiert“ angelegt hätten und sich damit im Prinzip zurücklehnen können.

Manuela Neumann, Anlageberaterin bei der Volksbank Wittingen-Klötze, hat „einige besorgte Kunden“ registriert. Mitunter würden auch kleine Sparer ohne große Geldanlagen Sorgen äußern: „Das ist schon ein Gesprächsthema.“

Was raten die Kreditinstitute ihren Kunden? Neumann rät auf jeden Fall zu Wachsamkeit, denn eine leichte Marktberuhigung könne sich auch als „Strohfeuer“ erweisen – was gestern bei Börsenschluss bewiesen war: „Der Markt ist noch nicht sicher. Wer die Nerven nicht hat, sollte verkaufen“ Die Situation könne aber gleichzeitig die Gelegenheit bieten, später bei niedrigen Kursen in Aktien (wieder) einzusteigen.

Auch Tacke weiß, dass das Anlegerverhalten in Krisensituationen eine Mentalitätsfrage ist. Der Hankensbütteler Finanzexperte rät jedoch dazu, abzuwarten. Hektik sei für Aktienbesitzer das falsche Rezept, das habe die Vergangenheit gezeigt. Die Beteiligung an Unternehmenswerten sehe er als beste Möglichkeit, Vermögen gegen Inflation zu sichern. „Ruhe bewahren“ – das ist auch der Ratschlag, der aus der Zentrale der Sparkasse in Gifhorn kommt.

Von Holger Boden

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