Wittinger Kinder- und Jugendausschuss hört heftige Kritik am Planungsprozess

Keine Kita-Container: Eltern sauer

Bei der Sitzung des Wittinger Kinder- und Jugendausschusses ging es in erster Linie um die Kinderbetreuung.
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Bei der Sitzung des Wittinger Kinder- und Jugendausschusses ging es in erster Linie um die Kinderbetreuung.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Wittingen. Keine Container, nicht genug Kita-Plätze im Stadtgebiet – das ärgert die betroffenen Eltern, und das bekam der Kinder- und Jugendausschuss in seiner jüngsten Sitzung im Knesebecker Rathaus zu hören.

Der Verwaltungsausschuss der Stadt hatte sich jüngst gegen eine Miete und für einen Kauf von Containern entschieden, weil dies als wirtschaftlicher gilt (das IK berichtete). Allerdings ist es damit nicht zu schaffen, bis zum 1. August „Systembauten“ herzurichten, damit der angemeldete Betreuungsbedarf abgedeckt werden kann. Die Väter und Mütter im Zuschauerraum vermissten das Thema auf der Tagesordnung. Der Ausschussvorsitzende Artur Geiger (SPD) musste einräumen: „Ich kann Ihren Ärger verstehen – aber es gibt nichts, was wir als Ausschuss heute ausrichten könnten.“

Die fehlenden Kita-Plätze bringen offenbar Familien, die auf Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind, in die Bredouille: „Wir haben einen Arbeitsvertrag zu Hause liegen, den wir nicht unterschreiben können, weil ein Betreuungsplatz fehlt“, sagte eine Mutter. Ein Vater kritisierte die Planungen der Stadt: „Sie hatten drei Jahre Zeit, das Problem anzugehen, die Geburtenraten waren bekannt.“

Monique Bagge, die als Elternvertreterin für alle drei Kindertagesstätten der Stadt spricht, fand die Entscheidung des Verwaltungsausschusses zu einem derart späten Zeitpunkt fragwürdig: „Warum war die Unwirtschaftlichkeit einer Mietlösung erst jetzt ersichtlich? Man prüft doch schon zu Anfang die Alternativen.“ Ihre Frage, wie groß der Kostenvorteil bei einem Kauf sei, konnte nicht beantwortet werden. Stadtbürgermeister Karl Ridder: „Das wissen wir erst nach der Ausschreibung. Wir wissen aber, dass es absolut Sinn macht.“

Ridder bestätigte, dass den betroffenen Eltern angesichts des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz der Klageweg offen stehe. Das kommentierte ein Vater so: „Wofür soll ich klagen? Ich will, dass mein Kind am sozialen Leben teilnehmen kann.“ Zudem sei damit zu rechnen, dass das Kind längst nicht mehr im Kindergartenalter sei, wenn irgendwann einmal ein Gerichtsentscheid vorliege.

Zur Verteidigung der städtischen Planung führte Ratsherr Hermann Lahmann (CDU) an, die aktuellen Bedarfszahlen seien lange nicht vorhersehbar gewesen. Als die Situation dann im Januar durch die Anmeldung bekannt wurde, habe man „alle Hebel in Bewegung gesetzt“. Andrea Harms (FWG) ergänzte, es habe vor einem knappen halben Jahr schlicht keine Container zum Kauf auf dem Markt gegeben.

Welche Perspektiven die Familien, die auf einen Betreuungsplatz warten, nun haben, ist offen. Ein Vater beklagte, dass auch das offizielle Infoschreiben der Stadt in dieser Hinsicht „schwammig“ geblieben sei. Auf einen festen Termin, an dem zusätzliche Kita-Plätze angeboten werden können, wollte auch Ridder sich nicht festlegen: Die Aufstellung der Container sei mit einer Baugenehmigung verbunden, das Verfahren sei „schwer zu beeinflussen“. Er halte den 1. Januar für „realistisch und umsetzbar“, könne aber derzeit keine Garantien abgeben. Immerhin: Die Kirche als Betreiber der Kindertagesstätten im Stadtgebiet sei personell gerüstet, hieß es in der Ausschuss-Sitzung.

Voraussichtlich also bis zum Jahreswechsel müssen die betroffenen Eltern nach Alternativen suchen. In der Regel also nach Tagesmüttern. Infos dazu gibt es beim Kindertagespflegebüro des DRK, das landkreisweit zuständig ist: (05371) 804430.

Von Holger Boden

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