Knesebeck: Fachkräftemangel, immer mehr Bürokratie und private Gründe führen zu Geschäftsaufgabe

Kanada-Haus: Ende im Dezember

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Für Fertighäuser in Holzrahmenbauweise, wie dieses in Ehra-Lessien, ist das Knesebecker Familienunternehmen Kanada-Haus bekannt. Es schließt zum Jahresende seine Pforten. Das Firmengrundstück mit den Gebäuden wurde von Butting gekauft.

Knesebeck. Das Knesebecker Familienunternehmen Kanada-Haus wird zum Jahresende seinen Betrieb einstellen. Das Grundstück mit Gebäuden wird durch Butting am 17. Dezember übernommen: Der Knesebecker Rohrhersteller hat es bereits gekauft.

Zur Geschäftsaufgabe haben vielfältige Gründe geführt, wie Gunda Rebentisch, Geschäftsführerin bei Kanada-Haus, im IK-Gespräch erläutert.

Sie habe den Entschluss Anfang dieses Jahres gefasst. „Bei der Entscheidung war etwas Melancholie dabei.“ In erster Linie führt sie Probleme bei der Nachwuchsgewinnung an. Es sei beispielsweise schwierig geworden, Lehrlinge zu finden. Rebentisch kritisiert zudem „immer schlimmere Gesetze“. Diese würden nur das Wohl des Kunden sehen und die Firmen „massiv benachteiligen“. Die Geschäftsführerin nennt das Datenschutzgesetz und das Bauwerkvertragsrecht. Durch letzteres würden Aufträge seit 2018 rund 60 Seiten umfassen. „Die zunehmende Bürokratie ist für kleinere Unternehmen kaum noch zu bewältigen. Insbesondere den Mittelständlern wird es da ganz schwer gemacht.“

Kanada-Haus habe nicht zuletzt auch seit einigen Jahren mit „Ineffizienz“ zu kämpfen gehabt, sagt Rebentisch. „Es rechnet sich einfach nicht, mit eigenen Mitarbeitern zu bauen.“

Aber auch persönliche Gründe haben zu der Entscheidung geführt. Rebentisch und ihr Lebensgefährte möchten 2020 eine Weltreise antreten. Ihr Lebensgefährte will danach im Ausland arbeiten und Rebentisch möchte ihn begleiten. Auch eine Krebserkrankung ihrer besten Freundin habe zu dem Entschluss beigetragen.

Das Unternehmen ist seit 1971 in Knesebeck und befindet sich seit 1978 in den Händen der Familie Rebentisch. Gunda Rebentisch ist seit 1995 dabei, Vater Kurt schied 1998 aus, Mutter Hannelore war noch bis 2008 an der Spitze. „Die Firma war das Lebenswerk meiner Mutter“, sagt Gunda Rebentisch, die den Betrieb seit 2008 alleine führte. „Wir haben tolle Häuser gebaut. Es waren insgesamt weit über 2000 Objekte.“

Rebentisch ist sich sicher: „Wir haben gute Mitarbeiter. Sie finden sicher etwas Neues.“ Da spiele auch die Gunst der Stunde mit hinein: Durch den derzeitigen Mangel an Fachkräften und annähernd Vollbeschäftigung würden die Mitarbeiter (15 Festangestellte und zwei Aushilfen), die teils seit über 20 Jahren im Unternehmen sind, schnell wieder in der Region in Lohn und Brot kommen. Sie würden sich derzeit bereits umsehen. „Ich habe auch mit anderen Firmen gesprochen: Sie suchen händeringend Personal: ob Zimmerer, Tischler oder Bürofachkräfte.“ Sie hoffe, dass jeder jetzt schnell einen neuen Arbeitsplatz findet. „Dann fällt mir ein Stein vom Herzen.“

Die gesamte Garantiephase bleibt für die Kunden abgedeckt: Der Geschäftsführer für den technischen Bereich, Christian Herbsleb, macht sich mit einem Ingenieurbüro selbständig und betreut die Kunden weiterhin.

Kanada-Haus unterhält auch in Weyhausen noch ein Büro, das laut Rebentisch zu einem etwas späteren Zeitpunkt auch noch verkauft werden soll. Die Geschäftsführerin glaubt angesichts der guten Konjunkturlage, dass die Subunternehmer und Handwerksbetriebe in der Region, die mit Kanada-Haus zusammenarbeiten, nach der Geschäftsaufgabe schnell wieder ausgelastet sein werden.

Von Paul Gerlach

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