Wittingen: Info-Veranstaltung zum Krähenproblem / Wenig Aussicht auf Erfolg

Kampf dem Krächzen

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Saatkrähen und ihre auffälligen Nester: In Wittingen kriegt man diese häufig zu Gesicht.

Wittingen. Seit nun mehr zwei Jahren schlägt sich die Stadt Wittingen mit einem geflügelten Problem herum: Saatkrähen haben es sich an mehreren Stellen im Stadtgebiet gemütlich gemacht und machen keine Anstalten wegzuziehen.

Die Bürger sind wegen der Lärm- und Schmutzproblematik auf den Barrikaden. Rund 600 Unterschriften wurden bereits letztes Jahr an die Stadt übergeben und mit ihnen die Aufforderung in Sachen Krähe aktiv zu werden. Aber was tun, wenn die Saatkrähe doch als besonders geschützt gilt?.

Auf diese Fragen erhofften sich rund 40 Wittinger Bürger und auch Stadtbürgermeister Karl Ridder beim Informationsabend am Mittwoch eine Antwort – doch auch der geladene Experte Dr. Gotthard Steiner hatte keine Patentlösung anzubieten und nahm den Wittingern schnell die Hoffnung einer krähenfreien Stadt: „Ich kann mit Sicherheit sagen, dass sie Wittingen dauerhaft nicht krähenfrei bekommen werden.“

Und das, obwohl die Saatkrähe längst nicht mehr auf der roten Liste steht. Eine EU-Richtlinie verbiete allerdings trotzdem die Bejagung der Krähe und stelle alle einheimischen Vogelarten grundsätzlich unter Schutz. Bis zur Brutzeit, die gemeinhin am 15. März beginne, seien lediglich Vergrämungsmaßnahmen erlaubt, und das auch nur, wenn sie der unteren Naturschutzbehörde dezidiert begründet und von dieser genehmigt werden, informierte Steiner.

Der Wittinger Friedrich O. Winkelmann outete sich zudem als Krähenexperte und klärte die Runde ausführlich über Eigenheiten, Brutgewohnheiten und die enorme Intelligenz der Tiere auf, die ebenfalls dafür verantwortlich sei, dass die Saatkrähen so schwer zu vertreiben sind.

Die juristischen und ornitologischen Feinheiten interessierten die meisten Anwesenden aber nur bedingt, hatten sie sich doch praktische Tipps erhofft. „Ich dachte hier erfahren wir, was gemacht werden kann, sonst kann ich auch nach Hause gehen“, sagte etwa der gewohnt streitbare Jochen Bellin.

Hinweise lieferte Steiner dann auch – auch wenn diese nicht gerade Optimismus verbreiteten. „Man kann etwas machen, aber man muss sich über die Folgen der Vergrämung im Klaren sein“, warnte Steiner. Fange man einmal mit mitunter kostenintensiven Vergrämungsmaßnahmen wie der Beschneidung von Ästen an, müsse man diese jedes Jahr wiederholen, sonst kämen die Krähen wieder. Außerdem könnten aus einer Kolonie durch Versprengung mehrere kleinere werden, die dann durch Zuwanderung von außen wieder wachsen könnten. Vergrämung könne also im schlimmsten Fall zu Vermehrung führen, das Problem werde nur an einen anderen Punkt im Stadtgebiet oder eine der Ortschaften verlagert. „Mir ist jedenfalls keine Stadt in Deutschland bekannt, die erfolgreiche Maßnahmen eingeleitet hat“, so Steiner. Dazu kommt, dass jede Vertreibung noch fachmännisch in Form von genauem Monitoring begleitet werden muss, was zusätzlichen Kostenaufwand bedeute.

In jedem Fall müsse man die Naturschutzbehörde stets mit einbinden. Steiner: „Dafür „braucht man langen Atem, man muss sie immer wieder regelmäßig kontaktieren.“

Von Steffen Schmidt

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