Kassenärztliche Vereinigung prognostiziert Unterversorgung

In 15 Jahren Ärztemangel in Wittingen?

Nach Aussage der KV droht Wittingne in 15 Jahren eine Unterversorgung an Allgemeinmedizinern
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Wittingen könnte nach Aussage der KV in 15 Jahren mit Allgemeinmedizinern unterversorgt sein
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Wittingen – Vielen Kommunen in Niedersachsen droht in knapp 15 Jahren eine dramatische Unterversorgung mit Hausärzten. Darunter ist auch der Versorgungsbereich Wittingen, zu dem neben dem Wittinger Stadtgebiet auch die Samtgemeinde Hankensbüttel gehört. Das geht aus dem neuen Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) hervor.

Nach der Prognose für 2035 gehört Wittingen dann zu den Gebieten, die nur noch einen Versorgungsgrad von 60 bis 70 Prozent aufweisen könnten. Überraschenderweise ist auch die Vorhersage für die Stadt Wolfsburg ernüchternd, dort soll 2035 nur noch ein Versorgungsgrad zwischen 40 und 50 Prozent erreicht werden.
Wenn sich bis dahin nichts ändert.

KV-Sprecher Detlef Haffke betont, dass es sich bei der Prognose um „ein Worst-Case-Szenario“ handele. In die Berechnungen sind Parameter wie die Bevölkerungsentwicklung (Einwohnerzahl, Alter) und das Alter der praktizierenden Ärzte sowie ihr (voraussichtliches) Pensionsalter eingeflossen sind. Die KV schreibt in ihrem Versorgungsatlas, dass die Zukunftsprojektion – auch wenn sie vermutlich nicht in dieser drastischen Form eintreten werde – deutlich mache, welche großen Herausforderungen sich für die Aufrechterhaltung einer engmaschigen medizinischen Versorgung stellen.

Die Hintergründe sind laut Haffke die gleichen, die schon seit Jahren diskutiert werden: Die Ärzteschaft weise einen hohen Altersdurchschnitt auf, der es wahrscheinlich mache, dass in den nächsten 15 bis 20 Jahren zunehmend Mediziner aus dem Dienst scheiden. Gleichzeitig fehlt es an beruflichem Nachwuchs. Und: Wer heute eine Praxis führe, der lebe seinen Beruf meist anders als viele nachrückende Mediziner, die – mitunter mit Teilzeitmodellen – auf eine stärkere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie achten. Haffke sagt: „Wenn ein 68-jähriger Arzt ausscheidet, dann brauchen wir zwei neue, um ihn zu ersetzen.“

Aktuell gilt der Bereich Wittingen als ausreichend versorgt, es gibt keinen freien Arztsitz. Dass sich das für Patienten in vollen Wartezimmern gefühlt anders darstellt, steht auf einem anderen Blatt. Statistisch gesehen haben andere Kommunen jetzt schon deutlich größere Probleme. In Wolfsburg etwa sind 10 Sitze für Allgemeinmediziner frei, in Salzgitter 24, im Kreis Uelzen 6 – und im Versorgungsbereich Gifhorn, der die Kreisstadt und den Südkreis erfasst, sind es 12.

Der Landkreis Gifhorn bemüht sich mit einem Mentoring-Projekt schon seit einiger Zeit, Medizinstudenten für eine spätere Tätigkeit im Kreisgebiet zu begeistern. Auch die KV setzt sich für diverse Instrumente ein, mit denen die Versorgung gesichert werden soll, zum Beispiel mehr Studienplätze für Mediziner oder eine Landarztquote. Spürbare Effekte solcher Maßnahmen, so heißt es im Versorgungsatlas, seien allerdings erst nach 2035 zu erwarten.

Bis dahin müssen die Patienten hoffen, dass das Worst-Case-Szenario nur möglichst abgemildert eintritt. Ziel der KV ist es laut Haffke, ein Abrutschen des Versorgungsgrades unter 75 Prozent zu verhindern. Darunter beginnt die offizielle Unterversorgung.

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