(K)ein ganz normaler Freitag?

Black Friday: Viele Händler im Nordkreis sehen die Aktion kritisch

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Der Trend kam aus dem Internethandel, inzwischen zieht der Einzelhandel auch in Niedersachsen nach – aber nicht flächendeckend. Viele Händler, auch im Nordkreis, wollen nicht mit Rabattaktionen das eigene Weihnachtsgeschäft torpedieren. 

Wittingen/Hankensbüttel – Mitmachen oder nicht? Das ist für die lokalen Geschäfte die Frage, wenn es um den „Black Friday“ geht. Denn der Hype um die große Online-Rabattschlacht fordert auch den stationären Handel heraus.

Einzelhändler aus dem Nordkreis beantworten die Frage ganz unterschiedlich.

So ist Claus-Peter Hansen mit seinem Malereibetrieb in Wittingen an diesem Freitag mit von der Partie – erstmals, sodass er keine Erfahrungswerte aus den Vorjahren hat, wie die Aktion bei der Kundschaft ankommt. Hansen ist der Meinung, dass die Teilnahme am Black Friday inzwischen dazugehört: „Das wird doch überall gemacht – ich verstehe gar nicht, warum andere Geschäfte nicht dabei sind.“

Matthias Rönneberg verzichtet mit seinem Elektronik-Fachgeschäft in Wittingen auf die Teilnahme. Auch der HGV, dessen 2. Vorsitzender Rönneberg ist, plant keine gemeinsamen Aktionen zum großen Rabatt-Fieber. „Qualifizierte Arbeit muss honoriert werden, wir sind nicht zum Geldverbrennen hier“, sagt Rönneberg. Mit dem Black Friday kannibalisiere man praktisch das eigene Weihnachtsgeschäft. Rönneberg bezweifelt auch, dass die Kunden wirklich Schnäppchen machen, gerade im Internet werde da schon mal getrickst: „In manchen Portalen werden die Preise vorher angehoben, um sie dann wieder reduzieren zu können.“

In eine ähnliche Kerbe schlägt Arnd Meyer jun., Geschäftsführer des Möbelhauses „möbelmeyer“ in Hankensbüttel. Für ihn ist die vor-adventliche Prozente-Sause „der absolute Blödsinn“, insbesondere im Netz hebe mancher zuvor die Preise an, um sie dann Ende November zu senken: „Das sind Tricks, so funktioniert’s.“

Derartige Geschäftspraktiken moniert auch Martin Kasprzyck, der mit dem Wittinger Modehaus Dress den Freitag dieser Woche ebenfalls einen ganz normalen Freitag sein lässt: „Ich lehne es grundsätzlich ab, alle möglichen Geschichten aus der weiten Welt auch hier machen zu müssen.“ In der Regel seien die Geschäfte, die am Black Friday gemacht werden, lediglich vorweggenommene Umsätze. Viele Firmen, die mit Saisongeschäft zu tun haben, würden solche Rabattaktionen auch vor allem aus logistischen Gründen mitmachen – weil sie Platz brauchen. Der Wert, den eine Ware besitzt, werde dabei nicht immer gewürdigt.

Das Wittinger Familienunternehmen Glaubitz hat letztes Jahr Erfahrungen mit dem Black Friday gemacht, die nicht so überzeugend waren, wie Lara Gade berichtet, die das Fachhaus in der Innenstadt führt. Dieses Jahr sei man daher nicht dabei. Etwas anders sehe es bei Werkers Welt aus – da sei man durch die Einkaufsgemeinschaft mit im Boot, diese lädt ein zur „Cyber Week“. Preise erst hoch, dann wieder runter? „Da weiß ich ganz genau, dass es bei unseren Angeboten nicht so ist“, sagt Gade. „Bei dem Geschehen im Internet beobachten wir das aber natürlich auch.“ So sieht sie denn den Prozente-Freitag auch weiterhin in erster Linie als Online-Phänomen. Als Kunde müsse man dort gut aufpassen: „Auch die Firmen im Internet haben gemerkt, dass sie Geld verdienen müssen.“

VON HOLGER BODEN

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